Unister Affäre

Prozess um brisanten Betrugsfall

Insolvenz, ein Flugzeugabsturz und mehr als 1,5 Millionen Falschgeld – der Stoff aus dem Krimis gemacht sind. Der Prozess um das dubiose Darlehensgeschäft hat heute am Landgericht Leipzig begonnen.
Am Langericht Leipzig soll aufgedeckt werden, wer hinterm dem 1,5 Millionen schweren Betrugsfall steckt.
Am Landgericht Leipzig startet der Prozess um einen Betrugsfall von 1,5 Millionen Euro.

Blüten aus Venedig

Am Leipziger Landgericht begann heute der Prozess um den Betrugsfall Unister. Im Sommer sorgte der Flugzeugabsturz von Firmengründer Thomas Wagner bundesweit für Aufsehen. Wagner befand sich auf dem Rückflug aus Venedig. Dort hatte er einen Deal für einen dringend benötigten Kredit von 15 Millionen Euro abgewickelt. Dabei wurde der Chef des Onlinekonzerns um 1,5 Millionen Euro betrogen. Er legte die Summe als Sicherheit vor und bekam dafür einen Koffer, in dem sich unter der obersten Schicht nur Falschgeld befand. Beim Absturz der Privatmaschine kamen der Konzernchef, der Pilot und zwei weitere Männer ums Leben. Unmittelbar nach dem Unglück beantragte das Leipiger Unternehmen Insolvenz. Auch die Tochterfirmen Ab-in-den-Urlaub und das Tourismusportal billigfluege.de meldeten sich kurz darauf insolvent.

Mittelsmann zweifach angeklagt

Eingefädelt haben soll den Deal Wilfried S. Dem 69-Jährigen wird bereits zweifach Betrug im besonders schweren Fall vorgeworfen. Die erste Zeugin, die heute aussagte, wurde mit der gleichen Taktik wie Wagner um 100.000 Euro betrogen. Beim Kreditgeber handelt es sich ebenfalls um einen angeblichen Diamantenhändler, mit dem die Architektin über den Angeklagten in Kontakt trat. Laut Informationen des Focus arbeitete S. bereits seit 17 Jahren mit ihm zusammen. Nach eigener Aussage äußerte die Zeugin Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit des Kreditgebers, woraufhin S. sie mehrfach beschwichtigte und letztendlich zum Deal überredete. Daraufhin legte sie zehn Prozent als Sicherheit für den Kredit von einer Million Euro vor und erhielt im Austausch dafür einen Koffer voll Falschgeld.

Der Wirtschaftskrimi geht weiter

Weder konnte bisher die wirkliche Identität des Kreditgebers geklärt, noch dieser ausfindig gemacht werden. In Ermittlerkreisen wird allerdings vermutet, dass hinter dem Deal kein Einzeltäter sondern eine Gruppe organisierter Wirtschaftskrimineller steckt. Der vorsitzende Staatsanwalt Dirk Reuter führte bereits einen Fall gegen Unister, der im Januar startete. Am ersten Prozesstag schwieg der Angeklagte. Es wird bis zum 29.03. noch sechs weitere Prozesse geben. Dort sollen weitere Zeugen vorgeladen werden.

mephisto97.6 Redakteurin Svenja Tschirner war heute bei der Verhandlung dabei: 

Svenja Tschirner berichtet live von dem Gerichtsprozess zum Fall Unister.
 
 

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Hanna Ahrenberg
07.03.2017 - 18:30