Stadtratswahl 2019

Porträt: Jörg Kühne, AfD

Er kam von der evangelischen Gemeinde Leipzig über die CDU in die AfD. Hier setzt er sich gegen linke Kulturzentren und Kriminalität ein. Wo die angeblich her kommt und was es sonst noch über den AfD-Mann zu wissen gibt, lesen Sie hier.
Jörg Kühne von der AfD
Jörg Kühne von der AfD

Das Porträt zum Nachhören:

Jörg Kühne Porträt

Mit leicht erröteten Kopf entschuldigt sich Jörg Kühne für die Verspätung. Dabei erscheint er gerade mal zwei Minuten zu spät am Schiller Café am Wilhelm-Leuschner-Platz 100 Meter entfernt tönt der Soundcheck von einem Stadtfestival gegen Rechtsextremismus. Als rechtsextremer Verdachtsfall wird vom Verfassungsschutz auch ein Teil von Kühnes Partei gesehen. Der Flügel um den AfD-Politiker Björn Höcke. Er würde sich zwar nicht zum Flügel zuordnen, aber schätze jeden, der dem Flügel angehöre und das solle auch klar und deutlich so rüberkommen.

Statt zum Flügel gehört Kühne den Christen in der AfD an. Er ist Vorstandsmitglied ihrer Gruppe Ost. Eine Organisation die sich gegen Abtreibung und die Unterstützung verfolgter Christen starkmacht. Der Islam sei eine in Teilen gewalttätige Religion so Kühne.

Auch der Attentäter von Berlin kommt aus Tunesien, das ist ja ein vornehmlich Islamisches Land.

 

Jörg Kühne, AfD-Stadtratspolitiker

Es müsse Ihnen gestattet sein, über diese Religion kritisch zu diskutieren, dabei dürfte aber kein Mensch seiner Würde beraubt werden. Jeder solle seinen Glauben frei und ungehindert leben können, so Kühne. 

Von der evangelischen Gemeinde zur AfD

Jörg Kühne lebt seinen Glauben als Protestant. Dieser Glaube bietet ihm auch den Einstieg in die Politik. In der DDR engagiert er sich in der evangelischen Gemeinde SED-kritisch. Nach der Wende baut er eine Jugendorganisation in der rechtskonservativen Kleinstpartei Deutsche-Soziale-Union auf. Diese verlässt er 1998. Die Partei sei ihm in Sachsen-Anhalt zu rechtsextrem geworden. Bei seinen Parteikollegen heute zum Beispiel vom afrikanischen Ausbreitungstyp sprechen, sieht Kühne diese rote Linie nicht überschritten. 

Ich bin der Meinung, dass ich nicht richten sollte, nicht richten über meisten aus dem Zusammenhang gerissenen Sätze.

Jörg Kühne, AfD-Stadtratspolitiker

Außerdem sehe er, was etablierte Parteien angerichtet hätten. Damit meint Kühne auch die Asylpolitik der CDU. Doch die wird 2000 vorerst Kühnes politische Heimat. In der CDU Leipzig arbeitet er 14 Jahre im evangelischen Beirat. In der Zeit sei die CDU Kühne aber zu linkslastig und unpatriotisch geworden. Außerdem habe er sich in seinem Beirat zu wenig ernstgenommen gefühlt. Die Wertschätzung sei zeimlich gering gewesen.

Denn Mitglieder seines damaligen evangelischen Beirats hätten sich nie auf den vorderen Kommunallistenplätzen wiedergefunden. Die Zeit in der CDU sieht Kühne heute als politischen Fehler. Darum wechselt er 2014 zur AfD und zieht mit ihr in den Stadtrat ein. Er sehe es auch heute als kleines Wunder an, dass er im Zentrum das Stadtratsmandat bekommen habe.

Vermeintlich kriminelle Ausländer und Kulturstätten

Im Stadtrat hätte Kühne viel dazugelernt und sei auch mal schweigsam, wenn er zu Theme nichts beitragen könne. Ein Thema bei dem Kühne im Wahlkampf mitreden möchte, ist die Sicherheitspolitik. Hier sieht er einiges an Nachholbedarf in Leipzig. Es könne nicht sein, dass eine Frau sich abends nicht mehr in die Parks der Stadt traut, weil es ihr zu unsicher sei, so Kühne. 

Und das Kriminalität zunimmt können wir sehen seit 2015, seit diese sogenannte Einladungspolitik der Frau Merkel stattfindet.

Jörg Kühne, AfD-Stadtratspolitiker

Dass die Zahl der Verbrechen 2018 auf ihrem niedrigsten Stand seit 2012 war, verschweigt Kühne. Auch fordert Kühne mit seiner Partei ein Abwehrzentrum gegen Linksextremismus. Dieser gehe laut Kühne von verschiedenen kulturellen Zentren aus. Der Verfassungsschutz berichte angeblich, dass vom Conne Island und Werk II politisch motivierte Straftaten ausgingen, so Kühne.

Ich sage immer, bunt und tolerant zerkloppen die unsere Stadt und unser Land.

Jörg Kühne, AfD-Stadtratspolitiker

Darum will die AfD Leipzig für das Werk II und das Conne-Island staatliche Gelder streichen. Weder das Conne island noch das Werk II tauchen im aktuellen Verfassungsschutzbericht von 2017 auf. Das spielt für Kühne aber keine Rolle. Sie seien in früheren aufgetaucht und eigentlich wüsste das ja auch jeder.  

Bei der rechten Szene, gibt sich Kühne ahnungslos. Dass ein ehemaliger Mitarbeiter seines Vorsitzenden ein Chef der rechtsextremen identitären Bewegung ist, ist Kühne angeblich unbekannt.

Wagner, freie Szene und Höcke 

Beim Thema Kultur kennst er sich besser aus. Diese sei ihm besonders wichtig, in all ihren Facetten. Er schätze Hochkultur: die Oper, den thomaner-Chor und das Gewandhaus, so Kühne. 

Wagner sage ich nur - endlich wieder angekomen der große Sohn unserer Stadt.

Jörg Kühne, AfD-Stadtratspolitiker

Aber auch experimentelle Szenekultur würde er fördern, solange sie sich nicht gegen seine politischen Positionen richtet - dann behält er sich vor, gegen sie zu sprechen. Verbieten würde er zum Beispiel das Zentrum für Politische Schönheit. Das Kunstkollektiv hatte vor dem Haus des AfD Politikers Björn Höcke eine Kopie des Holocaust-Mahnmals errichtet. Das Original hatte Höcke zuvor als „Mahnmal der Schande“ bezeichnet. Mit Höcke hat Kühne bisher nur flüchtig Bekanntschaft gemacht. Er durfte ihm einmal die Hand schütteln. Dabei habe er einen sehr positiven Eindruck bekommen von ihm. Ob Zenker mit allen Aussa

Ich durfte ihm einmal die Hand schütteln und habe einen sehr positiven Eindruck von ihm. Ob ich mit allen Aussagen eins zu eins übereinstimme, dass ist die andere Frage.

Jörg Kühne, AfD-Stadtratspolitiker

Trotzdem schätze Kühne Höckes Arbeit sehr. Dass diese Arbeit auch der AfD zur Komunalwahl in Leipzig Stimmen bringt, dürfte in Kühnes Interesse liegen. Von einem Wunschergebnis für seine Partei möchte er aber noch nicht sprechen.

 

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