Filmrezension "Die dunkelste Stunde"

Niemals kapitulieren!

In "Die dunkelste Stunde" wird ein dunkles Kapitel der Weltgeschichte ausgebreitet und zeigt einen brillanten Gary Oldman, der sich für die angehende Oscarverleihung bewirbt.
Szene aus "Die dunkelste Stunde"
Gary Oldman wird zu Winston Churchill

Der Zweite Weltkrieg tobt, Hitlers Eroberungsfeldzug in Westeuropa hat begonnen. Es ist der 10. Mai 1940 und England steht vor einem politischen Umbruch. Neville Chamberlain (Ronald Pickup) dankt ab und Winston Churchill (Gary Oldman) wird der neue Premierminister. Er steht kurz nach seinem Amtsantritt vor einem großen Dilemma. Soll England vor Nazi-Deutschland kapitulieren oder sich weiterhin zur Wehr setzen?

Für Churchill kommt eine Kapitulation eigentlich nicht in Frage, doch Intrigen aus den eigenen Reihen machen ihm das Leben schwer. Darüber hinaus sitzt fast die gesamte britische Armee am Strand von Dünkirchen fest und wartet auf Rettung, während der Feind sie von allen Seiten eingekesselt hat. England scheint dem Untergang geweiht... 

Die Gary Oldman - Show

Die dunkelste Stunde ist eine einzige One-Man-Show. Der gesamte Film dreht sich komplett um Winston Churchill, der von Gary Oldman grandios verkörpert wird. Oldman beweist erneut, dass er zu den wohl wandlungsfähigsten Schauspielern unserer Zeit gehört, immerhin hat dieser Mann schon Ludwig van Beethoven, Harry Potters Patenonkel und Batmans Polizei-Kollegen gespielt, um nur einige seiner unzähligen Rollen zu nennen.

Oldman ist hier unter gefühlten Tonnen von Make-Up kaum noch erkennbar. Seine Stimme, sein Gang, seine Blicke man zweifelt in keiner Sekunde daran, dass man hier Winston Churchill sieht. Oldman verschmilzt regelrecht mit seiner Rolle. Nachdem er bereits den Golden Globe als bester Hauptdarsteller gewinnen konnte, sollte er wohl auch den Oscar mit nach Hause nehmen. Der einzige Schauspieler, der ihm noch gefährlich werden könnte, ist wohl Daniel Day Lewis (Der Seidene Faden).

Szene aus "Die dunkelste Stunde"
Churchill und seine Frau

Der Film zeigt Churchill sowohl als eiskalten Politiker als auch als zerbrechlichen älteren Mann, der zu Hause schon mal halbnackt über den Flur flitzt. So viel Raum Gary Oldmans Spiel eingeräumt wird, so wenig Substanz erhalten hingegen die Nebencharaktere. So verkommen Churchills Frau (Kristin Scott Thomas) oder die Stenotypistin Elizabeth Layton (Lily James) zu Randfiguren, die zwar irgendwie anwesend sind, aber im Grunde genommen die Handlung kaum beeinflussen. 

Unterhaltsame Geschichtsstunde

Glücklicherweise ist Die dunkelste Stunde keine langweilige Abhandlung über Churchills Biografie geworden. Regisseur Joe Wright (Abbitte, Anna Karenina) inszeniert diesen einen historischen Abschnitt als unterhaltsames Kammerspiel, in das sich nur vereinzelt kleine Längen einschleichen. Auf große Kriegsszenen wird größtenteils verzichtet, und wenn doch ein Blick aufs Schlachtfeld gewagt wird, dann aus luftiger Höhe. So wie als würde man (zusammen mit Churchill) auf eine Landkarte schauen. Der Großteil des Geschehens findet in den privaten

Szene aus "Die dunkelste Stunde"
Churchill redet sich in Kopf und Kragen

Gemächern des Premierministers oder in beklemmenden Bunkern statt, wo sich die Politiker ihre Wortgefechte liefern. Die dunkelste Stunde ist somit das Gegenstück zu Christopher Nolans Dunkirk. Wo Nolan noch das Kriegschaos im Strand von Dünkirchen inszenierte, blickt Wright hinter die Kulissen und zeigt, was auf politischer Ebene in der Zwischenzeit passiert.

Fazit

Die dunkelste Stunde ist routiniertes Oscar-Historienkino. Das ist nicht besonders innovativ oder aufregend erzählt, aber Gary Oldman zeigt eine beeindruckende One-Man-Show, der man gerne folgt. Joe Wright setzt seinen Hauptdarsteller besonders in Churchills berühmten Reden mitreißend in Szene und findet für seine Geschichtsstunde ein einprägsames Schlussbild, das im Gedächtnis bleibt.

 

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Die dunkelste Stunde

Regie: Joe Wright

Kinostart: 18.01.2018

Laufzeit: 126 Minuten

FSK 6