Quidditch Weltmeisterschaft

Quidditch im Wandel der Welten

Quidditch – Die Sportart aus Harry Potter, hat sich in den letzten Jahren zu einer richtigen Sportart für Nicht-magische Menschen entwickelt. Aller zwei Jahre findet auch eine Weltmeisterschaft statt. Die diesjährige wurde in Deutschland ausgetragen.
Klatscherangriff
Auch Mannschaften aus Südkorea waren angereist

Frankfurt, 23. Juli 2016

Was man an diesem Samstag in Frankfurt am Main im Rebstockpark zu sehen bekommt, sieht man nicht alle Tage: Dutzende von Menschen, die mit Fußballschuhen und in verschiedenen Trikots mit Stöcken zwischen den Beinen über die Sportplätze rennen. Drumherum Menschen, ob Jugendliche, Studenten oder Mitvierziger, die die Teams auf den Plätzen lautstark anfeuern. Was hier gerade gespielt wird, nennt sich Quidditch.

mephisto 97.6 Redakteurin Lara Lorenz war bei der Quidditch WM in Frankfurt am Main dabei. Sie erklärt, wie Quidditch funktioniert und was in Frankfurt los war.  

mephisto 97.6 Redakteurin Lara Lorenz im Gespräch mit Moderator Nico van Capelle
 

Fußball für Zauberer

Quidditch ist die Nationalsportart aus den Fantasybüchern Harry Potter. In der Buchvorlage wird Quidditch auf fliegenden Besen gespielt. Es treten zwei Mannschaften gegeneinander an. Eine Mannschaft besteht aus jeweils sieben Spielern: drei sogenannten Jägern (Chaser), die versuchen einen Ball, den Quaffel, durch die drei gegnerischen Torringe zu schießen. Für jeden Treffer gibt es zehn Punkte. Einem Hüter (Keeper), der die Torringe verteidigt. Zwei Treibern (Beater), die versuchen die gegnerischen Spieler vom Besen zu schlagen – und zwar mithilfe der zwei Klatscher. Klatscher sind verzauberte Bälle, die über das Spielfeld fliegen und versuchen die Spieler abzulenken. Der siebte Spieler einer Mannschaft ist der Sucher (Seeker). Die Sucher versuchen einen kleinen fliegenden Ball, den Schnatz, zu fangen. Damit beenden sie ein Spiel und ihre Mannschaft erhält 150 zusätzliche Punkte.

 

Magische Muggel*

In der Realität lassen sich fliegende Besen und  verzauberte Bälle nur schwer umsetzten. Aus diesem Grund wurde das Spiel etwas angepasst.  Statt einem fliegenden Besen klemmen sich die Spieler ein PVC-Rohr zwischen die Beine. Was auf den ersten Blick sehr merkwürdig und fast lächerlich aussieht, macht eigentlich Sinn: Die „Besen“ entschleunigen das ganze Spiel und dienen als Handicap - so ähnlich wie die Schrittregeln beim Basketball.

Als Quaffel benutzten Jäger und Hüter einen Volleyball. Das Spielprinzip erinnert an Handball:. Die Teamkameraden passen sich den Quaffel zu und versuchen ihn durch einen der gegnerischen Torringe zu werfen. Jeder Treffer bringt ihnen 10 Punkte ein.

Das Spielprinzip der Treiber erinnert stark an Völkerball. Die zwei Treiber nutzen die Bälle, um die gegnerischen Spieler abzuwerfen. Diese „fallen“ vom Besen und müssen zurück zu ihren Torringen rennen, um wieder aufzusteigen. Damit keine Mannschaft ein Ballmonopol haben kann, gibt es drei Klatscher.

Am schwierigsten zu ersetzen ist wohl der geflügelte Schnatz. Der wird im hier durch den sogenannten Snitchrunner ersetzt. Das ist ein neutraler Spieler, der gelb-gold angezogen ist, und an dessen Hosenbund ein Tennisball in einer Socke befestigt ist. Der Snitchrunner kommt in der 18. Minute auf das Spielfeld. Die beiden Sucher versuchen dem Snitchrunner den Tennisball, also den Schnatz, wegzunehmen. Der Sucher, dem das gelingt, gewinnt 30 Punkte für seine Mannschaft und beendet das Spiel. Den Schnatz zu fangen ist allerdings gar nicht so einfach, denn der Snitchrunner wird nicht durch einen „Besen“ zwischen den Beinen behindert, und darf zum Beispiel den Suchern den Besen zwischen den Beinen wegziehen.  

Insgesamt erinnert Muggel-Quidditch auch an Rugby – Tackling, Zahnschutz und Verletzungen sind keine Seltenheiten. Was erlaubt ist und was nicht, steht im Regelbuch. Das umfasst ganze 200 Seiten - mehr als das Regelbuch von Fußball! Auf dem Spielfeld achten mehrere Schiedsrichter darauf, dass die Regeln eingehalten werden. 

