Konzertbericht: Dub FX

"In an ocean of music..."

Dub FX wurde als Straßenmusiker bekannt. Inzwischen spielt er in großen Konzerthallen. Und die braucht er auch - wie sein Aufritt im Werk2 gezeigt hat – nämlich, um die Bude so richtig abzureißen.
Dub FX im Werk2
Dub FX im Werk2

Man kennt ihn von der Straße. Aber Dub FX ist kein Straßenmusiker im klassischen Sinne: Statt publikumszugewandt und in inniger Umarmung mit der Klampfe in einem Hauseingang zu stehen, springt Dub FX um einen kleinen Kasten auf dem Fußboden wie Rumpelstilzchen ums Feuer. Statt den Passanten leidenschaftliche Gesangsstücke direkt ins Gesicht zu brüllen, scheint sich seine Performance ausschließlich auf besagten kleinen Kasten zu beziehen, auf den er über Mikro und Kabel eindringlich einredet.

Trotzdem hat er das Charisma des genialen Musikers, denn die Videos der Anfangszeiten zeigen zwar eine irgendwie koboldhafte Erscheinung, aber auch einen absolut selbstvergessenen Menschen. Und während das Publikum auf der Straße sonst nur stehenbleibt, weil es mit sechs Saiten in die Indierockballaden-Trance geleiert wird, fesselt Dub FX die Vorbeigehenden mit genau dieser Selbstvergessenheit.

Was ist mit der Street Credibility?

So hat sich der Australier vorangearbeitet, erst über die Straßen verschiedener Kontinente, schließlich in Konzerthäuser. Bis ihn sein Weg ins Werk2 nach Leipzig führte. Für eingefleischte Fans ist die große Bühne unter ihm gleichzeitig das Damoklesschwert über ihm: Kann man den natürlichen Flow der Straße auf ebendiese Bühne zerren? Ist die Kulisse aus halbinteressierten Großstadtmenschen und völlig gleichmütigen Großstadttauben vielleicht ein elementarer Teil des Erfolgskonzepts? Oder ist der Meter Höhenunterschied zwischen Musiker und Publikum genau einer zuviel? Kurz gesagt: Funktioniert das auch drinnen?

Paar Leute mehr, paar Kabel mehr

Darauf ein klares jein. Was das Publikum im Werk2 bekommt, hat natürlich nichts mehr mit den alten Straßenauftritten gemein. Die Umstände sind andere, außer dem Ticket bringen die Leute auch eine Erwartungshaltung mit. Dub FX begegnet dieser, indem er wiederum ein paar Leute, ein paar Kabel und ein paar Instrumente mehr mitbringt. Dann wirft er die Beatmaschine an. Und lässt sie in drei Wellen über die Menge rollen. Er holt sie mit einer sanften Brandung aus Dub und Reggae-Beats ab, dann geht es über die alten Songs in Richtung HipHop. Am Ende reißt er mit Breakbeats die Bude ein. Und die Menge tobt.

Dub FX im Werk2

Auch wenn der Weg bis zur großen Bühne lang war, weiß Dub FX deren Vorzüge zu nutzen. Straßenmusik schön und gut, aber richtig Spaß machen die mächtige Anlage, die Nebelmaschine und das Stroboskop, oh, das Stroboskop! Ja, er trägt dick auf. Ansonsten bleibt aber alles beim Alten: Er ist und bleibt der Großmeister der Improvisation und des Freestyles – und Musiker durch und durch: Die Worte, die er im Laufe des Abends ans Publikum richtet, würden auf eine halbe Seite passen. Seine Crew, teils jahrzehntealte musikalische Wegbegleiter, muss sich dabei nicht neben ihm verstecken. Die Musiker lassen einen Sounddschungel vom Feinsten wachsen, in dessen Dickicht aus Loops und Samples alle Anwesenden nach und nach hineingezogen werden. „In an ocean of music we move with the flow“, heißt es in einem seiner frühen Songs. Und auch diese alten Klassiker blitzen zwischendurch immer wieder auf, die Hits von vor zehn Jahren, die wieder und wieder und wieder neu erfunden wurden und jetzt vertraut und doch irgendwie exotisch klingen.

Es endet auf der Straße

Und dann, ganz plötzlich: Licht an, Ekstase aus. Sendezeit vorbei. Das arme Publikum, das dem Kerl so egal scheint – er hat alles in allem etwa vier Sätze an die Menschenmenge gerichtet –  erwacht aus dem Rausch aus Flackern und Dröhnen und winselt um eine Zugabe. Und wird erhört: Dub FX kommt allein zurück auf die Bühne, stellt sich ins gedämpfte Licht eines einzelnen Strahlers. Um seinen Hals hängt eine richtig echte Klampfe aus Holz. Und er gönnt dem Publikum noch zwei Akustikversionen, echte Straßenmusik für den Weg nach Hause.

 

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Sophia Spyropoulos
16.10.2018 - 16:37
  Kultur