Die Kolumne

Pudelwohl

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Til Schäbitz über einen seiner Helden, zu hohe Nervenbelastung und darüber wie der Eine das Andere vermeiden wollte.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Pudelwohl - die Kolumne von Til Schäbitz
 

Ich sitze relativ oft mit Freunden in einer Kneipe. Auf zwei Bier oder so, maximal. Meistens werden es doch mehr und meistens sagt dann irgendwer sowas wie „ey digga macka, ich hab ne meeeega Idee. Damit können wir dick Geld machen“. Jede dieser Ideen klingt abends wahnsinnig durchdacht und am nächsten Morgen so wahnsinnig dumm, dass sie schließlich verworfen wird. Aber das vielleicht zu Unrecht. An dieser Stelle möchte ich gerne den Amerikaner Gary Dahl erwähnen.

Wer war denn Gary Dahl?

Gary Dahl war ein Visionär. Auch er saß an einem lauen Sommerabend mit Freunden in einer Bar. Und auch er hatte eine Idee, die an Stumpfheit kaum zu übertreffen ist. Denn Gary wollte seinen Mitmenschen Steine verkaufen.

Er wollte was?

Seinen Mitmenschen Steine verkaufen. Um genau zu sein: jeweils einen Stein. Und zwar beklebt mit Wackelaugen, verpackt in einer hübschen Schachtel mit der Aufschrift „Pet Rock“. Also Steine als pflegeleichtes Haustier. Eine Idee, die jeder von uns wahrscheinlich noch am Abend verworfen hätte. Doch Gary blieb dran und das sollte sich auszahlen. Denn allein in den ersten 6 Monaten verdiente Gary durch den Verkauf seiner „Pet Rocks“ knapp 6 Millionen Dollar.

 

Nun, das ist schon ziemlich witzig. Aber warum erzählst du das denn gerade heute?

Nunja, Gary hat die „Pet Rocks“ ja ursprünglich erfunden, um nervige Haustiere überflüssig zu machen. Doch so ganz durchgesetzt hat sich das anscheinend nicht, denn diese Woche findet in Leipzig die „World Dog Show“ statt. Das ist die weltweit größte Hundeausstellung mit mehr als 31000 Hunden aus aller Welt. Blöderweise bringen diese 31000 Hunde auch ihre Halter mit und noch blöderweise sind Hund und Halter nicht dauerhaft auf dem Messegelände, sondern auch in der Stadt unterwegs. Und mich stresst es unglaublich, meinen Stehplatz in der Straßenbahn mit irgendwelchen überzüchteten Vierbeinern zu teilen.

Denkst du, Steinbesitzer würden sich nicht auch irgendwo zusammenfinden?

Naja, aber selbst wenn. Es wird ja oft behauptet, dass zwischen Hund und Halter eine frappierende Ähnlichkeit besteht. Und das stimmt, denn die Besitzer von nervigen überfrisierten Pudeln sind ja meist selbst … ja, ne. Wäre wiederum jeder Steinbesitzer wie sein Stein … nun, mit denen würde ich gerne Bahnfahren.

Wenn du schon übers Bahnfahren sprichst: demnächst könntest du da auch auf RB-Spieler Naby Keita treffen. Der hat nämlich mehrfach versucht, einen gefälschten Führerschein aus seiner Heimat zu einem Deutschen umschreiben zu lassen. Jetzt muss er 415000 Euro Strafe zahlen. Gutes Thema?

Dazu hat ja mittlerweile jedes journalistische Medium irgendeinen Kommentar verfasst. Aber RB ist eigentlich ein gutes Thema. Denn RB ist der Organisator des einzigen Events, dass an Nervenbeanspruchung noch an die Hundemesse heranreichen kann: den Glühwürmchen-Umzug. Zum Glühwürmchen-Umzug liefen am Mittwoch rund 9000 Menschen, natürlich vorrangig Kinder, rund um die Red-Bull Arena. Und anstatt schöne Martins-Liedchen zu singen, wurden sie zu Fußball-Fangesängen motiviert. Man kann sich kaum ausmalen, wie toll das klang.

Aber, naja, wann hat man schon mal einen Kinderchor in Martinsstimmung, der einem eine würdigen Schluss bescheren kann? In diesem Sinne…

Kinderchor: „Mein Licht ist aus, ich geh nachhaus, rabimmel rabammel rabum, …“

…Bum Bum.

 

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