Theaterrezension: FCK!T

Rassistischer Rasierer?

Die Inszenierung ‚FCK!T‘ feierte am vergangenen Freitag in den Cammerspielen Premiere. Die Choreographen Mona Louisa-Melinka Hempel und Calendal Klose beschreiben ihre Inszenierung als „Zerstörung der weißen Vorherrschaft“.
Rasierer
Spiel mit dem Rasierer

Atmosphäre zu Beginn

Die Bühne ist durch goldene Alufolie am Boden markiert. Rund um dieses Rechteck stehen kleine Hocker, die aus Karton gebaut sind. Die Zuschauer setzen sich vorsichtig. Der kleine Raum füllt sich schnell und so wird es richtig kuschelig.

Die Inszenierung

Ein wenig verspätet geht es dann los: Die Tänzerin in schwarzer Hose und blumenverziertem Oberteil verrenkt sich auf der Bühne und schaut dem Publikum dabei tief in die Augen. Ihre Bewegungen werden immer schneller und bringen die Folie am Boden zum Knistern. Schließlich untermalt sie ihre Bewegung mit animalischen Lauten.

Im nächsten Teil steuert sie über einen Schalter die Farbe des Scheinwerferlichts: Während sie bei der Farbe Blau sich schüttelnd am Boden liegt, steht sie bei Gelb ganz ruhig da und schaut freundlich in das Licht.  

Die Tänzerin verlässt die Bühne und kommt kurz darauf mit einem Rasierer wieder zurück. Mit dem Mikrofon untersucht sie den Klang des eingeschalteten Gerätes. Dann zieht sie weitere vibrierende Gegenstände, vor allem Vibratoren, hinzu und setzt ihr Klangspiel fort. Dabei entsteht eine interessante Geräuschkulisse.

Das große Finale

Während die erste Tänzerin sich ins Spiel mit den Vibratoren vertieft, kommen zwei weitere Frauen hinzu. Immer wieder schauen sie sich gegenseitig herausfordernd an und tanzen anstößig, twerken sogar. Zum krönenden Abschluss setzt sich eine der Tänzerinnen an ein Mischpult. Die Bühne ist leer und Musikfetzen ertönen im Raum.

FCK!T

Von nun an spielt sich das Stück in den Gesichtern der Zuschauer ab: „Ist es schon vorbei?“, „Kommt noch was?“. Alle warten auf ein Signal – erst gespannt dann ungeduldig. Die ersten verlassen den Raum. Auch ich bin verwirrt. Das Motiv Rassismus suche ich in dieser Stunde vergebens. Am Ende denke ich mir einfach nur: "FCK!T!" und gehe nach Hause.

Hintergrund

Das Stück von danaehelios a.k.a cobratheater.cobra und dem SQUAD sollte eigentlich die Kritik der Antirassismus-Expertin Tupoka Ogette aufgreifen:

Viele weiße Menschen in Deutschland und in dieser Welt wissen gar nicht, dass sie weiß sind und was "weiß sein" als Konstrukt bedeutet. Wir denken, der Status Quo ist neutral. Der Status Quo ist aber, dass wir in einer rassistisch geprägten Gesellschaft leben, das heißt alle die hier geboren werden und hier aufwachsen, inhalieren Rassismus als System. [...] wir nehmen es oft als normal wahr, wenn wir nicht davon betroffen sind und sind uns deswegen nicht bewusst, dass es Rassismus ist. Tupoka Ogette

Die Kurzrezension hören Sie hier:

Die Kurzrezension des Stücks von mephisto 97.6 Redakteurin Louisa Grübler.
2711 Rezi Fckit

 

 

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