Leipzig hilft!

Nightline - Helfen durch Zuhören

Studenten, die in eine neue Stadt kommen, kennen dort oft niemanden. Sie haben auch noch niemanden zum Reden. Niemanden? Das stimmt nicht ganz, sie haben die Nightline Leipzig, das studentische Sorgentelefon.
Nightline Leipzig
Ein offenes Ohr bei der Nightline Leipzig

Derzeit ist der Campus übersät mit Bildern wie diesem. Die Nightline Leipzig erinnert daran, dass hier montags, mittwochs und freitags Studenten am anderen Ende der Leitung sitzen und darauf warten, sich die Probleme ihrer Anrufer anzuhören.

Seit 2012 gibt es das studentische Sorgentelefon in Leipzig. Nightline ist aber keine Leipziger Erfindung, es gibt sie deutschlandweit. Bei der Neugründung werden sie jeweils von einer Stiftung unterstützt. Das Leipziger Sorgentelefon wird seitdem vom StuRa mitgetragen, ab und an bekommt es auch Spenden von Privatpersonen. Die Studenten, die dort mitmachen, arbeiten alle ehrenamtlich – es muss also hauptsächlich das Telefon finanziert werden.

Ob Prüfungsangst, Stress in der WG oder Liebeskummer

Doch mit was für Problemen wenden sich die Anrufer an die Nightline? Das kann ganz unterschiedlich sein, meist sind es die "typischen Studentenprobleme": Prüfungsangst, Stress in der WG, Liebeskummer... Es muss sich also niemand scheuen, auch mit kleinen Problemen bei der Nightline anzurufen, denn genau dafür ist sie da. Die Telefonisten sind ebenfalls Studenten und kennen daher die Probleme ihrer Anrufer. Für wirklich große Probleme sind die Nightliner nicht ausgebildet.

Helfen durch Zuhören

Denn sie tun vor allem eins: Zuhören, und zwar aktiv. Sie geben keine Ratschläge, aber die Anrufer sollen ihre Probleme loswerden können. Ein Nightliner der ersten Stunde ist Alex. Er merkt meist, ob er dem Anrufer helfen konnte:

"Wenn man im Laufe des Gesprächs feststellt, dass die Stimme zum Beispiel sicherer wird, dass derjenige offener spricht, langsamer spricht, dann ist das schon ein kleines Zeichen. Und natürlich frag ich auch am Ende, ob ich ihm helfen konnte, ob alle seine Anliegen geklärt wurden, und das ist auch meistens so."

Doch wie kann das funktionieren? Professor Anette Kersting, Direktorin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Leipzig, erklärt:

"Wenn man sich vorher immer im selben Gedanken-Karussel bewegt hat, hilft es manchmal einfach, jemand anderem, ohne dass der viel dazu sagt, davon zu erzählen. Und man selber hat die Idee 'ach da könnte doch noch ein Aspekt sein, den ich nicht bedacht hab und da könnte es mich weiterführen'."

Eine Gesprächssituation bei Nightline könne einen "kathartischen Effekt" haben, da der Anrufer überhaupt erst einmal loswerden könne, was ihn so beschäftigt.

Wie wird man Nightliner?

Wer selber bei der Nightline mitmachen möchte, kann sich auf deren Internetseite informieren. Dafür braucht es erst mal nicht viel, außer der Fähigkeit und dem Willen, anderen zuzuhören.

Die neuen Nightliner werden dann in einem Einführungswochenende mit einer Psychologin vorbereitet. Sie erlernen spezielle Gesprächstechniken, damit die Anrufer sich möglichst gut öffnen können und aus dem Gespräch viel mitnehmen, obwohl sie von den Nightlinern nie Ratschläge und erst recht keine therapeutische Beratung bekommen. In dem Einführungswochenende werden auch schwierige Situationen geübt, wenn beispielsweise der Anrufer aggressiv wird oder ein sehr gravierendes Problem hat. Bei ernsten psychischen Problemen wird dann an professionelle Stellen verwiesen.

 

Ein Beitrag von Ronja Münch über die Nightliner.
Ein Beitrag von Ronja Münch über die Nightliner.
 

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Nightline Leipzig

Rufnummer:
0341/973 7777

Erreichbar in der Vorlesungszeit:
Mo, Mi und Fr
jeweils von 21 - 0 Uhr