 

Quidditch WM 2016

Seit 2012 findet alle zwei Jahre eine offizielle Quidditch Weltmeisterschaft statt, organisiert von der IQA (International Quidditch Association). Dieses Jahr trafen sich die Quidditchnationalmannschaften aus 21 Ländern in Frankfurt am Main in Deutschland. Als Favoriten galten von vornherein die USA, da sie die beiden vorherigen Weltmeisterschaften gewonnen hatten – nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass Quidditch für Muggel* 2005 von US-amerikanischen Studenten erfunden wurde und die Sportart dort schon in Ligen organisiert gespielt wird. Doch auch Kanada, Großbritannien und Australien waren mit starken Mannschaften angereist.

Nachdem die WM am Freitagabend offiziell eröffnet wurde, fanden am Samstag ab 8 Uhr morgens die Vorrunden statt. Wie bei der Fußball WM wurden die Mannschaften in Gruppen eingeteilt und spielten gegen alle in ihrer Gruppe. Deutschland verlor gegen Norwegen und die USA, konnte sich aber gegen Brasilien durchsetzen.

Die ersten beiden Mannschaften jeder Gruppe traten am Sonntag im Viertelfinale gegeneinander an. Die Spiele wurden härter, denn jetzt ab jetzt ging es darum, ins Finale zu kommen.

Obwohl es am Sonntag um mehr ging, waren die Mannschaften immer noch wahnsinnig nett zueinander. Egal, wie verbissen sie auf dem Feld gegeneinander kämpften – nach dem Spiel umarmten sich erstmal alle Spieler, feierten den Sucher, der den Schnatz gefangen hatte und posierten für Gruppenbilder.

Auch unter den Fans herrschte eine freundschaftliche Stimmung. Aus aller Welt waren sie angereist, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Das war einer der Gründe, warum bei der WM vor allem Englisch gesprochen wurde. Natürlich hatte die deutsche Mannschaft, einen Heimvorteil bei den Fans. Die Deutschland-Spiele wurden immer von vielen Menschen beobachtet, die Fahnen schwenkten und Fangesänge anstimmten. Auch Australien, Frankreich und Großbritannien hatten viele lautstarke Anhänger mitgebracht.

Deutschland schied im Sechzehtelfinale gegen Australien aus. Allerdings spielte die Mannschaft trotzdem noch gegen Slowenien, Norwegen und Katalonien und belegte am Ende den 11. Platz.

Ins Finale kämpften sich die USA und Australien. Letzten Endes entschied tatsächlich der Schnatz das Spiel: Es stand 120 zu 130 für die USA, als der australische Sucher den Schnatz fing und seiner Mannschaft 30 Punkte extra einbrachte – Australien ist Quidditchweltmeister!

 

Die mephisto 97.6 Redakteurinen Conny Poltersdorf und Lara Lorenz berichten live vom Spiel Deutschland gegen Brasilien.

Lara Lorenz und Conny Poltersdorf live von der Quidditch WM in Frankfurt am Main
2607 Quidditch LoT

*als Muggel werden in der Harry-Potter-Welt Menschen bezeichnet, die nicht zaubern können. 

 

Kommentare

Ein schöner Artikel, wobei "Fußball für Zauberer" etwas untreffend formuliert ist. Wir Spieler berühren die Bälle nicht bewusst mit unseren Füßen.
Seit der letzten WM16 hat sich viel in der deutschen Quidditch Community getan: Es fanden die Winterspiele in München statt, 3 deutsche Teams haben sich für den European Quidditch Cup qualifiziert, das deutsche Nationalteam wird im Sommer in Oslo an der Quidditch Europameisterschaft teilnehmen und - worauf viele stolz sind - ist eine richtige Quidditch Saison für 2017 geplant. Dies zeigt also, dass Quidditch in Deutschland mehr und mehr Anhänger findet und stetig wächst.

Für all diejenigen, die noch mehr über diesen Kontaktsport erfahren möchten, gibt es seit Ende letzten Jahres eine zentrale Plattform. Auf www.muggel-quidditch.de wird versucht, sämtliche Informationen zu diesem Sport und dessen Ursprünge aufzuzeigen. Quidditch-Interessierte können auch hier nach Teams in ihrer Nähe schauen.

An dieser Stelle nochmal vielen Dank für den ausführlichen Bericht und die spannenden Live-Schaltungen!

Kommentieren

Lara Lorenz, Conny Poltersdorf
02.08.2016 - 16:15
  Sport

Alle Spiele gibt es bei Sportdeutschland.tv als Videos.

 

In Leipzig gibt es übrigens auch eine Quidditch-Mannschaft: Die Looping Lux