Kürzungen an der Universität Leipzig

Ohne Theaterwissenschaft - ohne Kultur?

Der Kampf gegen die Kürzungen geht weiter. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion trafen am Samstag Politiker zusammen, um über die Rolle der Geisteswissenschaften in der Gesellschaft zu sprechen. Denn warum wird gerade hier so viel gekürzt?
TdJW
Die Diskussionsteilnehmer im Gespräch

Die Kürzungen sind allgegenwärtig. Den Ernst der Lage machte Moderator Ulrich Johannes Schneider zunächst deutlich, indem er die derzeitige Stimmung an der Universität als "dumpf, dunkel und von Tristesse bestimmt" beschrieb. Man müsse sich zudem bewusst machen, dass die Kürzungen erst ganz am Anfang stehen. In der von den Theaterwissenschaften organisierten Veranstaltung sollte über die Rolle der Geisteswissenschaften in der Gesellschaft gesprochen werden. Diese hob der Moderator, der auch Direktor der Universitätsbibliothek ist, als wichtig hervor, "weil in ihnen das Schreiben, Übersetzen und Interpretieren geübt wird - international wichtige Tugenden". Anwesend waren Politiker aus fünf der derzeit im Landtag vertretenen Parteien.

 

Der spezielle Fall der Geisteswissenschaften

Gekürzt wurde bisher vor allem bei geisteswissenschaftlichen Fächern. Dabei seien gerade die nicht annähernd so kostenintensiv wie manche Naturwissenschaft, so Ulrich Johannes Schneider. Denn für die Lehre bedürfe es keinerlei Instrumente oder Substanzen. Warum also gerade hier den Rotstift anlegen? Die Antwort darauf versuchte eine im Publikum anwesende Dozentin der Theaterwissenschaften zu geben: Die Qualität von Geisteswissenschaften sei schwer messbar und kaum in Statistiken auszudrücken. Nicht die Zahl der Promovierenden sei hier aussagekräftig oder die Position auf einem Ranking. Vielmehr seien die Vernetzung in die Gesellschaft und die Kooperation mit Kulturstätten der Stadt Leipzig entscheidend.

 

Was also bedeutet die Schließung der Institute?

Es sei nicht abzustreiten, die Universität sei das "Herz der Stadt", so der SPD-Politiker Holger Mann. Sie ziehe neue Studenten nach Leipzig und biete zudem auch Raum für Debatten. Durch exquisite Sammlungen habe auch die Kooperation mit kulturellen städtischen Einrichtungen lange Tradition. Speziell zur Theaterwissenschaft äußert sich die Stadträtin Skadi Jennicke (Die Linke): "Wenn dieses Institut geschlossen wird, werden wir zur kulturellen und geistigen Provinz". Sogar der CDU-Politiker Günther Schneider, dessen Partei die Kürzungen in die Wege geleitet hatte, kritisiert die "Schließung der Theaterwissenschaft zu diesem Zeitpunkt". Die Verantwortung für diese strukturelle Umsetzung der Kürzungspläne sieht er aber bei der Rektorin Schücking, sowie dem Hochschulrat der Universität Leipzig. Vorwürfe, dass im Vorfeld des Hochschulfreiheitsgesetzes erheblicher Druck auf die Rektorin ausgeübt worden sei, bestreitet er.
 

 

Moderatorin Isabelle Klein im Gespräch mit Anna Vogel über die Kürzungen bei den Geisteswissenschaften
GW-Podiumsdiskussion
 

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