Stadtratswahl 2019

Porträt: Rudi Ascherl, FDP

Rudi Ascherl ist Spitzenkandidat der FDP für Leipzig-Süd. Der Kinderarzt möchte sich für mehr Schulen und KiTas einsetzen. Im Gespräch verrät er außerdem sein bevorzugtes Fortbewegungsmittel und fordert eine Digitalisierung der Stadtverwaltung.
Rudi Ascherl an der Karli
Rudi Ascherl (hier an der Karl-Liebknecht-Straße) ist Spitzenkandidat der FDP für Leipzig-Süd.

Das Porträt zum Nachhören:

Ein Beitrag von Mephisto97.6-Redakteur Lucas Wotzka.
BmE Ascherl FDP

Rudi Ascherl gehört zu den jüngeren Politikern. Er ist 29 Jahre alt. Zum Interviewtermin kommt er mit dem Longboard. Ein Auto hat er nicht. Das scheint gerade für einen FDP-Politiker zunächst überraschend. Ascherl bezeichnet sich auch selbst eher als sozialliberal, hat Sympathien für Schülerproteste wie Friday’s for Future. Als er mit 18 in die FDP eintrat, überzeugte ihn vor allem deren Menschenbild, das den Menschen in das Zentrum der Betrachtung stelle. Und ihm zubillige, Entscheidungen zu treffen.

Engagement für Spätis

Rudi Ascherl war lange Vorsitzender der Jungen Liberalen in Leipzig. Schon damals hat er sich dafür engagiert, dass Spätverkäufe auch wirklich spät verkaufen dürfen. Er bemängelt, dass die Stadt Leipzig härter als andere Städte gegen die sogenannten Spätis vorgehe. Zwar sei Lärmschutz gerechtfertigt, aber die harte Ordnungspolitik der Stadt treffe die Falschen.

Meine Philosophie ist das Verursacher-Prinzip: Wenn Leute laut sind, muss man die zur Rechenschaft ziehen, und nicht den Späti, der dort Sachen verkauft.

Rudi Ascherl, FDP

Von einem Spätverkauf in der Leipziger Südvorstadt schlendern wir zu einem Café auf der Karl-Liebknecht-Straße. Rudi Ascherl ist Spitzenkandidat der FDP für den Wahlbezirk Leipzig-Süd – dazu gehören neben der Südvorstadt und Connewitz auch Lößnig, Dölitz-Dösen und Marienbrunn. Dort, sagt Ascherl, wohnen viele junge Familien, die ursprünglich mal zum Studieren nach Leipzig gezogen sind, jetzt aber Kinder haben. Es fehle an wohnortnahen Schulen und KiTa-Plätzen.

Rudi Ascherl ist hauptberuflich Kinder- und Jugendarzt. Deswegen setzt er sich besonders für Sozialpolitik ein. Mehr Kitaplätze und schnellere Schulsanierungen seien vor allem eine Frage der Priorität.

Es kann nicht sein, dass wenn das Stadthaus Mängel hat, da sofort große Investitionsmittel abgerufen werden, aber die Schulen nicht bedacht werden. Wir brauchen KiTas, wir brauchen Schulen. Das muss unsere Hauptaufgabe sein.

Rudi Ascherl (FDP)

Dass nicht genügend in Schulen und Kindertagesstätten investiert werde, liege aber auch an veralteten Verwaltungsprozessen. Dadurch seien viele Planungsverfahren sehr langsam. Ascherl fordert daher eine vollständige Digitalisierung von Genehmigungsverfahren und eine höhere Transparenz. Sonst sei Bürgerbeteiligung "für die Tonne".

Mit Struktur in den Stadtrat

Rudi Ascherl ist auch Direktkandidat der FDP für die Landtagswahl im Herbst. Dass er dort ein Mandat gewinnt, ist aber sehr unwahrscheinlich. Ascherl möchte mit der persönlichen Kandidatur Gesicht zeigen und sich im Wahlkampf einbringen. Für den Leipziger Stadtrat sieht er seine Kompetenzen vor allem darin, Strukturen aufzubauen und zu erhalten.

Ich kann gut neue Strukturen denken und die dann mit Leben füllen.

Rudi Ascherl (FDP)

Jetzt muss Rudi Ascherl aber erstmal zur Arbeit, die Schicht im Uniklinikum beginnt bald. Also verabschiedet er sich. Die FDP sei übrigens die einzige Partei, die sich in Leipzig für einen Mix aus Verkehrsträgern einsetze – Carsharing, Fahrrad, Auto, Straßenbahn. Er selbst steigt heute aber auf sein Longboard.

 

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