Journalismus in den USA

Pressefreiheit unter Beschuss

Der US-amerikanische Präsident Donald Trump fährt einen harten Kurs gegen die Medien. Was nicht in seine Agenda passt, wird als Fake News verschrien. Die Arbeitsbedingungen für die Presse verändern sich zunehmend.
Unter Donald Trump haben sich die Arbeitsbedingungen für Journalist*innen in den USA verändert.
Donald Trump hat ein Auge auf Journalist*innen in den USA.

Dass sich das Klima im Journalismus verändern wird, war schon mit der Wahl Trumps zum 45. Präsidenten der USA abzusehen. Schon bei einer der ersten Pressekonferenzen ist er verbal gegen einen CNN-Journalisten vorgegangen, hat ihm eine Frage verweigert. Das war in Washington und die Hauptstadtjournalist*innen haben sich wohl mittlerweile an den schroffen Umgang gewöhnt.

In ländlichen Gegenden der USA sieht das anders aus. Bis Pressekonferenzen zur Landbevölkerung durchdringen, und tatsächlich deren Alltag beeinflussen, dauert es. Das weiß auch Susan Tebben, Redakteurin bei dem Fernsehsender WOUB Public Media in Athens, Ohio. Sie schreibt nicht über Trump und seine Aussagen, sondern über den lokalen Bezug seiner Reden und Taten.

Die Leute warten darauf, dass er die Jobs schafft und vielleicht die Kohle zurückbringt. Also sieht man hier viele Unterstützer. Die Leute sind sehr konservativ und das bekomme ich dann auch zu spüren.

Susan Tebben, Redakteurin bei WOUB Public Media

Die vernichtenden Aussagen über die Presse schüren Unsicherheit bei der ländlichen Bevölkerung, vor allem bei denen die den Umgang mit der Presse nicht gewohnt sind. „Sobald die Menschen aber merken, dass ich tatsächlich an ihrer Meinung interessiert bin und sie nicht in eine bestimmte Richtung drängen will, werden sie freundlicher“, sagt Susan Tebben.

Kopfüber-Flagge als Prostest

Ihre Vorstellung von gutem Journalismus habe Tebben nicht verändert. Lediglich ihr Fell sei dicker geworden, um sich auf Anfeindungen vorzubereiten. Viele Journalisten und Journalistinnen sehen das allerdings nicht so locker. Michael Sweeney, langjähriger Reporter und Professor am Scripps College, der renommierten Journalistenschmiede an der Ohio University, versteht Trumps Aussagen als Angriff auf den ersten Zusatzartikel der Verfassung.

Zwei Wochen nachdem Trump gewählt wurde, habe ich die Flagge in meinem Büro kopfüber aufgehängt. Und sie bleibt so lange so hängen, bis unsere Verfassung nicht mehr von gewählten Repräsentanten unter Beschuss ist.

Michael Sweeney, Journalismus-Professor

Der erste Zusatzartikel wurde bereits 1971 verabschiedet. In dieser ersten Form fand sich auch die Regelung der Presse- und Religionsfreiheit. Sweeney ist überrascht, dass viele der angehenden Journalist und Journalistinnen seinen offenen Protest bisher nicht kommentieren oder hinterfragen. „Ich würde gerne sehen, dass meine Studierenden aktiv werden. Wenn sie es nicht machen, wenn sie 20 Jahre alt sind, wann haben sie sonst die Energie, sich für ihre Rechte einzusetzen?“

Nachdenken statt nachmachen

In seinen Seminaren will Sweeney keine Meinung vorgeben, sondern sie zum Nachdenken anregen. Und die Trump-Regierung würde zumindest genügend ethische Fragen aufwerfen, über die sie diskutieren könnten.

Susan Tebben macht ihren Job auch unter Trump noch gerne. Sie hat sich arrangiert und dieser Pragmatismus findet sich in vielen Redaktionen in den USA. Journalisten und Journalistinnnen lernen noch genauer auf ihre Zielgruppe zu achten. Journalistische Grundsätze ändert Trump allerdings nicht.

Wir versuchen objektiv zu sein, wir präsentieren Tatsachen und können diese auch Belegen. Das ist unser Job, ob mit Trump oder ohne.

Susan Tebben, Redakteurin bei WOUB Public Media

Die Arbeitsbedingungen unter Trump haben sich im Journalismus verschlechtert, aber seine Attacken gegen die freie Presse rütteln viele Amerikaner auch auf, über die Grundsätze ihrer Verfassung nachzudenken. Und zumindest das ist ein Vorteil seines Kurses.

Ein Bericht von Lauren Ramoser über den Journalismus in den USA
Journalismus in den USA
 

Kommentieren