Energiewende

Ohne Kohle nix los?

Der Druck zum Ausstieg aus der Kohle steigt. Für Mitteldeutschland bedeutet dieser Strukturwandel hohe Kosten. Dehalb wurde heute ein Papier für überregionale Zusammenarbeit unterschrieben.
Bagger
Trotz der Energiewende ist Braunkohle noch der wichtigste Energieträger in Deutschland.

Der Cospudener See im Süden Leipzigs bietet romantische Freizeitgestaltung wie das jährliche Drachenbootrennen, Fahrradverleih oder eine Fahrt mit dem Paddelboot direkt aus dem Stadtzentrum an den Sandstrand. Wie viele der Gewässer in dem Gebiet füllt sein Wasser die Restlöcher eines Braunkohlewerks. An vielen anderen Orten sind die Löcher noch Löcher und die Förderbänder der Brücken in Betrieb. Denn Braunkohle ist nach wie vor ein starker Wirtschaftsfaktor in Mitteldeutschland. Doch der Ausstieg rückt näher – und ist teuer. Neun mitteldeutsche Landkreise und Städte wollen deshalb nun zusammenarbeiten, um diesen Strukturwandel zu begleiten. Als Grundlage dafür haben die Beteiligten dafür heute in Leipzig eine Zweckvereinbarung unterzeichnet.

Die Unterzeichner der Vereinbarung sind die Städte Leipzig und Halle (Saale) sowie die Landkreise Burgenlandkreis, Altenburger Land, Anhalt-Bitterfeld, Leipzig, Mansfeld-Südharz, Nordsachsen und Saalekreis. Der Verein Europäische Metropolregion Mitteldeutschland, dessen Vorstand Burkhard Jung ist, koordiniert die Zusammenarbeit der neun Städte und Landkreise.

Wohin soll es gehen?

Dem drohenden Wegbruch vieler Arbeitsplätze soll auf verschiedenen Wegen begegnet werden. Einerseits wirtschaftsnah durch die Weiterentwicklung von Technologien, die mit der Kohleindustrie zusammenhängen. In Leuna beispielsweise wäre ein Pilotwerk für Kohlenstoffchemie denkbar. Ein weiteres Feld ist die Elektromobilität. An den mitteldeutschen Standorten von BMW, VW, Porsche und Opel könnte in die Entwicklung von Brennstoffzellen investiert werden. Generell gibt es auch den Vorschlag, in die Ausbildung von Fachkräften zu investieren.

Auf der anderen Seite sollen mit dem Geld auch andere Wirtschaftszweige gestärkt werden. So könnte der Tourismus die Kohle von Morgen werden, wie am Beispiel der Leipziger Seenlandschaft. Zusätzlich sollen dann flächendeckendes Breitbandinternet und Modernisierungen im Nahverkehr Mitteldeutschland attraktiver machen.

Das alles sind bislang aber nur Entwürfe. Denn: ohne Kohle kein Ausstieg. Deshalb soll zuallererst die Finanzierung geregelt werden. Dafür beabsichtigt der überregionale Zusammenschluss mit dem Namen „Innovation im Revier“, Fördergelder aus zwei Programmen des Bundes zu beantragen. Im für sie besten Fall erhält die Projektgruppe dadurch insgesamt 16 Millionen Euro über vier Jahre. Ist das Geld da, sollen auf regionaler Ebene Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Ungleiche Partner

Unter den neun Unterzeichnern ist das Burgenland am stärksten vom Strukturwandel betroffen. Dort hängen die meisten Arbeitsplätze direkt vom Kohlebergbau ab. Deswegen empfängt der Landkreis in Thüringen die Fördergelder des Bundes, bevor sie zugeteilt werden. Im Landkreis Altenburger Land dagegen gibt es keinen aktiven Kohletagebau mehr. Die dortige Landrätin Michaele Sojka ist ebenfalls Vorstandsmitglied im Verein Europäische Metropolregion Mitteldeutschland, der das Projekt inhaltlich betreut. Ihr Landkreis gehört zu den Partnern, die als mittelbar betroffen gelten, das heißt, welche die Folgen des Ausstiegs immer noch spüren. Welcher Partner am Ende wie viel Geld bekommt und wofür es genau investiert wird, dazu gibt es bisher noch keine genauen Angaben.

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag Louisa Grübler mit Moderator Manuel Anhut
0103 SG + EST Strukturwandel
 

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