Literarisches Quartett für die Ohren

Nominiert für den Leipziger Buchpreis

Auf der Leipziger Buchmesse gibt es einen Preis der Kategorie „Belletristik“. Nominiert dafür sind dieses Jahr drei Romane, ein Gedichtband und ein Buch, das sich nicht einordnet lässt. Der Druckstatus hat die fünf Bücher diskutiert.
Der Druckstatus diskutiert die Nominierten für den Leipziger Buchpreis in der Kategorie Belletristik
Der Druckstatus diskutiert die Nominierten für den Leipziger Buchpreis in der Kategorie Belletristik

Obsessive Verfolgungsjagd

Lukas Bärfuss entwickelt in seinem Roman „Hagard“ eine ungewöhnliche Situation. Ein namenloser Erzähler berichtet von einem Geschäftsmann namens Philip, der eines Tages beginnt, eine fremde Frau zu verfolgen. Erst ist es nur ein spielerischer Zeitvertreib, doch dann wird es zur Obsession. Philipp will wissen, wer diese Frau ist und was sie macht. Er will ihr nahe sein. Dabei bewegt er sich immer mehr aus seinem eigenen Leben heraus.

Sarah Emminghaus, Lara Lorenz, Markus Lücker und Thilo Körting über Obsession, sexistische Sprache und darüber, was Literatur eigentlich darf.

Sarah Emminghaus, Lara Lorenz, Markus Lücker und Thilo Körting im Gespräch über "Hagard" von Lukas Bärfuss
2103 Hagard

Ein Erzählreigen über das Erzählen

„Der Scheik von Aachen“ ist der einzige Herbsttitel auf der Liste des diesjährigen Buchpreises. Brigitte Kronauers Roman ist sehr ruhig. Es gibt eigentlich keine große Handlung. Eigentlich ist es eher ein Erzählreigen. Protagonistin ist die Mittvierzigerin Anita, die ihre Liebe Mario verloren hat und jetzt mit diesem Verlust umgehen muss. Immer wieder trifft sie dabei ihre Tante Emmi, die selbst einen geliebten Menschen verloren hat.

Sarah Emminghaus, Lara Lorenz, Markus Lücker und Thilo Körting über Tod und Verlust, Langeweile und ob man Figuren ihr Alter abkaufen muss.

Sarah Emminghaus, Lara Lorenz, Markus Lücker und Thilo Körting im Gespräch über "Der Scheik von Aachen" von Brigitte Kronauer
2103 scheik

Elemente der Sprache

Seit zwei Jahren gehört es jetzt schon zur Tradition dieses Buchpreises, in der Kategorie „Belletristik“ auch einen Lyrikband zu nominieren. Dieses Jahr ist die Wahl auf Steffen Popps „118“ gefallen. Die Umschlaggestaltung – ein neu angeordnetes Periodensystem - lässt darauf schließen, dass es sich hier um die chemischen Elemente handelt. Beim Lesen wird schnell klar, dass es wohl doch eher um die Elemente, die für Popps Schreiben wichtig sind, geht. Er erzählt zum Beispiel von Holz, Giraffen und dem kleinen Wörtchen „so“.

Sarah Emminghaus, Lara Lorenz, Markus Lücker und Thilo Körting über kindliches Staunen, die Schönheit von Sprache und Spaß und Frustration beim Lesen.

Sarah Emminghaus, Lara Lorenz, Markus Lücker und Thilo Körting im Gespräch über "118" von Steffan Popp
2103 118

Persönliche Spurensuche

Natascha Wodin bezeichnet ihr neues Buch gar nicht erst als Roman. Sie ordnet es überhaupt nicht ein. In „Sie kam aus Mariupol“ verfolgt die Autorin die Spuren ihrer verstorbenen Mutter. Diese lebte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der kleinen Stadt Mariupol in der heutigen Ukraine. Von dort kam sie nach Deutschland. Unter der Naziherrschaft unerwünscht, wurde sie als Zwangsarbeiterin ausgebeutet. Diesem Unerwünschtsein spürt die Autorin nach und beleuchtet so das Schicksal der Zwangsarbeiter in Deutschland.

Sarah Emminghaus, Lara Lorenz, Markus Lücker und Thilo Körting über die Wunder des Internets, ein vergessenes Kapitel der deutschen Geschichte und die Balance zwischen historischen Fakten und literarischem Erzählen.

Sarah Emminghaus, Lara Lorenz, Markus Lücker und Thilo Körting im Gespräch über "Sie kam aus Mariupol" von Natascha Wodin
2103 Mariupol

Ein Sonnenschein von einem Buch

Mit „Kirio“ legt Anne Weber einen Roman vor, der sich immer wieder selbst die Frage stellt, welche Macht ein Erzähler eigentlich hat. Dafür erschafft sie eine ganz seltsame Figur: Kirio erinnert an einen Jungen, der nicht wirklich erwachsen wird. Und er vollbringt allerlei Wunder, ohne es selbst zu bemerken. Kirios Geschichte wird von einem Wesen erzählt, dass sich und die Leser die ganze Zeit fragt, was es eigentlich ist.

Sarah Emminghaus, Lara Lorenz, Markus Lücker und Thilo Körting über präsente Erzähler, vereitelte Selbstmorde und ansteckende Fröhlichkeit, die nicht nervt.

Sarah Emminghaus, Lara Lorenz, Markus Lücker und Thilo Körting im Gespräch über "Kirio" von Anne Weber
2103 Kirio
 

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Lukas Bärfuss: Hagard

174 Seiten

Wallstein Verlag

19,90 Euro

 

Brigitte Kronsteiner: Der Scheik von Aachen

399 Seiten

Klett-Cotta

22,95 Euro

 

Steffen Popp: 118

144 Seiten

Kookbooks

19,90 Euro

 

Natascha Wodin: Sie kam aus Mariupol

364 Seiten

Rowohlt

19,95 Euro

 

Anne Weber: Kirio

224 Seiten

S. Fischer

20 Euro