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Reudnitz schöntrinken?!

Sternburgbier – von den einen geliebt und verehrt, von den anderen als schlechtes Billigbier, das den Markt kaputt macht, verhöhnt. Was steckt hinter dieser Marke, die keinen Hehl daraus macht, ein sogenanntes Niedrigpreisbier zu sein?
Billig aber geil
Sternburgbier – von den einen geliebt und verehrt, von den anderen als schlechtes Billigbier verhöhnt

Mit Slogans wie "Vom Preis her nicht mein Geschmack." oder "Nur ein Stern? Also bitte!" wirbt die Leipziger Biermarke Sternburg für ihr Produkt. Was zunächst abwertend und negativ klingt, scheint gut aufzugehen: Sternburg ist oft das Bier der Wahl bei studentischen Hauspartys und Grillabenden. Einmal im Jahr veranstaltet die Brauerei sogar ein großes Sternburg Fanfest. Doch, wie wird aus einer Marke ein solcher Kult?

Rittergut mit Brauerei

1822 kauft sich der Leipziger Handelsherr Maximilian Speck ein Rittergut mit dazugehöriger Brauerei in Lützschena. Er beginnt die Brauerei als Betrieb auszubauen und ist damit sehr erfolgreich. Vom bayerischen König Ludwig I. wenig später aufgrund weiterer Verdienste in den Freiherrenstand erhoben, nennt sich Speck von nun an "von Sternburg". Schließlich wird auch sein Betrieb Ende des Jahrhunderts in die "Freiherr von Sternburg’sche Brauerei" umbenannt.  Zu DDR-Zeiten mit anderen Brauereien kooperierend, wird die Sternburg Brauerei GmbH 1990 zu einem eigenständigen Unternehmen. Mitte der neunziger Jahre sinkt der Absatz und der Standort wird von Lützschena nach Reudnitz verlegt, wo auch heute noch gebraut wird.

Ein Bier mit Geschichte

Sternburg ist also ein Bier mit Geschichte. Doch es ist nicht die Traditionsschiene, die Sternburg fährt, um Kunden zu gewinnen. Bis 2011 haben sie sogar völlig auf Außenwerbung verzichtet. Heute nutzen sie ein Werbekonzept, das zunächst unkonventionell wirkt. Dabei ist es ein recht Gängiges, so Ansgar Zerfaß, Professor für strategische Kommunikation an der Universität Leipzig:

Was Sternburg macht, ist eigentlich ein ganz klassischer Weg. Man versucht, das Produkt zu markieren und sich ganz ausdrücklich für eine bestimmte Zielgruppe attraktiv zu machen. Und das geht ja offensichtlich auf.

Aber wer ist diese Zielgruppe von Sternburg? Studenten? Jugendliche? Rentner? Die Slogans auf den Sternburg-Plakaten sind deutlich: Hier wird eine Gruppe durch ein gemeinsames Feindbild adressiert – "wir trinken Sternburg, weil wir nicht snobbig sind."

So wurde eine Marke zum Kult, erklärt Zerfaß weiter:

Kultig ist immer etwas, wenn es abgrenzt von anderen. Und in dem Fall funktioniert es deswegen, weil die meisten Biermarken eben gerade die Premiumstrategie fahren. Und das muss dann nicht die Mehrheit sein, aber eine Zahl von Anhängern, die groß genug ist, die dann eben genau sagt: 'Diese ganzen Premiumbiere, die faszinieren mich nicht mehr, ich will genau das Gegenteil machen. Und deswegen finde ich Sternburg gut.‘

Und einmal Kultstatus erreicht, ist es dann sogar möglich, jährlich ein großes Fanfest zu veranstalten und T-Shirts und Jogginghosen von sich zu vertreiben.  

Leipzig schöntrinken?! - Ein Beitrag von Annalena Döbel
 

 

 

Kommentare

die Sternburg-Bier-Story stimmt so nicht ganz.Als (zu DDR-Zeiten)noch in Lützschena
gebraut wurde,war "Sternburg" neben "Ur Krostizer"durchaus eine Premiummarke in der Region-auch wenn es damals diese Qualitätsbezeichnung offiziell nicht gab.Nach der Wende verschwand "Sternburg" mit der Schließung der Traditionsbrauerei in Lützschena vom Markt und in der Mühlstraße,der alten Riebeck-Brauerei,wurde "Reudnitzer"als Marke aus der Taufe gehoben.Diese existierte einige Jahre im Niedrigpreissektor durchaus erfolgreich bis sie eines Tages stillschweigend in "Sternburg" umgetauft wurde und mit leicht veränderten Sternburg-Logo neu auf den Markt kam.Ob die Rezepturen denen der Original-Sternburgbrauerei entsprechen, kann ich nicht beurteilen-das Wasser kann keinesfalls das gleiche sein und deshalb ist es für mich auch nicht das gleiche Bier,was bekanntlich zu ca.95% aus letzterem besteht.

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Annalena Döbel
26.06.2015 - 13:55
  Kultur