Förderverein "Traumanetz"

Psychologische Beratung für Geflüchtete

Die Reise in ein neues Land und vor allem die Flucht vor Krieg oder Terror hinterlässt psychische Spuren. Viele Geflüchtete leiden unter Traumafolgestörungen oder Depressionen. Wir haben mit Luise Pabel vom Förderverein "Traumanetz" gesprochen.
Die Flucht vor Krieg und Terror hinterlässt besonders psychische Spuren.
Die Flucht vor Krieg und Terror hinterlässt besonders psychische Spuren.

Für viele Geflüchtete stellt die Reise in ein neues Land und auch die Flucht eine besonders psychsiche Belastung dar. In Dresden kümmert sich ein Team aus Psychologen und Fachärzten um die Betroffenen, auch in Leipzig gibt es Anlaufstellen. Wir haben mit Luise Pabel, Projektleiterin beim Förderverein "Traumanetz", gesprochen.

Das Interview zum Nachhören oder auch zum Nachlesen finden Sie hier:

Redakteurin Johanna Honsberg im Gespräch mit Luise Pabel.
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mephisto97.6: Was genau macht das "Traumanetz"?

Luise Pabel: Das Angebot direkt sieht so aus, das wir einmal wöchentlich zwei Stunden für erwachsene Bewohner so ne Art niederschwellige psychologische Beratung anbieten, also jeweils eine halbe Stunde Krisenintervention ist das dann. Bei Kindern ist das aktuell nach Bedarf, also für Kinder und Jugendliche, die im Camp wohnen. Auch dann gibt es Stützen der kunsttherapeutischen Angebote und es ist in Überlegung, ob wir auch noch einen körpertherapeutischen Ansatz eher einbeziehen, weil  sich zeigt, das gerade die nonverbalen Therapie- und Beratungsangebote auch ne gute Möglichkeit darstellen. Also Beratung eher im Sinne von Auffangstützen stabilisieren, deeskalieren, das ist das, was wir hauptsächlich in der Krisenintervention machen.

Was belastet die Geflüchteten denn am häufigsten?

Viele kommen mit Traumafolgestörung, das heißt durch ein traumatisches Ereignis, die jeden von uns stark belasten würden, sind die in ihrer psychischen Stabilität sozusagen geschwächt. Daraus ergeben sich Ängste, Depressionen, Schlafstörungen, oft Schmerzstörungen oder auch Somatoforme Störungen, das heißt körperliche Symptome ohne erkennbares organisches Korrelat. Aber auch wirklich PTBS (Posttraumatische Belastungsstörungen) mit Erregbarkeit, Zittern, Flashbacks, Intrusion, was natürlich auch wieder dazu führt, das die Bewohner schlecht schlafen und essen können, also ne ziemliche Bandbreite von psychischen Störungen und Auffälligkeiten, die wir dort sehen und die wir auch in der Sprechstunde anbehandeln bzw. auffangen. Also wir machen keine Psychotherapie, wir geben erste Unterstützung, Entlastung und dann versuchen wir auch weiter zu vermitteln ins PSZ (Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete) Sachsen, zum Beispiel ist hier ein Beratungsangebot in Dresden, in die Traumaambulanz, Flüchtlingsambulanz und wenn es ganz kritisch ist natürlich auch die Sektorkrankenhäuser, also die psychatrischen Kliniken.

Haben sie da vielleicht auch einige Tipps für Leipzig? Also fallen ihnen da spontan ein paar Anlaufstellen ein, wo man sich da in Leipzig auch dran wenden kann?

Da fällt mir sofort Mosaik ein und auch Leipzig hat ein PSZ.

Insgesamt ist es aber trotzdem so, dass es natürlich toll ist, das es eine psychologische Beratung für Geflüchtete gibt. Aber sollte es davon zukünftig auch mehr geben?

Wir müssen natürlich sehen, wie wir die Integration gut schaffen können, wie es uns gut gelingen kann. Wir merken natürlich auch, dass die Camp-Mitarbeiter belastet sind oder ich bekomme auch viele Rückmeldungen, dass es nicht so einfach ist mit den Geflüchteten zu arbeiten, weil viele eben auch durch ihre Störung es nicht so leicht haben, sich zu integrieren, die Sprache lernen, hier ein gutes Miteinander zu gestalten. Darauf müssen wir auch achten, dass auch die Flüchtlingshelfer, die Mitarbeiter gut entlastet werden. Das dürfen wir nicht vergessen, aber ich denke auch gerade, damit eine gute Integration gelingen kann, sollte es noch mehr dieser Projekte geben. Gerade auch Willkommensinitiativen in den Stadtteilen, da ist schon so viel geholfen, wenn die Geflüchteten sich dort wohlfühlen können, aufgefangen werden, dort miteinander erleben. Das muss gar nicht immer der Psychologe sein, sondern Prävention beginnt ja schon, indem man die Leute dort auffängt, abholt, wo sie stehen, das sie sich erst mal gar nicht so isoliert und unverstanden fühlen müssen.

 

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Johanna Honsberg, Theresa Willkomm
18.07.2018 - 19:12