Opernrezension

Carmen: Intrigen, Liebe und Spannung

Freiheit ist das höchste Gut, zumindest sieht das Carmen so. Die emanzipierte, junge Frau zieht die Männer magisch an. Wie auch den Soldaten Don Jose und den Stierkämpfer Escamillo, die beide versuchen Carmens Herz zu erobern.
Szene aus der Oper "Carmen"
Szene aus der Oper "Carmen"
Bei den kalten Temperaturen sehnt sich die ein oder der andere vielleicht nach Wärme und Sonne und erinnert sich wehmütig an den vergangenen Spanienurlaub. Im spanischen Sommer können aber auch schnell die erhitzen Gemüter überkochen: Wie die Oper "Carmen" zeigt. Die feierte am 30. November ihre Premiere in Leipzig.

Die Liebe hält nich lange

In dem Stück, das im spanischen Ort Sevilla spielt, geht es um eine Frau, in die sich zwei Männer verlieben und um den Konkurrenzkampf, der sich zwischen ihnen entwickelt. Titelheldin ist die selbstbewusste, rebellische Carmen. Die Männer liegen ihr zu Füßen, doch sie lässt sich nicht davon beeindrucken. Sie möchte „frei sein“ und keiner kann sie besitzen. Carmen entscheidet sich deshalb für den eher zurückhaltenden Don Jose. Er zeigt erst wenig Interesse an ihr zeigt und sie brennen zusammen durch. 

Als sie jedoch in einem Wirtshaus den Torero Escamillo kennenlernt, verliebt sie sich in ihn und sie gestehen sich gegenseitig ihre Liebe. Daraufhin wird Don Jose krankhaft eifersüchtig und versucht wie besessen Carmen zurückzuerobern.

Klischees über Klischees

Das Opernklischee vom italienischen Text wird in “Carmen“ nicht bedient, da das Stück auf Französisch gesungen wird, jedoch finden sich allerhand andere Klischees. Carmen als unabhängige, freiheitsliebende Frau verliebt sich ausgerechnet in das „typische Männerbild“ des starken, dominanten Stierkämpfer. Don Jose, der ein eher sensibler, zurückhaltender Typ ist, wird als Verlierer dargestellt. Der Schwache ist der Böse, weil er krankhaft eifersüchtig ist.

Neben den sehr klischeebehafteten Männerbildern gibt es eine gegensätzliche Darstellung der weiblichen Charaktere, vor allem Carmen und Micaela. Micaela soll Don Jose auf Wunsch seiner Mutter heiraten. Carmen hingegen ist komplett frei von gesellschaftlichen Zwängen, sie sucht sich ihre Liebhaber selbst aus. Carmen könnte als Vorbild einer emanzipierten Frau bezeichnet werden, sie stellt die Freiheit sogar über ihr eigenes Leben. Micaela hingegen verkörpert ein eher konventionelles Frauenbild. Sie ist zurückhaltend, pflichtbewusst und nimmt gegenüber Don Jose eine mütterliche Rolle ein. Sie fürchtet sich, als sie alleine durch die Nacht zieht, wobei Carmen nie Angst zeigt.

Fazit

Insgesamt bietet “Carmen“ alles, was eine gute Oper braucht - Intrigen, Liebe, Spannung. Die Inszenierung und die Rollenbesetzung war ausgesprochen gut und der Spannungsbogen mitreißend. Auch musikalisch und gestalterisch war das Stück stimmig.

Die Rezension zum Nachhören:

Moderatorin Peggy Fischer im Gepräch mit Mira Sievering

Moderation: Peggy Fischer

Rezension zu der Oper Carmen
 

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Michelle Saß
05.12.2018 - 14:32
  Kultur

Carmen

Premiere: 30. November 2018

Spielort: Oper Leipzig

Text: Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach der gleichnamigen Novelle von ­Prosper Mérimée

Aufführungstermine:

  • 15. Dezember 2018
  • 22. Dezember 2018
  • 27. Dezember 2018
  • 02. Februar 2019
  • 23. Februar 2019
  • 23. März 2019