Stadtratswahl 2019

Porträt: Christopher Zenker, SPD

Der SPD-Fraktionschef Christopher Zenker kandidiert bei der Stadtratswahl für den Leipziger Süden. In drei der fünf Stadtteile, die er vertritt, hat er schon selbst gewohnt. Nun will er den ÖPNV und eine soziale Wohnungspolitik voranbringen.
Der Fraktionsvorsitzende der Leipziger SPD, Christopher Zenker, lächelnd mit seinem Wahlkampffahrad am Cospudener See
Christopher Zenker, SPD

Das Porträt zum Nachhören:

Porträt Christopher Zenker, SPD
Porträt Christopher Zenker

Es ist nicht viel los an diesem kühlen Frühlingsabend am Cospudener See. Die Beachbar am nördlichen Strand ist geschlossen, einige Fußballfans laufen zwischen den Dünen entlang, ansonsten ist es still, nur die Vögel zwitschern. Christopher Zenker wartet auf einer der hölzernen Bänke am Strand, er ist mit dem Rad von zu Hause gekommen. Das Leihfahrrad ist mit einer kleinen Ausgabe seines Wahlplakats beklebt, sein Rennrad hat er heute zu Hause gelassen. Zenker ist Fraktionsvorsitzender der SPD und kandidiert für den Leipziger Süden. Hier hat er die meisten seiner Plakate mit dem Rad aufgehängt, auch auf dem Weg hierher, erzählt er.

Also Fahrradanhänger dran, Plakate hinten rein, und aufhängen. In dem Sinne ist es auch schlüssig, dass ich kein beklebtes Wahlkampfauto hab, sondern ein beklebtes Fahrrad.

Christopher Zenker, SPD-Fraktionsvorsitzender im Leipziger Stadtrat

Im Hintergrund taucht die untergehende Sonne das Lippendorfer Kohlekraftwerk hinter dem Cossi in goldenes Licht. Laut Greenpeace ist es das drittschmutzigste Kohlekraftwerk Deutschlands. Der Cospudener See steht auch für einen Wandlungsprozess in der Energiepolitik, sagt Zenker. Zwar hätte es die Seen im Leipziger Umland ohne den Braunkohleabbau nicht gegeben. "Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die Zeit reif ist für den Kohleausstieg, und dass wir ihn vor dem Hintergrund des Klimawandels dringend brauchen." Natürlich hätten wir die Seen nicht heute, gibt er zu. "Aber das kann nicht ein Argument sein, damit wir noch mehr Seen bekommen, noch mehr Braunkohle abzubauen."

Lieblingsthema Öffi und sozialer Wohnungsbau

Zenker betont aber auch, dass die Versorgung der Leipziger Stadtwerke gesichert seien müsse – damit viel Geld in den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel fließen kann. Öffentlicher Nahverkehr ist eins von Zenkers Lieblingsthemen. So setzt sich der 39-Jährige für eine Straßenbahnverbindung als Südachse über den Schleußiger Weg ein und fordert ein 365-Euro-Ticket für Leipzig. Als leidenschaftlicher Radfahrer wünscht sich Zenker auch Radschnellwege, zum Beispiel auf der Bernhard-Göring-Straße. Lücken in den Radwegen müssten dringend geschlossen werden, auch einige Parkplätze könnten dafür schon einmal weichen.

Ich bin der Überzeugung, dass wir den Umweltverbund auch deswegen stärken müssen, damit auch die Leute, die tatsächlich aufs Auto angewiesen sind, in dieser Stadt gut vorankommen. Und deswegen muss es uns gelingen, genug Anreize zu schaffen, damit die Leute trotz Bevölkerungswachstum auf Fahrrad, ÖPNV und Fußweg umsteigen.

Christopher Zenker, SPD

Neben Mobilität hält der SPD-Politiker Wohnungspolitik für das dringendste Thema. Beides ist für Zenker, der in seiner Partei eher links steht, eine soziale Frage. Bei der Wohnungspolitik brauche es zwar vor allem Neubauten. "Anders als CDU und FDP glaube ich aber, dass wir in den Markt regulierend eingreifen müssen. Das heißt, zum einen, dass wir einen starken sozialen Wohnungsbau brauchen, und wenn wir laut wohnungsbaupolitischem Konzept von 30.000 Wohnungen reden bis 2030, dann muss ein Drittel davon Sozialwohnungen sein." Und am liebsten nicht mit einer Sozialbindung von 15 Jahren, sondern von 25 Jahren, oder noch länger.

Ein Stadtteil, der eine soziale Mietenregelung besonders dringend braucht, ist Connewitz. Hier hat Zenker während seines Studiums und als Wissenschaftlicher Mitarbeiter gewohnt. Als er mit seiner Frau zwei Kinder bekam, musste die Familie nach Lößnig ziehen, weil sie in Connewitz selbst keine bezahlbare Wohnung mehr fanden. Die Mietpreisbremse müsse auf Bundesebene endlich so verbessert werden, dass sie auch greift, fordert Zenker. Die Enteignungsforderungen gegen Wohnungskonzerne wie Vonovia sieht er aber skeptisch. Die Enteignungsfrage sei eine schwierige Frage, die er nicht mit Ja oder Nein beantworten wolle.

Jede Enteignungen zieht Entschädigungszahlungen nach sich. Da möchte ich doch hinterfragen, ob es nicht günstiger ist, dieses Geld in Wohnungsneubau wie in Paunsdorf II oder wie in der Wolfgang-Heinze-Straße zu stecken.

Christopher Zenker, SPD

BWL und Sozialdemokratie sind kein Widerspruch

Markteingriffe, Regulation, sozialer Wohnungsbau: Seinen Forderungen merkt man kaum an, dass Zenker eigentlich aus der Betriebswirtschaft kommt. Er hat an der Uni-Leipzig BWL studiert und dort seinen Abschluss als Diplomkaufmann gemacht. Gleichzeitig saß er schon mit 24 als jüngster Abgeordneter für die SPD im Rathaus. Kein Widerspruch, findet er. Wie es zu seiner Studienwahl kam, kann er heute nicht mehr ganz rekonstruieren. "Bankwesen, Versicherung - klingt wie Anzug und Schlips! Aber ich habe auch Umweltmanagement gemacht". Das habe ihn tatsächlich gereizt.

Als Landes- oder Bundespolitiker zu arbeiten, kann er sich nicht vorstellen. Dafür fühlt er sich zu sehr in der Kommunalpolitik zu Hause. Ein Leben außerhalb der Politik aber ist für ihn schon denkbar.

Ich glaube, wenn ich aus der Politik ausscheiden würde, ich würde mir bestimmt ein Betätigungsfeld suchen, in dem ich gesellschaftlich was verändern kann, oder kommunal was verändere.

Christopher Zenker, SPD

Neben seiner Leidenschaft für die Politik ist Zenker auch passionierter Sportler. Er läuft Langlauf auf Rollskiern, und natürlich Rad. Sportlich war auch die Zustimmung, mit der er auf Listenplatz 1 der SPD gelandet ist: nämlich mit 100 Prozent der Stimmen. So viel Zustimmung hatte auch Ex-Kanzlerkandidat Martin Schulz vor zwei Jahren. Dessen jähen Absturz will Zenker nicht erleben. Mit seinem Listenplatz dürfte er das Mandat im Stadtrat sicher haben. Ziel der SPD ist es aber, mit zwei Plätzen aus dem Süden einzuziehen.

 

 

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