Siemens-Werk in Leipzig

Plagwitzer Werk von Schließung bedroht

Die Firma Siemens hat zurzeit zu kämpfen: Fossile Energien finden weniger Abnehmer. Die Konsequenz: Standortschließungen und Personalabbau. Davon ist laut IG Metall auch das Siemens-Werk in Plagwitz betroffen - und somit 270 Arbeitsplätze in Gefahr.
Mitarbeiter von Siemens in Sachsen demonstrieren gegen die Schließung ihrer Werke.
Mitarbeiter von Siemens demonstrieren in Zwickau gegen die Schließung ihrer Werke - darunter auch 80 Mitarbeiter aus Plagwitz.

Der Stadtteil Plagwitz steht für das Zusammenspiel von Kultur und Industrie. Diese Mischung könnte jedoch bald in Gefahr sein: Es droht eine Schließung des Siemenswerkes im Leipziger Westen. Siemens gab bekannt, dass sich der fossile Energieerzeugungsmarkt zurzeit in einem äußerst schwierigen Umfeld befände - deshalb seien die bisherigen Kostenstrukturen der Firma nicht mehr tragbar. Laut der IG Metall Leipzig sei unter anderem auch das Werk in Plagwitz vom Sparkurs betroffen. Die Gewerkschaft möchte die Schließung aktiv verhindert und startete heute eine Kampagne gegen diese Pläne.

Kein Dialog zwischen Firma und Gewerkschaft

Der Gewerkschaftssekretär der IG Metall, Steffen Reißig, kritisierte, dass die Wahl auf das Turboverdichterwerk in Leipzig gefallen sei. Der Grund: Das Leipziger Werk sei kaum am zurzeit kritischen Kraftwerksgeschäft beteiligt, sondern wäre eher ein Prozessgas- und Ölverdichter-Werk. Es gäbe "volle Auftragsbücher" bis Ende 2018 - umso verwunderlicher, dass mit der Schließung gedroht werde.

Zu einem einvernehmlichen Gespräch zwischen der IG Metall und Siemens kam es bisher nicht. Einziger Dialogpunkt war bisher eine vorgezogene Wirtschaftsausschusssitzung vergangene Woche. Diese wurde jedoch vom Betriebsrat abgebrochen. Die Begründung: Keine konkreten Aussagen, stattdessen schwammiges Lamentieren über die Marktlage vonseiten der Geschäftsleitung.

Siemens spricht von Spekulationen

Die Sprecherin von Siemens Sachsen, Elke Fuchs, beteuert, dass sich der Wirtschaftsausschuss erst am kommenden Donnerstag über konkrete Maßnahmen beraten wird. Erst im Anschluss würden die Arbeitnehmervertretungen der betroffenen Standorte informiert. Über die Aussage der IG Metall sagt sie:

Die derzeitigen Diskussionen basieren auf Spekulationen, an denen wir uns nicht beteiligen.

Elke Fuchs, Siemens

"Siemens bleibt in Plagwitz"

Die Lage scheint ernst. Für Plagwitz ruft die IG Metall Leipzig nun die Kampagne "Siemens bleibt in Plagwitz" auf den Plan: Der ganze Stadtteil soll sich stark machen für ‚sein‘ Industriewerk und die Menschen dahinter. Insgesamt werden 270 Arbeiter im Werk beschäftigt und wären somit vom möglichen Personalabbau betroffen. Steffen Reißig von der IG Metall erklärt die Auswirkungen der Schließung auf Plagwitz und Leipzig:

Die Angestellten leben im Leipziger Westen - sie sind dort in Vereinen, in Institutionen, in Gruppen eingebunden. Sollte das Werk in Plagwitz wegfallen, dann verändert sich das Bild von ganz Leipzig. Deshalb sagen wir: Die 'Plagwitzer Mischung' muss man erhalten.

Steffen Reißig, Gewerkschaftssekretär der IG Metall

Heute ging die Homepage zur Kampagne online. Hier findet man auch eine Liste mit Unterstützern der Kampagne. So zum Beispiel Plagwitzer Clubs, Vereine und Firmen. Auch Oberbürgermeister Burkhard Jung und Landtagsabgeordnete stehen auf der Liste.

Wirtschaftsminister appelliert an Siemens

Vonseiten der Politik meldet sich auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig zu Wort. Er distanziert sich von bisherigen Spekulationen und appelliert an Siemens, dass die Firma "ihrer Verantwortung für dieses Land, für die Region, für Arbeitsplätze und für die Industrie gerecht wird".

Die Mitarbeiter des Plagwitzer Werkes müssen nun die weiteren Beschlüsse von Siemens abwarten. Für nächsten Donnerstag planen sie eine Demonstration vor ihrem Werk.

Den Beitrag aus der Sendung hören Sie hier:

Redakteurin Ronja Binus zur möglichen Schließung des Siemens-Werks in Plagwitz.
0911 Siemens Werk

 

 

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16. November, 12 Uhr: Kundgebung für den Erhalt des Plagwitzer Siemens-Werkes (Gießerstr.)