GameCheck: Rage 2

Quietschbunte Aggressionstherapie

Acht Jahre nach dem ersten Teil ist der postapokalyptische Ego- Shooter Rage zurück und sieht bunter und rasanter aus, als je zuvor. Es ist verfügbar für PS4, XBOX One und PC. Für wen das Spiel etwas sein könnte, erfahren Sie hier.
Bar
Die Bar einer der zahlreichen Siedlungen

Vor 100 Jahren verwüstete ein Meteor die Erde und trieb die Menschheit an den Rand der Ausrottung. Die wenigen Überlebenden organisierten sich in kleinen Siedlungen und schlugen sich durch, so gut sie konnten.

Story

In der Gegenwart hat sich die Gesellschaft zu einer lebensfeindlichen Anarchie entwickelt. Einige wenige Häfen, die ein friedliches Miteinander anstreben, können sich nur mit Mühe inmitten des postapokalyptischen Chaos behaupten. Banden ziehen durch die wüstengleiche Landschaft und überfallen und plündern, was sie nur können, während in den Kanalisationen der Dörfer grässliche Mutantinnen und Mutanten ihr Unwesen treiben. Aber auch von den offensichtlichen Bedrohungen abgesehen hat sich die Menschheit nicht gerade zum Besseren entwickelt. Zahllose verrückte und exzentrische Figuren bevölkern das Ödland, wie zum Beispiel der ruchlose Verbrecherboss Klegg Clayton, der jenseits der Armut in seiner Stadt einen hedonistischen Club für Sieger und Gewinner betreibt.

Klegg Clayton
Klegg Clayton und sein praktischer Schulterventilator

Zu allem Überfluss erhebt sich nun aber eine besiegt geglaubte Gefahr aus dem Untergrund. Die "Obrigkeit", ein faschistischer Cyber- Kult, der die ihrer Meinung nach unwürdigen Oberweltler vernichten und ihr Zuhause für sich beanspruchen will. Ihr erstes Ziel ist Vinewood, der Stützpunkt einer der wenigen Ordung schaffenden Instanzen, der Ranger.

Hier schlüpft man in die Rolle des obercoolen Haudegens Walker. Beziehungsweise, je nach Belieben des Spielenden, der obercoolen Kampfamazone Walker. In beiden Fällen handelt es sich hierbei um eine grummelige Kampfmaschine, die so auch direkt aus einem 80er Actionstreifen entsprungen sein könnte. Nachdem er oder sie seine Ziehmutter im Kampf mit der Obrigkeit verliert, wird Walker selbst zum Ranger und schickt sich an, die eine streng geheime Mission zu starten: "Projekt Dagger".

"Das ist Jersey´s Rüstung."

"Jersey ... wurde umgebracht."

"Wenn du seine Rüstung anlegen kannst, kannst du auch seinen Job machen."

Gespräch zwischen Walker und Ziehmutter Edwina Prowley

Gameplay

Als Walker erkundet man die offene Spielwelt. Die meisten der Bereiche, die man entdeckt, sind Variationen von Stein- und Sandwüsten, doch auch ein feuchtwarmes Sumpfgebiet ist dabei, das willkommene Abwechslung in die Landschaft bringt. Fortbewegen kann Walker sich mit einer ganzen Garage an freischaltbaren Fahr- und Flugzeugen. Die unterscheiden sich hauptsächlich in Geschwindigkeit, Wendigkeit und Bewaffnung.   

Sumpf
Das düstere Sumpfgebiet

In der Hauptmission geht es um die Umsetzung von Projekt Dagger. Walker muss dafür eine Freundin und zwei Freunde der verstorbenen Ziehmutter ausfindig machen, die sich ihrerseits als Barbesitzer, Bürgermeisterin und als verrückter Wissenschaftler durchschlagen. Sind diese drei Gesellen erst gefunden, erledigt man für sie weitere Aufgaben, die mit ihrem jeweiligen Spezialgebiet Kampf, Schutz und Wissenschaft zu tun haben. Doch auch wenn man gerade keine Lust auf die Hauptmissionen hat, können durch das Ausheben von Bandenverstecken, das Öffnen von Straßensperren und andere Nebentätigkeiten Punkte beim jeweiligen Projektmitglied gesammelt werden, die dann in Upgrades des jeweiligen Spezialgebietes investiert werden können. So bekommt man durch das Töten von Banditen Punkte beim Kampfspezialisten und kann mit ihnen neue Waffentechnologien ergattern. Was hier jedoch ein großer Minuspunkt ist: Es gibt kaum Abwechslung in der Natur der Missionen. Über "Töte dies, zerstöre das" kommen die Missionen leider nie hinaus. Etwas mehr Tiefe hätte da gut getan.

Das wahre Kernelement eines Shooters ist aber das Kampfsystem und hier kann "Rage 2" wirklich glänzen. Die Kämpfe sind, in einem Wort, schnell. Mit Gewehr oder Pistole rennt, springt oder kriecht Walker herum und schießt auf alles, was sich bewegt. Dank der mächtigen Sekundärwaffen, einem Boomerang oder diverse Granaten, und spektakulärer Nanotritenkräfte, die z.B. Feinde zurückstoßen oder elektrisieren, kommt ordentlich Würze in die Kämpfe. Langweilig ist das zumindest nicht, nur als Neueinsteigende wird man sich zuerst deutlich überwältigt fühlen.

Grafik & Sound

Die im "Rage"- Universum gezeigte Postapokalypse ist wahrscheinlich eine der Buntesten, die es bisher gab. Überall ist Schrott in aggressiven Neonfarben angesprüht, grelle Leuchtschilder brennen sich in die Augen und bunte Leuchtfeuer erhellen die Nacht. Auch wenn es in vielen Aspekten an andere Shooter mit ähnlichem Setting erinnert, findet "Rage 2" seinen eigenen Ton. Die verwüstete Welt aus Geröll und Schrott wird durch die Überlebenden bunt und lebendig gemacht.

Neben futuristischen und befriedigenden Waffengeräuschen wartet "Rage 2" mit einem schicken E- Gitarren- Soundtrack auf, der den temporeichen Kämpfen ihr I-Tüpfelchen verpasst. Herausstechende Kompositionen finden sich hier allerdings nicht.

"Jeder hat eine Aufgabe in dieser Welt und deine besteht darin, verdammt nochmal am besten zu sein."

Klegg Clayton zu Walker

Fazit

Wüste
Die Schönheit der Postapokalypse

"Rage 2" ist ein Shooter durch und durch. Was er als solcher können muss, kann er gut, drum herum ist aber eher platt. Das ist schon etwas schade, da im verwendeten Konzept sicher einige gute Geschichten drinstecken. Wer gern Horden an menschlichen und weniger menschlichen Monstern niedermäht, wird hier seine helle Freude haben. Das Kampfsystem ist, hat man es erst gelernt, flüssig und komplex genug, um nicht langweilig zu werden. Wer aber eine tiefgehende Story, eine lebendige Welt oder eine Hauptfigur mit mehr als zwei Charaktereigenschaften sucht, schaut besser woanders nach.

"GameCheck: Rage 2" (Johannes Bundemann)

Sprecher: Johannes Bundemann

Originaltöne: Avalache Studios, id Software

GameCheck: Rage 2 (Johannes Bundemann)
 

Kommentieren

Johannes Bundemann
28.06.2019 - 14:18
  Games