Gesundheit

Neuigkeiten bei Herzinfarktbehandlung

Eine Studie unter Leitung des Herzzentrums in Leipzig hat gezeigt, wie man die Sterblichkeit bei einem Herzinfarkt mit kardiogenem Schock verringern kann. Wir haben mit dem Klinikdirektor Prof. Holger Thiele über die Studie gesprochen.
Prof. Dr. Holger Thiele
Prof. Dr. Holger Thiele

Das Interview zum Nachhören:

Ein Interview von Philip Fiedler
2708 TI Herzinfarkt

mephisto 97.6: Herr Thiele, worum geht es denn genau in der Studie?

Prof. Thiele: Bei dieser Studie geht es um Patienten die einen Herzinfarkt haben und einen kardiogenen Schock entwickeln. Das passiert in etwa bei 10% der Herzinfarkt-Patienten. Bei diesem Schock ist die Herzkraft so schlecht, dass die Versorgung nicht mehr ausreicht, um den Kreislauf aufrecht zu erhalten. Bei diesen Patienten haben wir im Rahmen der Studie per Zufall entschieden, ob nur das Infarktgefäß behandelt wird oder auch gleich die anderen Engstellen und Herzkranzgefäße mit.

mephisto 97.6: Zu welchem Ergebnis sind Sie am Ende der Studie gekommen?

Prof. Thiele: Im Rahmen der Studie haben wir herausgefunden, dass wenn man nur das Infarktgefäß behandelt, die Patienten ein besseres outcome haben. Das bedeutet, dass mehr Patienten überleben, als wenn man alle Gefäße auf einmal behandelt. Damit haben wir wirklich die Leitlinien verändert. Denn in den Leitlinien stand bisher drin, dass alle Gefäße behandelt werden sollten und das haben wir mit dieser Studie widerlegt.

mephisto 97.6: Was bedeutet das für die Patienten?

Prof. Thiele: Am Ende ist herausgekommen, dass die Sterblichkeit um 8% absolut gesenkt wird. Insgesamt liegt die Sterblichkeit bei Patienten, die einen kardiogenen Schock entwickeln bei circa 40% – 45%.

mephisto 97.6: Das klingt ja erstmal nicht nach so viel. Machen 8% wirklich einen spürbaren unterschied für die Patienten?

Prof. Thiele: In dem Fall war es nun so, dass die Sterblichkeit von 52% auf 44% verringert werden konnte und da machen 8% absolut schon eine ganze Menge aus.

mephisto 97.6: Wie wurde der kardiogene Schock bisher behandelt?

Prof. Thiele: Bisher ist es so, dass bei einem Herzinfarkt sowohl das Infarktgefäß, als auch alle anderen Engstellen behandelt werden. So haben es die Leitlinien bisher gesagt. Wir haben in der Studie herausgefunden, dass es besser ist, wenn man nur das Infarktgefäß behandelt und die anderen Engstellen erstmal in Ruhe lässt.

 

Kommentieren

Begriffsklärung:

 

Kardiogener Schock: Bei einem kardiogenen Schock pumpt das Herz nicht genügend Blut in Kreislauf.

outcome: engl. treatment outcome - Behandlungserfolg