Bio-Regionalmesse

Regional mit Realismus

Auf unseren Tellern landet schnell mal die ganze Welt: Äpfel aus Argentinien, Reis aus Indien, Tomaten aus Spanien. Oft wird deshalb mehr Regionalität gefordert. Auf der dritten "Bio-Regionalmesse" konnte man sich anschauen, was da realistisch ist.
Gemüse wie aus dem Bilderbuch auf der Bio-Regionalmesse im Biomare Karl-Heine-Straße

Die "Bio-Regionalmesse" am Samstag, 22. September, war bereits die dritte Messe dieser Art der Leipziger Bio-Supermarktkette Biomare. In der Filiale auf der Karl-Heine-Straße präsentierten rund 40 Anbieterinnen und Anbieter ihre Produkte, darunter Gemüse, Gebäck und Aufstriche. Der Großteil der Austellenden war aus der Region, vertreten waren aber ebenso bekannte, überregionale Biomarken.

Auf der Messe konnten Kunden Lebensmittel verkosten und die Produzierenden auch persönlich kennenlernen. Mitarbeitende von Biomare gaben zudem darüber Auskunft, welche Waren des Biomarktes tatsächlich regional bezogen werden. Dabei betonte Malte Reupert, Gründer von Biomare, dass es beim Kriterium 'regional' nicht nur um die Entfernung gehen könne, sondern auch um einen insgesamt möglichst ressourcenschonenden Ansatz. Einige Produkte, etwa Bananen oder Avocados, würden darüber hinaus eben auch angeboten, weil Kunden dies nachfragen.

Regionalität ist ein schönes Schlagwort, mit dem man sehr schnell die Herzen erobern kann. Aber auch ein Orangensaft kann regional sein, wenn nämlich die Herstellung eines Organensaftes regional organisiert wird. Es gibt da keine einfachen Antworten. Über die Emotionalisierung kann man eben Leute auch ganz schnell hinters Licht führen.

Malte Reupert, Gründer von Biomare

Bio ist nicht grundlos teuer

Die Messe bot insofern auch die Chance, bei den Produzierenden nachzufragen, wie Herstellung und Tierhaltung genau aussehen. Insbesondere kleinere Betriebe sind dabei auf regionale Vertriebsstrukturen angewiesen, weil die abgegebenen Mengen nicht für größere Verkäufer intreressant sind. Zudem seien Kunden eher bereit, höhere Preise zu zahlen, wenn sie die Produktionsbedingungen kennen, so Reupert. Beispielsweise werden vor Ort Eier verkauft, die von Hühnern stammen, bei denen männliche und weibliche Tiere aufgezogen werden. So entfällt das vieldiskutierte "Kükenschreddern".

Es geht darum: die Hybridhühner, die gezüchtet wurden, die jeden Tag ein Ei legen, da wird herkömmlich das männliche Küken entsorgt. Und bei diesen Zweinutzungshühnern entfällt das. Diese alten Rassen können nur jeden zweiten oder dritten Tag ein Ei legen, und so kommt dieser höhere Preis zustande.

Sabine Meister, Geflügelhalterin

Das "Kükenschreddern" ist dabei schon lange in der politischen Diskussion. Laut aktuellem Koalitionsvertrag soll September 2019 damit Schluss sein; allerdings fehlt es noch an Methoden, die in der konventionellen Landwirtschaft praktikabel sind. Insofern steht dies auch als ein Beispiel für die Bio-Branche insgesamt. Obwohl viele Produkte auf der Biomesse nachhaltig erscheinende Lösungen anbieten, handelt es sich weiterhin um eine Nische in Deutschland: in den letzten Jahren entfielen nur etwa 5% des gesamten Lebensmittelumsatzes auf Bioprodukte.

 

Der Beitrag zum Nachhören:

Moderator Max Koterba im Gespräch mit Anton Walsch über die Bio-Regionalmesse
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