Theaterrezension

Prinz Friedrich von Homburg

Das Schauspiel Leipzig inszeniert Heinrich von Kleists Klassiker. Die Möglichkeiten der Bühne werden voll ausgeschöpft, das Schauspiel dagegen könnte nuancierter sein. Die Live-Musikuntermalung dröhnt teils unangenehm.
Kutsche auf der Bühne
Der atmosphärische Höhepunkt: Eine Kutsche mit Laterne fährt über die dunkle Bühne.

In etwa vier Wochen ist Europawahl. Was uns schon fast als selbstverständlich scheint, ist aber nicht so ewig so: Dass es keinen Krieg zwischen Deutschland und Schweden gibt zum Beispiel. Das war nicht immer so. Ende des 17. Jahrhunderts standen sich im sogenannten Nordischen Krieg Brandenburg-Preußen und Schweden feindlich gegenüber. Dieser Krieg ist die Hintergrundgeschichte zu Heinrich von Kleists Klassiker „Prinz Friedrich von Homburg“. Den hat das Schauspiel Leipzig jetzt wieder auf die Bühne gebracht. Am Samstag war die Premiere.

Der Beitrag zum Nachhören:

Theater-Redakteur Lucas Wotzka im Gespräch mit Moderatorin Peggy Fischer.
SG FvH

Sieger, zum Tode verurteilt

Der Prinz von Homburg ist in diesem Krieg Reitergeneral unter dem Kurfürsten. Er führt seine Truppe in die entscheidende Schlacht gegen die Schweden. Er träumt davon, den entscheidenden Sieg zu erringen - und die Nichte des Kurfürsten zu heiraten. So greift er früh an, ist siegreich - handelt aber gegen den Befehl des Kurfürsten, erst auf dessen Zeichen anzugreifen. Dafür verurteilt man ihm zum Tode. Die Frage, ob das gerecht sei, stellt das Stück vor allem seinem Protagonisten selbst. Es kreist um die innere Zerissenheit des Prinzen, dessen Ambition und sein Scheitern an der Realität.

Schon im Foyer vor der Vorstellung hört man laute Musik. Während der Vorstellung wird sie live eingespielt von zwei Musikern, auch mithilfe von DJ-Ausrüstung. Das ist teilweise ohrenbetäubend laut, erinnert aber auch an Filmmusik uns Schlachtengetümmel.

Komödiantische Elemente

Das Stück selbst ist vom Stoff her eher eine Tragödie. Regisseur Philipp Preuss inszeniert das Stück aber als halbe Komödie: Er deutet viele Textpassagen ironisch, forscht nach dem Grotesken und baut auch viel Situationskomik ein. In einigen Fällen gelingt das, doch wirkt der Klamauk teilweise auch deplatziert. Die Inszenierung kann sich nicht entscheiden zwischen laut und leise, lustig und ernst.

Technisch werden alle Möglichkeiten ausgeschöpft: Die Bühne dreht sich, der Vorhang geht ständig auf und zu. Auf den Wänden werden Live-Projektionen der Schauspieler eingesetzt. Das wirkt wie im Film und ermöglicht neue Perspektiven und eine größere Nähe zu den Figuren.

Die Kostüme sind traditionell gestaltet, bestehen aus historischen Uniformen und Kleidern. Der atmosphärische Höhepunkt ist dann eine alte Kutsche mit Laterne, die im Dunkeln über die Bühne fährt. Insgesamt ist das Bühnenbild aber eher schmucklos in Schwarz-Weiß gehalten - darunter leidet die Atmosphäre ein wenig.

Fazit

Gerade am Anfang ist der Prinz von Homburg am Schauspiel Leipzig ein schwer zugängliches Spektakel, das wenig Orientierung in der Handlung bietet. Die besten Momente sind jene, wo Heinrich von Kleists Text klar hervorkommt. Das ist aber zu selten der Fall, und auch die Hauptfigur bleibt erstaunlich blass. Der Prinz ist psychologisch eigentlich sehr interessant, Felix Axel Preißler spielt ihn aber zu sehr im Extrem, schreit und schluchzt viel. Die leisen Passagen ziehen sich, ohne dass viel passiert. So ist der Inszenierungsansatz für jene interessanter, die sich mit dem Stück schon beschäftigt haben.

 

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Prinz Friedrich von Homburg

Premiere: 27. Mai 2019

Spielort: Schauspiel Leipzig

Regie: Philipp Preuss

Darstellende:

Felix Axel Preißler, Anna Keil, Andreas Keller, Markus Lerch, Chor

Aufführungstermine (jeweils 19:30):

05. Mai 2019

18. Mai 2019

30. Mai 2019

22. Juni 2019

Karten: 9 – 30 Euro