Ausstellung "Borders of the Gesture"

Politische Kunst - unangenehm?

Die Ausstellung "Borders of the Gesture" ist aktuell in der HGB Galerie zu sehen. Die Künstler versuchen in den ausgestellten Werken, sich zu politischen Themen zu positionieren.
Borders of the Gesture, Ausstellungsraum
"Borders of the Gesture" - Der Ausstellungsraum

In der Galerie der HGB geht es aktuell um verschiedene politische Themen, die beispielsweise auch in der Medienberichterstattung aufgegriffen werden. Unter anderem um die Verdrängung unangenehmer Themen in der Gesellschaft. Aber auch um Gesten, wie der Titel verrät. Dieser Begriff ist dabei nicht auf das Physische beschränkt. Dennoch haben die Überlegungen der Kuratorinnen mit einer solchen angefangen: der Willkommensgeste.

Ist Kunst politisch?

Die Ausstellung beantwortet diese Frage mit "ja". Dabei sei aber wichtig zu bedenken:

Es gibt die Tendenz von Künstlern und Künstlerinnen immer stärker, politisch zu wirken. Und ich glaube, politische Kunst hat so eine Art Momentum. Ich glaube aber, dass man nicht anfangen sollte, Kunst mit Politik zu verwechseln.

Carolin Krahl, Kuratorin "Borders of the Gesture"

In "Borders of the Gesture" wird eine Schnittstelle von Politik und Kunst behandelt: die Ästhetik. Denn Kunst inszeniert - doch auch politische Parteien inszenieren gegenwärtig vermehrt. Ein Ausstellungsteil der Künstlerin Christina Werner beschäftigt sich mit Darstellungsweisen von rechtspopulistischen, symbolpolitischen Parteien in Europa. Diese sind auf Bildern und in einer Videoinstallation dargestellt. Eine weitere Arbeit von ihr liegt in einem Magazin mit dem Titel "Neues Europa" ebenfalls im Ausstellungsraum aus. In diesem hat Werner politische Aussagen - etwa der FPÖ, aber auch der CSU - unter anderem mit Bildern von Tatorten der NSU-Morde gegenübergestellt.

Verdrängung

Ein anderes Werk behandelt das Thema der Verdrängung. Auf den Bildern der Reihe "Seestücke" von Yvon Chabrowski sind auf den ersten Blick nur große Wasserflächen zu erkennen. Bei genauerem Betrachten erkennt man mehr. "Störungen", wie die Kuratorinnen sagen. Die Wasserflächen wurden bearbeitet: Es sind Medienbilder, auf denen ursprünglich Schiffe zu sehen waren. Diese hat die Künstlerin entfernt, die Verdrängung im Diskurs um Flüchtlingsrouten quasi bildlich dargestellt.

Freiheit beim Betrachten

Die Ausstellung befindet sich in einem offenen, hellen Raum mit hohen Decken. Von jedem Punkt im Raum aus kann man alle Werke erkennen, über eine Treppe gelangt man in einen zweiten Raum. Eine bestimmte Dramaturgie ist dabei nicht vorgegeben.

In diesem Raum geht es irgendwo ganz, ganz hinten auch um die Freiheit. Und die Freiheit ist auch in den Betrachterwegen mit drin.

Olga Vostretsova, Kuratorin "Borders of the Gesture"

"Borders of the Gesture" spricht mehrere Sinne an. Neben Bildern findet man auch Videos und ein Hörstück. In diesem sprechen zwei Frauen: Die eine ist Muttersprachlerin ohne professionelle Sprechausbildung, die andere eine trainierte Sprecherin, die aber keine Muttersprachlerin ist. Das schafft einen offensichtlichen Kontrast im Gehörten. Inhaltlich geht es unter anderem um Migration und Alltagsrassismus. Der Zuhörer kann darüber nachdenken, wie er diese Themen wahrnimmt. Oder, was er überhaupt wahrnimmt, und was er verdrängt.

Politische Kunst - unangenehm?

Unangenehmes auf neue Weise sichtbar zu machen, Unangenehmes nicht zu verdrängen, sondern es auf den Betrachter wirken zu lassen - das scheint ein Ziel der Ausstellung zu sein.

Auch die Kuratorinnen selbst empfinden einige Ausstellungsteile als "unangenehm". Doch das komme der Ausstellung zu Gute.

 

Inwiefern Werke mit religiöser Thematik in der Ausstellung zu finden sind und was die Künstlerin Chabrowski über den Hintergrund ihrer Arbeit sagt, hören Sie hier:

mephisto 97.6-Redakteurin Kaja Weber über die Ausstellung "Borders of the Gesture"

Moderation: Carina Fron

mephisto 97.6-Redakteurin Kaja Weber über die Ausstellung "Borders of the Gesture"
 

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Kaja Weber
18.09.2016 - 10:33
  Kultur

Die Ausstellung ist vom 10.09. bis zum 20.09.2016 in der Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst zu sehen. Während des Ausstellungszeitraums gibt es ein Begleitprogramm, das beispielsweise Künstlergespräche mit einschließt.