Schlafkonzerte

Nickerchen im Konzertsaal

Wer schon mal während eines Events eingeschlafen ist, weiß: Das kann peinlich enden. Unsere Redakteurin Luise Tasler besuchte ein Konzert, bei dem Schlafen sogar erwünscht ist.
Nickerchen ausdrücklich erwünscht: das Schlafkonzert im Kupfersaal
Nickerchen ausdrücklich erwünscht: Das Schlafkonzert im Kupfersaal

Völlig außer Atem komme ich in der Kupfergasse an. Ich habe mich verspätet. Gedanklich sitze ich immer noch in der Vorlesung. Eine Frau am Einlass sagt mir, ich könne mir eine Matratze aussuchen, das Konzert ginge jeden Augenblick los. Decken und Kissen gibt es auch. Anscheinend ist das Einschlafen hier wirklich erwünscht.

Paralleluniversum

Der ganze Saal ist in einem warmen orangenen Ton beleuchtet. Es läuft eine Art entspannende Loungemusik. Im Gegensatz zur hektischen Innenstadt wirkt der Konzertsaal wie ein Paralleluniversum. Ich suche mir also eine Matratze aus. Schräg vor mir sitzt ein junger Mann. Er heißt Matti und erlebt hier schon sein zweites Schlafkonzert.

Ich erhoffe mir, ein bisschen Ruhe zu haben, ein bisschen schlafen vielleicht auch. Und einfach sehr energiegeladen und aufgetankt wieder aufzuwachen und in diese Woche zu starten.

Matti Gelke 

Alltagsprobleme

Auf der Bühne tauchen nacheinander die Musiker auf. Ein anderer Konzertbesucher hat sich schon in Embryonalstellung unter seiner Decke zusammengerollt. Nach Einschlafen ist mir noch nicht zumute. Trotzdem stecke ich meine Füße unter die orangene Wolldecke und beobachte, wie sich die Sängerin vor das Mikrofon stellt. Mit sanfter Stimme singt Julia Buch von Problemen, die jeder kennt: Stress, Liebeskummer, Müdigkeit.

In den Schlaf gesungen

Einige Zuschauer sind noch unruhig. Sie wechseln ständig die Liegeposition und heben den Kopf um einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Andere wiederum haben bereits die Augen geschlossen. Von irgendwo im Saal höre ich tatsächlich ein leises Schnarchen. Die Musik wird langsamer. Julia Buch beginnt ein Klavierstück zu spielen. Mein Puls verlangsamt sich, ich atme wieder regelmäßig. Vielleicht kann ich ja nur für ein paar Minuten die Augen schließen.

Die ersten schlafen schon.
Die ersten schlafen schon.

Die Gründerin

Julia Buch hat das Projekt vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Seitdem ist sie mit ihrer Show durchs ganze Land gereist.

Ich möchte zeigen, dass Musik eine Ressource ist, die oft unterschätzt wird. Oft wird Musik nebenbei konsumiert, 24 Stunden am Tag - sie kann aber auch zur Ruhe führen.

Julia Buch

Ob mephisto 97.6 Redakteurin Luise Tasler das Konzert gefallen hat, hören Sie hier: 

Luise Tasler über das Schlafkonzert
 

 

 

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Luise Tasler
25.10.2017 - 16:46
  Kultur