Einsatz für den Naturschutz

Porsche setzt auf eigene Bienenvölker

Seit einiger Zeit schon engagiert sich der Porschekonzern am Standort Leipzig neben der Automobilproduktion auch für die Natur. Insgesamt 1,5 Millionen Honigbienen haben dem Werksgelände ein neues Zuhause gefunden. Doch das sorgt auch für Kritik.
Porsche hat seit heute 25 Bienenvölker.
Porsche hat seit heute 25 Bienenvölker.

Eigentlich ist Porsche als Automobilhersteller weltbekannt. Wieso hat sich der Stuttgarter Konzern nun auf seinem 40 Hektar umfassenden Werksgelände der Imkerei verschrieben? „Wir wollen keinen Honig verkaufen. Das ist erst mal ganz klar“, so Siegried Bülow vom Leipziger Porschewerk. Das Projekt sei ein Bestandteil des nachhaltigen Wirtschaftens. Neben einem nachhaltigen Fahrzeugbau möchte man auch sorgsam mit der Umwelt und Natur umgehen. Weitere Ziele seien laut Bülow die Klimaverbesserung und die Steigerung der Lebensqualität im direkten Umfeld des Standorts.

Mit der Ansiedlung der Honigbienen auf ihrem Werksgelände befindet sich Porsche in guter Gesellschaft. Michael Hardt vom Landesverband Sächsischer Imker sieht vor allem die städtische Imkerei im Aufschwung. So sind allein in Leipzig bereits 2.000 Bienenvölker beheimatet. In den ländlichen Regionen ist hingegen eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen. Dem Projekt von Porsche steht Hardt grundsätzlich kritisch gegenüber:

Ich hab‘ so ein bisschen aus der Zeitungskampagne den Eindruck, dass es mehr um Werbung für Porsche als um Werbung für Bienen geht.

Michael Hardt, Landesverband Sächsischer Imker

Aus seiner Sicht wäre es wichtig, das Nahrungsangebot für die Bienen zu verbessern. Denn ein Mangel an Bienenvölkern sei in Leipzig nicht zu verzeichnen – dafür ein Mangel an Nahrung.

Viele Bienenarten sind bedroht

Sabrina Rötsch vom Ökolöwen Leipzig ist der Meinung, dass sich stärker auf den Erhalt der Wildbienenbestände fokussiert werden sollte. Von den 470 in Sachsen lebenden Bienenarten sind bereits zwei Drittel bedroht und stehen auf der Roten Liste. Eine Zahl, so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Das anhaltende Bienensterben gefährdet jedoch weniger die Honigbienen. Die Imker sind hier in der Lage, Erkrankungen und Probleme der Bienenvölker früh zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Wildbienen sind dagegen auf sich gestellt und dadurch viel anfälliger. Daher spricht Rötsch sich auch deutlich gegen die Ansiedlung der Bienenvölker auf dem Porschegelände aus und bezeichnet die Initiative als „green washing“. Es stelle keine effektive Maßnahme zum Erhalt der Artenvielfalt. Die Honigbiene habe eine große Lobby durch die Imker und sei wichtig für die Bestäubung der Kulturpflanzen. Sie betont dennoch die Wichtigkeit der Wildbiene:

Wenn die Wildbienen weg sind, schafft das die Honigbiene nicht.

Sabrina Rötsch, Ökolöwe Leipzig

Daher müsse laut Rötsch vor allem das Nahrungsangebot für Bienen deutlich verbessert werden. Dies könne vor unter anderem durch den verstärkten Anbau heimischer Pflanzen geschehen, die Bienen als Hauptnahrungsquelle dienen. Weitere Maßnahmen könne aber auch die Stadt treffen. So müsste auf den Leipziger Grünflächen größtenteils auf die Nutzung von Pestiziden verzichtet und seltener gemäht werden. Davon würden dann auch beide Bienenarten – sowohl die Honig- als auch die Wildbiene profitieren.

Den Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Leah Palgan können Sie hier nachhören:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Leah Palgan
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Leah Palgan
30.05.2017 - 21:07