Theaterrezension

Party vor dem Kirchenaltar

"Halleluja, Terror lebt!" So heißt das Stück der Holy Shitter Crew, die ihre Premiere am 20.09. in den Cammerspielen Leipzig feierte.
Messe in "Halleluja, Terror lebt!"

Die Holy Shitter Crew ist ein Trio aus drei Schauspielern unter der Regie von Maximilian Mandery, deren Ziel es ist, ein Volksfest in einem christlichen Messegewand zu kreieren. Eine neue Kirche soll geschaffen werden, die das Ende der Unterdrückung durch den Glaubensterror feiert. Sie wollen einen Mythos erschaffen, der sich klar gegen den Faschismus positioniert, aber trotzdem die Menschenmassen zu begeistern weiß.

Er soll kein Gesetz und keine Herrschaft kennen. Er soll von allen zugleich produziert und konsumiert werden. Er soll das Sakrale in sich tragen.

Im Mittelpunkt des Stücks steht letztlich die Kritik. Sowohl am Kapitalismus, als am Nationalismus und an der christlichen Kirche. Themen wie Tod, Einsamkeit, Verzweiflung und Sexismus werden zwischendurch eingestreut und in Kombination mit der gefährlichen Trinität von den drei Oberthemen gesetzt.

Kirchenatmosphäre oder Partystimmung?

Sowohl als auch. Einerseits herrscht die besinnliche, fast bedrückende Atmosphäre während einer christlichen Messe, die urplötzlich durch Partyschlager à la Ballermann und Alkohol unterbrochen wird. Düstere Musik dient dann der Untermalung von Themen, wie Tod und Einsamkeit. Ansonsten hat das Ganze einen doch sehr ironischen Charakter.

Kathedrale oder Bierzelt?

Das Bühnenbild war sehr schlicht gehalten. In der Mitte der Bühne befand sich das Dach eines kleinen Party-Zeltes, das mal als Dach der Party-Messe und mal als Leinwand für kurze Filmsequenzen und Bilder genutzt wurde. Auf der Bühne selbst befand sich nichts Weiteres, wobei auch der Raum zwischen den Zuschauerbänken als Bühne genutzt wurde. Die Zuschauer wurden als Teilnehmer der Messe oder als Anhänger der neuen religiösen Bewegung durch gemeinsames Singen und Beten direkt mit einbezogen. Die Holzbänke im Zuschauerraum erinnerten im ersten Moment an eine Bierzeltgarnitur konnten aber auch wie Holzbänke in einer kleinen Kapelle gehandhabt werden.

Top oder Flop?

Eine Partymesse ist schon ein bisschen befremdlich, vor Allem wenn sie mit deutschen Fahnen und der Nationalhymne ausgeschmückt ist. Aber es erinnerte sehr an Gottesdienste und die ironische Darstellung von Fürbitten und Gemeinschaftsgebeten war lustig. Auch die Darstellung der Gesellschaft, die im Überfluss lebt und deswegen eine Ist-mir egal-Haltung zum Leid in der Welt und zur Politik in ihrem eigenen Land hat war gelungen. Aber es waren eben nur Darstellungen. Lösungsvorschläge wurden nicht geboten. Leider fehlte es an tiefgründigen Zusammenhängen. Also wer kritische und teils ironische Darstellungen und keine Überlastung des Hirns mag, der sollte das ganze Stück mögen. Wer aber tiefe Zusammenhänge, Antworten und auch Brainfuck-Momente sucht, für den ist das vielleicht nicht ganz das Richtige.

Halleluja, Terror lebt! - Eine Theaterrezension
Halleluja

 

 

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Marten Wojtek
07.11.2017 - 09:11