Zeitgeschichtliches Forum

Realität oder Fiktion?

„Inszeniert. Deutsche Geschichte im Spielfilm.“ Die neue Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum dreht sich rundum Filme und Geschichte und stellt sich der Frage: Liefern historische Spielfilme Unterhaltung oder Information?
Ausstellungsplakat
Plakat zur Ausstellung "Deutschte Geschichte im Spielfilm"

Ob „Operation Walküre“ oder „Goodbye Lenin“, in den letzten Jahren erreichen historische Spielfilme immer häufiger ein Millionenpublikum. So prägt der Film das Geschichtsbewusstsein der Menschen wie kein anderes Medium. Auch die neue Ausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums zeigt: Filme können öffentliche Debatten anstoßen, neue Akzente setzen und die Sicht auf Personen und Ereignisse beeinflussen.

Geschichtsversessenheit statt -vergessenheit

Das Paradebeispiel dafür: „Holocaust“ – eine vierteilige US-amerikanische Miniserie aus dem 20. Jahrhundert. Nie wieder hat es im deutschen Fernsehen einen historischen Film gegeben, der so wirkmächtig war wie „Holocaust“. Die ersten Folgen wurden 1978 innerhalb von fünf Tagen im dritten Fernsehprogramm ausgestrahlt und erreichten an den einzelnen Tagen zwischen zehn und 15 Millionen Zuschauer. Das anschließende Echo war groß. Allein der WDR bekam 20.000 Zuschriften und 65 Prozent von befragten Familien gaben später an, im Familienkreis intensiv über den Film diskutiert zu haben. Es war das erste Mal, dass es im deutschen Fernsehen einen Film dieser Art zu sehen gab. Gleichzeitig regte „Holocaust“ eine öffentliche Debatte und kritische Auseinandersetzung mit den deutschen Naziverbrechen an. Daran hatte es bis dato gefehlt.

Wir haben eine lange Strecke gehabt in den 60er und 70er Jahren, wo man eher von Geschichtsvergessenheit sprechen konnte. Jetzt haben wir eine Geschichtsversessenheit und einen Geschichtsboom.

​Jürgen Reiche, Museumsdirektor des Zeitgeschichtlichen Forums

Reise durch die Filmgeschichte

Filme sind also ein unverzichtbares Medium, wenn es darum geht, Geschichte in das Bewusstsein der Menschen zu rücken. Trotzdem verzerren Spielfilme manchmal die öffentliche Wahrnehmung wie zum Beispiel „Operation Walküre“. Der Film wurde stark dafür kritisiert, die Rolle des Generals von Stauffenberg zu heroisieren. Einen Einblick in solche Kontroversen bietet „Inszeniert“ zu unzähligen weiteren Filmen. So ist die Ausstellung fast schon ein Gang durch die Filmgeschichte. Dabei setzt das Zeitgeschichtliche Forum sieben thematische Schwerpunkte: „Holocaust“, „Widerstand“, „Zweiter Weltkrieg“, „Zeit des Wirtschaftswunders“, „Flucht, Vertreibung, Integration“, „Linksterrorismus“ und „Erinnerung an die DDR“. Insgesamt kann man sich über 500 Objekte wie Drehbücher, Plakate, Filmpreise und zahlreiche Filmausschnitte ansehen. Bis zum 07. Januar 2018 bleibt die Ausstellung nun geöffnet. Film ab!

​mephisto 97.6 Redakteurin Angela Fischer mit weiteren Informationen zur Ausstellung:

mephisto 97.6 Redakteurin Angela Fischer im Studiogespräch zur Ausstellung
mephisto 97.6 Redakteurin Angela Fischer im Studiogespräch zur Ausstellung

 

 

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