Interview: To Kill A King

Ritter des Mitgefühls

Korrupte Prediger, ein dunkles Zeitalter und die Frage nach Gott - alles Themen, mit denen sich To Kill A King beschäftigen. 6. März waren die Engländer zu Gast in Berlin und verraten: Ihnen geht es eher um die Menschen hinter dem Glauben.
To Kill A King im Interview: Ben Jackson (l.) und Ralph Pelleymounter (r.) im Musik & Frieden.
To Kill A King im Interview: Ben Jackson (l.) und Ralph Pelleymounter (r.) im Musik & Frieden.

To Kill A King sind soetwas wie ein gesund wachsender Baum. Eine zugegeben merkwürdige Metapher, die mit Blick auf die Laufbahn der Band gleich viel mehr Sinn ergibt. 2009 in Leeds gegründet, hat die Band in fast einem Jahrzehnt drei Alben veröffentlicht und mehrmals die Besetzung gewechselt. Headlinetouren durch das Vereinigte Königreich, Europa und Amerika und eine stetig wachsende, treue Fanbase sind seitdem genauso Teil der Karriere wie finanzielle Engpässe. Dass Musik einen heute so schnell nicht reich macht, ist kein Geheimnis, aber für To Kill A King waren die Kosten der Touren, Studios und Instrumente schließlich überhaupt nicht mehr tragbar.

Ralph Pelleymounter (Gesang, Gitarre) und Ben Jackson (Keyboard, Synthesizer) gehören zu den Gründungsmitgliedern und haben sämtliche Höhen und Tiefen der Band miterlebt. Als wir sie im Backstage des Berliner Clubs Musik & Frieden treffen, lässt sich den beiden von alldem nichts anmerken. Einen bisschen müde sind sie am letzten Tag ihrer „Compassion Is A German Word“-Tour zwar, begrüßen uns sonst aber freundlich zum Interview.

Mehr Mitgefühl als Gotteslob

„The Spiritual Dark Age“, das durch Crowdfunding finanzierte dritte Album der Band bietet nicht starke Vorlagen für packende Live-Perfomances, sondern auch jede Menge Gesprächsstoff. Allen voran sein religiöser Tonus, der durch Songs wie „My God & Your God“ oder „The Unspeakable Crimes of Peter Popoff“ bestärkt wird. Peter Popoff, der Fernsehprediger, der sich in den 80er Jahren als Prophet ausgab und duzenden Menschen mit falschen Versprechungen von vermeintlich übernatürlichen Heilkräften das Geld aus der Tasche zog, wurde aber eher durch Zufall addressiert, mein Pelleymounter. Durch eine Dokumentation wurde er auf den Deutsch-Amerikaner aufmerksam und schrieb einen Song über ihn. Ihm ging es dabei hauptsächlich um die Skrupellosigkeit von Menschen wie Popoff.
Genrell, so betont Pelleymounter, ist „The Spiritual Dark Age“ kein explizit religiöses Album. Es geht eher um Ideen und Emotionen, die oft im Zusammenhang mit Religion und Glaube vorzufinden sind - Mitgefühl, zum Beispiel.

Ich selbst bin nicht religiös, aber es macht mich wütend, wenn Menschen andere wegen ihres Glaubens runterputzen. Auf dem Album gibt's auch einen Track namens „Compassion Is A German Word“ - das generelle Thema des Albums ist wohl eher Mitgefühl. Das ist etwas, das wir alle anstreben sollten.

- Ralph Pelleymounter

Zu Gast auf großen Bühnen

Das neue Album der Engländer richtet sich im Gegensatz zu älteren Songs noch deutlicher und kritischer an die Außenwelt. Der Spaß geht der Band dabei nicht verloren. Auf „The Spiritual Dark Age“ finden sich einige ihrer bisher tanzbarsten Songs. Trotzdem bleiben To Kill A King Meister der leisen Töne. Egal, ob auf Wohnzimmerkonzerten oder ihren gut besuchten Headlineshows - die fünf Musiker heizen ihrem Publikum ein, berühren es aber auch mit schmucklosen Liebesliedern und Balladen. Alles ohne großen Pomp und deshalb besonders wirksam.

Ein Talent, das ihnen besonders in naher Zukunft zum Vorteil sein dürfte: To Kill A King begleiten die befreundete Band Bastille auf deren „Reorchestrated“-Tour durch Europa. Während Bastille mit großem Orchester auftreten, spielen To Kill A King akustisch in den riesigen Venues. Eine Vorstellung, die besonders Ben Jackson den Schweiß auf die Stirn treibt:

Ich bin wahrscheinlich aufgeregter wegen der Tour, als bei irgendeiner unserer Headlinetouren. Einfach, weil alles ziemlich entblößt wird. Wir spielen akustisch und man wird alles ganz deutlich hören. Das sind wahrscheinlich nur meine persönlichen Unsicherheiten, aber ich denke, da werden Leute sein, die unser musikalisches Können beurteilen.

- Ben Jackson

Für Fans von To Kill A King dürften Jacksons Sorgen tatsächlicher eher unbegründet erscheinen. Ihre Livequalität hat die Band bereits mehrfach unter Beweis gestellt - akustisch und mit Verstärker. Auch der Abend im Musik & Frieden verläuft überaus zufriedenstellend für das Publikum. Es wird geschwitzt, getanzt und mitgesungen. Die Zuschauer*innen verabschieden sich auch nach dem Konzert nur zögerlich von der Band. Noch am selben Abend verspricht die Band via Twitter, dass man sich bald wieder sehen wird. Die glücklichen Gesichter in der Menge lassen verraten: Die nächste Headlinetour kann gar nicht früh genug kommen.

Das Interview zum Nachhören gibt's hier. Unter anderem erklärt Pelleymounter, wie er zum Song über Peter Popoff inspiriert wurde:

Ralph Pelleymounter (Gesang) und Ben Jackson (Keyboard) im Gespräch mit Musikredakteurin Ariane Seidl.
Interview To Kill A King

 

 

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Ariane Seidl
21.03.2018 - 11:30
  Kultur