Subkulturen

Obsession Bizarr - Spiel, Spaß und Latex

Am Wochenende fand - im Rahmen des Wave-Gotik Treffens - die Fetisch-Party Obsession Bizarr statt. Dass schwarz ziemlich bunt sein kann, habe ich im Interview mit dem Veranstalter und auf der Party selbst erfahren können.
Foto: Jannik Mewes

Halbnackte Körper wiegen sich auf der Tanzfläche in der Kuppelhalle des Volkspalastes. Violettes und rotes Licht flackert durch den prunkvollen Saal und versetzt einen in eine andere Welt. Aus den Lautsprechern schallt düstere elektronische Musik, die einen nach nur wenigen Liedern völlig in Trance versinken lässt. Egal wohin man schaut – überall gibt es neue Eindrücke. Menschen aller Formen und Farben wiegen sich im Takt der Musik. Doms führen ihre Subs in Ketten durch den Saal, neben uns tanzt ein preußischer Offizier, jemand mit einer Hundemaske spricht mit Schneewittchen in Latex und eine Frau deren Körper bunt bemalt ist, stolziert auf Stelzen an mir vorbei. 

6 Stunden zuvor...

Ich sitze mit René, dem Veranstalter der Obsession Bizarr, vor dem Seiteneingang des Volkspalastes. Seine Crew ist schon fleißig dabei alles für die Party am Abend vorzubereiten, umso netter von ihm, sich die Zeit für ein Interview zu nehmen. René ist schon lange Teil der Szene. Sein persönlicher Bezug zum Thema sorgt natürlich dafür, dass er weiß was sich seine Party-Gäste wünschen.

Für mich stellt sich die Frage: Wer sind seine Gäste? Und vor allem – wie sind sie? Renés Antwort ist so einfach wie logisch:

Die sind so facettenreich wie allen anderen Menschen auch. Also es gibt viele ganz tolle Menschen, und aber auch, wie überall, Idioten.

 

Als nächstes möchte ich wissen was denn nun ein Fetisch ist. Eine klare Definition kann René mir aber leider nicht geben. Die Fetische, die er nennt "Latex, Korsagen, Nylon - aber auch Natursekt oder Fußfetisch" sind auch in der Mainstream-Gesellschaft weitestgehend bekannt. Vermutlich weil diese - zusammen mit Lack und Leder- am häufigsten vorkommen. Von einem Mitglied der Leipziger BDSM Szene weiß ich, dass bei sexuellem Fetischismus Erregung durch ein unbelebtes Objekt hervorgerufen wird. Ein Fuß-Fetisch ist also eigentlich gar kein Fetisch... es sei denn er ist nicht mehr...Lassen wir das.

BDSM und Fetisch - zwei Seiten einer Medaille

Wer vom Fetisch spricht, darf vom BDSM nicht schweigen. Das liegt daran, dass beide Szenen sich überschneiden. Menschen mit Fetisch können oftmals Teilen des BDSM etwas abgewinnen, während viele BDSMler Fetische haben.

BDSM – das steht für Bondage and Discipline, Dominance and Submission, Sadism and Masochism.  Doch so wie es nicht den Fetischisten gibt, gibt es auch nicht den BDSMler. Nicht alle mögen Schmerzen oder fügen diese gern zu, manche haben einen Fetisch andere nicht, den einen geht es um ein Machtgefühl – den anderen um Kunst. Ein gutes Beispiel dafür ist Shibari – japanische Seil-Fesselkunst. Einige genießen diesen Teil des BDSMs wegen der Schmerzen die man mit Seil zufügen bzw. spüren kann, andere wegen Machtkomponente und wieder andere wegen der Ästhetik. Meist ist es eine Kombination aus allen drei Gründen.

Egal welche Neigung, auf der Obsession kam jeder auf seine Kosten – dafür hat René mit einem diversen Programm gesorgt. 

Letztendlich ist es ne Party, es wird getanzt, es werden Leute getroffen, man kann sich unterhalten, es ist ein bisschen Unterhaltungsprogramm, es sind ein paar Shows – wir haben dieses Jahr eine Bondage-Show, wir ham ne Modenschau. Und wir haben halt auch einen Bereich wo man auch ein paar Spielmöbel hat, wo man ein bisschen spielen kann – das kann man natürlich auch überall tun.

Spielen, das ist der Szene-Begriff für das Ausleben verschiedener BDSM Praktiken. Dazu gehört Fesseln: mit Seil, mit Ketten, Handschellen oder Ledercuffs; ebenso Schlagen mit Peitschen, Floggern oder Reitgerten; aber auch ausgefallenere Praktiken wie z.B. Wachs-Spiele und natürlich, schlicht und einfach, Sex.

Der Spielbereich auf der Obsession war dunkel und recht ruhig – abgesehen von gelegentlichem Stöhnen. Er wirkte zwar improvisiert, was sicher dem temporären Charakter der Veranstaltung geschuldet war, war aber dennoch gut durchdacht. "Draußen bleiben" - Schilder an den einzelnen Separées sorgten für Privatsphäre, die sich dadurch relativierte, dass deren Vorhänge durchsichtig waren. Es gab Käfige, Andreaskreuze, zwei Betten, einen spanischen Reiter und einen Raum mit Videokamera deren Feed an einen weiteren Raum ging. Dungeon-Masters haben darüber gewacht, dass dabei niemand belästigt wird oder zu Schaden kommt. Das insbesondere muss man den Veranstaltern zu Gute halten, denn sie zeigen damit Wertschätzung für den Grundsatz der Szene, dass alles safe, sane and consensual ablaufen sollte.

Auf der Obsession konnte man alle Hemmungen fallen lassen und einfach man selbst zu sein, denn akzeptiert wurden hier alle wie sie sind. 

 

Den Beitrag zum Nachhören, gibt's hier:

Reportage von der Obsession Bizarr

Elisabeth Winkler, Redakteurin

René Junge, Veranstalter der Obsession Bizarr

Fetisch Party ohne Atmo

 

 

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Elisabeth Winkler
01.06.2018 - 09:46