Im Gespräch: Frederik Obermaier

Rechte Gespenster

Der Ku-Klux Klan spukt nicht nur durch Amerika. Frederik Obermaier und Tanjev Schulz haben mit „Kapuzenmänner“ in Deutschland nach den Spuren der rassistischen Gruppierungen gesucht – und sind bei der Terrorgruppe NSU fündig geworden.
Autor und Journalist Frederik Obermaier im Gespräch mit mephisto 97.6 Redakteur Markus Lücker
Autor und Journalist Frederik Obermaier im Gespräch mit mephisto 97.6 Redakteur Markus Lücker

Vier Jahre blutiges Schlachten. Es ist 1965. Der amerikanische Bürgerkrieg hat gerade sein Ende gefunden. Der Rassismus ist weit davon entfernt, der Vergangenheit anzugehören, aber mit Abraham Lincolns 13. Zusatzartikel und der Abschaffung der Sklaverei wird ein erster Schritt dafür getan. Am 18. Dezember tritt dieser in Kraft. Fünf Tage später, an Heiligabend, wird in Pulaski, Tennessee der Ku-Klux-Klan (KKK) gegründet.

Wer ist der KKK?

Sie ziehen sich weiße Kapuzen über – eine Kostümierung, die an die Geister verstorbener Südstaatensoldaten erinnern soll. Die Hufe ihrer Pferde umwickeln sie mit Stoff, um das Hufgeklapper in der Nacht zu dämpfen. Sie ziehen durch die Südstaaten, verprügeln, ermorden und lynchen die zumindest nach dem Gesetz nun freie schwarze Bevölkerung des Landes. Der Ku-Klux-Klan – eine amerikanische Erfindung.

Wie der Klan nach Deutschland kam

Doch ist die Erfindung nicht nur in ihrem Heimatland geblieben. Frederik Obermaier und Tanjev Schultz zeichnen in ihrem Buch nach, wie der KKK seit 1920 immer wieder auch in Deutschland in Erscheinung tritt. Und das bis heute. Nur blieb das lange verborgen oder wurde vom Verfassungsschutz nicht ernst genommen. Erst mit den offiziellen Ermittlungen gegen den Nationalsozialistischen Untergrund NSU, gegen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, wird ein ernsthafter Blick auf den Klan geworfen. Plötzlich werden in die NSU-Morde verwickelte Polizisten entdeckt, die ehemals Mitglieder beim KKK waren.

Ein gewaltbereiter Geheimbund

Obwohl Die Anhänger des KKK zum Teil lächerlich wirkten, da sie meist als Alkoholiker in einem Geheimbund wahrgenommen würden, dürfe man sie keineswegs unterschätzen – so Frederik Obermaier. Es sind klar rechtsgesinnte Menschen und rechte Strukturen, die den Klan ausmachen. Es gibt zwar nicht das einheitliche KKK-Mitglied, eine Gemeinsamkeit lässt sich jedoch bei nahezu allen feststellen: hohe Gewaltbereitschaft. Laut Frederik Obermaier legen sich Mitglieder des Klans in großen Mengen Waffen zu. Dies sei ein Beleg für die hohe Gewaltbereitschaft, die von Mitgliedern und dem Klan an sich ausgehe. Außerdem verbinde die Anhänger die Begeisterung für das Geheimbündlerische. Der Ku-Klucks-Klan nehme sich als Geheimbund wahr. Ein Geheimbund, der über viel Gewaltpotenzial verfügt.

Markus Lücker spricht mit Frederik Obermaier darüber, welche Gefahr vom Ku-Klux-Klan ausgeht:  

Autor Frederik Obermaier im Gespräch mit mephisto97.6 Redakteur Markus Lücker
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Frederik Obermaier war 2016 einer der zentralen Akteure in den Recherchen zu den Panama Papers und deckte darin ein globales System der Schwarzgeldverschleierung mit auf. Tanjev Schultz berichtete für die Süddeutsche Zeitung über die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds NSU und ist Professor für Journalistik an der Johannes Gutenberg-Universität Main.

Kapuzenmänner – Der Ku-Klux-Klan in Deutschland“ ist bei dtv erschienen und kostet im Handel 16,90€.