Drogenkonsum

Räume für Rausch in Leipzig?

Ein Antrag der Linken im Landtag sorgte zu Beginn der Woche für Aufregung. Es ging um eine gesetzliche Grundlage für sogenannte Drogenkonsumräume. Was zunächst nach einer Vorlage für freien Drogenrausch klingt, hat einen ernsten Hintergrund.
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Viele Drogen haben ein großes Suchtpotential.

Immer wieder kann man in den Parks der Stadt benutzte Spritzen finden, die von Drogenkonsumenten zurückgelassen werden. Ein Grund ist, dass alte Häuser in der Stadt renoviert werden und so keinen Zufluchtsort für Suchtkranke mehr bieten können und der Drogenkonsum vor allem in die Grünanlagen und Parks stattfindet. Werden die Spritzen mehrfach verwendet, ist die Gefahr hoch, sich mit Krankheiten wie HIV und Hepatitis infizieren. Dafür reicht bereits eine zufällige Verletzung durch eine Spritze. Vor allem Kinder sind dadurch besonders gefährdet. Abhilfe sollen nun Drogenkonsumräume schaffen. Diese sind eine Anlaufstelle für Suchtkranke. Dort dürfen sie in einer sicheren Umgebung Drogen konsumieren. Die Art der Substanzen wird nicht eingeschränkt. Außerdem werden die Süchtigen durch Fachpersonal betreut, durch die sie psychische Betreuung und im Ernstfall auch Erste Hilfe erhalten. Ähnliche Räume gibt es bereits in anderen Großstädten wie Berlin oder Hamburg.

Wie können diese Einrichtungen leisten?

Innerhalb der Räumlichkeiten wird sowohl die Art des Konsums, als auch die Menge der Droge überwacht. Die SPD begrüßt den Vorschlag den Linken, diese Räume auch in Leipzig einzurichten. Katharina Schenk sitzt für die SPD im Drogenbeirat. Ihrer Meinung nach hätte diese Lösung Vorteile für Anwohner und Konsumenten. Denn gerade im Leipziger Osten fehlen für Drogenkonsumenten die Möglichkeit, sich zurückzuziehen.  

Das ist nicht so […] dass das irgendwie ein Wohlfühlraum ist, in dem Drogen konsumiert werden. In der Regel sind das sterile Räume, in denen Menschen in Sicherheit und Sauberkeit Drogen konsumieren.

Juliane Nagel, LINKE

Der Vorschlag wird ebenfalls von den Grünen unterstützt. Auch die gesundheitspolitische Sprecherin Judith Künstler begrüßt den Vorschlag. Allerdings betont sie, dass es dabei weniger um einen Beitrag zur Drogenentwöhnung geht. Dieser sollte ihrer Meinung nach weiterhin durch den Entzug erfolgen.

Es wäre ein Beitrag um zu sehen, wie kann ich im Quartier Raum geben, um gewisse Konflikte einzuschränken. Und um einen Raum zu schaffen, um so eine Stigmatisierung aufzuheben und die Konsumenten von der Straße zu holen.

Judith Künstler, Grüne

Auch die AfD würde eine Art Pilotprojekt unterstützen.

Opposition bei Konservativen

Lediglich die CDU sträubt sich gegen die Umsetzung. Michael Weickert betont, dass die Lösung für diese Probleme nicht Konsumräume sein können. Er sieht die Antwort vielmehr in einer verstärkten Polizeipräsenz.

Es kann nicht sein, dass Parkanlagen sozusagen zu rechtsfreien Räumen werden, wo dann munter drogen verkauft, gekocht, was auch immer werden.

Michael Weickert, CDU

Jede Form der Legalisierung würde eine neue Form von Kriminalität und damit neue Probleme schaffen. Die CDU fordert deshalb mehr Prävention. Besonders Kinder aber auch Eltern sollten über die Folgen von Drogenkonsum aufgeklärt werden. Jede Prävention bedürfe auch einer Repression, so Weickert. Daher sollte auch beim Konsumenten hart durchgegriffen werden.

 

Sowohl Juliane Nagel als auch Katharina Schenk weisen diese Position zurück. Sie stimmen zu, dass Prävention weiterhin intensiv betrieben werden muss. Allerdings könne man nicht Konsumräume durch Prävention ersetzen. Die richte sich an Menschen, die über die Gefahr aufgeklärt werden sollen. Die Drogenkonsumräume hingegen sollen Anlaufpunkt für bereits an der Sucht Erkrankte sein. Juliane Nagel fordert die CDU auf, die Vorurteile gegenüber diesen Einrichtungen abzulegen.

 

Den Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Anneke Elsner können Sie auch nachhören:

 

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Anneke Elsner.
3005 Drogenkonsumraum
 

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Anneke Elsner
30.05.2017 - 21:05