Frisch Gepresst: Hozier

Pop aus Ebenholz

Als talentierter Folkrocker wurde Hozier für sein Debüt gepriesen, jetzt legt er nach. „Wasteland, Baby!“ knüpft nahtlos an die Stärken des Vorgängers an, hat aber auch ein paar Überraschungen in der Hinterhand.
Hozier by Edward Cooke
Ganze fünf Jahre nach seinem gefeierten Debüt meldet sich Hozier zurück.

Fünf Jahre ist es her, dass Andrew Hozier-Byrne sich sein eigenes Denkmal baute, strahlend und unübersehbar wie ein moderner Jesus. Seine Single „Take Me To Church“ entpuppte sich als Welthit und das dazugehörige Debütalbum „Hozier“ machte den Iren zu Everybody's Darling. Für ihn selbst ganz unverhofft: Ein Song wie „Take Me To Church“ war für Hozier unvorstellbar – das Ding hat ja nicht mal 'ne Basslinie, meinte er. Da hat er sich wohl getäuscht. Mittlerweile spielt der 29-jährige ausladende, internationale Touren, ist eine fest etablierte Größe im Indiekosmos und wird von einigen auf Twitter als „forest daddy“ bezeichnet. Da haben wir sie, die Dreifaltigkeit des Erfolgs.

Nachdem sein selbst betiteltes Debütalbum aus dem Nichts durch die Decke schoss und alle Augen und Ohren auf ihn gerichtet waren, muss der Druck für Hozier hoch gewesen sein. Nach einem erfolgreichen Erstlingswerk fällt es vielen schwer, nachzuliefern. Hinzukommt die Angst, vergessen zu werden. Ob Hozier dagegen immun war, ist schwer zu sagen, aber zumindest hat er sich nicht davon beeinflussen lassen. Ein halbes Jahrzehnt war es still um ihn, im vergangenen Jahr erschien mit „Nina Cried Power“ eine EP – und ein Ausblick auf sein zweites Album.

Das Riff muss sitzen

Auf „Wasteland, Baby!“ holt Hozier alles raus, was er zu bieten hat. Seinen Steckenpferden räumt er zum ersten Mal richtig viel Platz ein: Gospel, Folk und Blues – alles Musikrichtungen, die ihn auf seinem Werdegang begleitet haben und jetzt zur Geltung kommen. Und obwohl er bisher auch ganz gut ohne gefahren ist, verleiht der Ire seinen Songs eine ordentliche Portion Catchiness. „Almost (Sweet Music)“, der zweite Track der Platte setzt den Ton für das ganze Album. Hozier arbeitet vermehrt mit Bass, E-Gitarren und lockeren Riffs, wie wir sie noch aus „Someone New“ kennen. 

Im Gegensatz zum Debüt ist „Wasteland, Baby!“ weniger düster, aber ebenso sexy und edel geschrieben. Hoziers Art, elegant, bildhaft und trotzdem aussagekräftig zu texten bleibt auch hier sein Markenzeichen. Somit bleiben auch an sich fertig erzählte Themen wie Liebe und Herzschmerz interessant. „Talk“ etwa ist eine Geschichte der unreinen Verführung, bei der er sich an Figuren der griechischen Mythologie bedient:

I'd be the voice that urged Orpheus
When her body was found (Hey, yeah)
I'd be the choiceless hope in grief
That drove him underground (Hey, yeah)
I'd be the dreadful need in the devotee
That made him turn around (Hey, yeah)
And I'd be the immediate forgiveness
In Eurydice
Imagine being loved by me

„Talk“, Hozier

Aber nicht nur Mythologie und Metaphern inspirieren den Musiker. Hozier fokussiert sich auch auf alltägliche oder kleine, versteckte Dinge. Bestes Beispiel ist „Shrike“, zu deutsch Würger. Diese Unterart der Sperlingsvögel erscheint winzig und niedlich, baut sich aber ein Nest aus Dornen und spießt darauf seine Beute auf. Hozier fand das gleichzeitig so schön und grausam, dass er einen Song nach dem unscheinbaren Vogel benannt hat.

Was lange währt, wird endlich gut

Hozier, das Text-Genie. Aber auch Hozier, das Pop-Genie. Aus Gospel, Folk, Blues und klassischen Singer-Songwriter-Elementen schmiedet er Songs, die zwar anschwellen wie Hymnen, aber nie geschwollen klingen. Die Melodien klingen vollendet, die Lyrics erst recht. Keine Ahnung, was Hozier diese langen fünf Jahre gemacht hat, aber gelohnt hat sich die Wartezeit auf jeden Fall.

 

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Hozier: Wasteland, Baby!

Tracklist:

1) Nina Cried Power (feat. Mavis Staples)
2) Almost (Sweet Music)
3) Movement
4) No Plan
5) Nobody
6) As It Was
7) Shrike
8) Talk
9) Be
10) Dinner & Diatribes
11) Would That I
12) Sunlight
13) Wasteland, Baby!

Erscheinungsdatum: 01.03.2019
Island (Universal Music)