Vom Güter- zum Bürgerbahnhof

Neuer Gestaltungsraum in Plagwitz

Industrieviertel Plagwitz? Nicht nur zahlreiche Restaurants und Galerien haben aus leerstehenden Hallen längst hippe Lokalitäten gemacht. Auch die Umgestaltung unter freiem Himmel geht voran: der Güterbahnhof Plagwitz wird zum Bürgerbahnhof.
Bauspielplatz "Wilder Westen" auf dem ehemaligen Bahngelände in Plagwitz
Der Bauspielplatz ist nur eines von vielen Projekten auf dem ehemaligen Bahngelände in Plagwitz.

Schon seit 2009 gibt es die Initiative Bürgerbahnhof Plagwitz (IBBP), doch so richtig anpacken kann sie erst jetzt, nach fast sieben Jahren der Planung. Aus fast 17,5 Hektar Bahngelände entsteht Schritt für Schritt ein neuer öffentlicher Raum. Seit der Wende blieb die Fläche ungenutzt, die Bahn baute schrittweise die Gleise zurück. Dann kaufte die Stadt Leipzig das Gelände und verpachtet es nun an die Stiftung „Ecken wecken“, die wiederrum Teil der IBBP ist. Verschiedene gemeinnützige Gruppierungen verwirklichen ihre Ideen nun auf einzelnen Abschnitten der Fläche zwischen Bahngleisen und Klingenstraße in Plagwitz.

Geschichten aus der Vergangenheit erzählen

Thorsten Mehnert, Vertreter der IBBP und zugleich Vorstand der Stiftung „Ecken wecken“ steht im neuen Bürgergarten und restauriert Elemente aus der Bahnvergangenheit. „Das war von vorne herein auch ein Aspekt: Wir wollen ein Stück nachvollziehbar machen, was hier früher mal war“, sagt er und erzählt, dass neben der ehemaligen Überdachung einer Bahnhofstreppe auch eine 25-Meter-Gleisstrecke mit Wagon und eine „Sommerdusche“ in Form einer alten Lok-Betankungsanlage aufgebaut werden sollen.

Doch der Bürgergarten ist nur eines von unzähligen Projekten auf dem großen Gelände. Gleich gegenüber hämmern Kinder auf dem Bauspielplatz – dem Projekt, das als einziges schon in Gänze steht und eröffnet hat. Direkt daneben haben die Pfadfinder vor kurzem ihren 25. Geburtstag gefeiert.

Auch vom Gemeinschaftsgarten „Annalinde“ wird eine Teilfläche genutzt. Zunächst für Workshops, bald aber auch für Obstbäume. „Wir haben noch ein Problem mit viel stehendem Wasser“, erklärt Thorsten Mehnert. Zunächst müsse noch eine Abwasserleitung gelegt werden, die später in den Urbanen Wald laufen soll. Der urbane Wald ist noch so eine Idee: Über 50 Bäume, bereit gestellt von der Stadt, sollen noch in diesem Jahr gepflanzt werden.

Raum für Entspannung

Darüber hinaus sind ein Obsthain, eine Parkwiese zum Grillen und Entspannen, ein Café, ein Ballspielfeld und eine Boulderwand langfristig geplant. Auch ein 160 Quadratmeter großes „Quartiershaus“, in dem die Gruppen bei schlechtem Wetter Unterschlupf finden können oder in dem sich die Plagwitzer zum Kochen, Basteln oder ähnlichem treffen können soll entstehen. „Es muss eine Fläche sein, die multifunktional nutzbar ist“, sagt Mehnert, denn man wisse nie, was in zehn Jahren sei und „dann muss die Fläche natürlich auch taugen, ohne dass man wieder Riesenbaumaßnahmen initiieren muss“.

Die Initiative Bürgerbahnhof Plagwitz lebt von der Beteiligung, den Ideen und Vorstellungen der Bürger, die sich einbringen möchten. „Uns war es wichtig, kein Verein zu sein“, sagt Mehnert. Denn die Leute wollten keine Verpflichtungen eingehen. Wer hier mitmachen will, kann sich regelmäßig einbringen oder nur temporär, mit viel Zeit oder wenig, ein Jahr ja, das nächste nicht. Das alte Bahnhofsgelände ist für jedermann da und jeder soll es so nutzen, wie es für ihn am besten ist.

mephisto 97.6 Redakteurin Raja Kraus hat sich den Güterbahnhof in Plagwitz und seine Verwandlung zum Bürgerbahnhof näher angeschaut:

mephisto 97.6 Redakteurin Raja Kraus über den Bahnhof in Plagwitz
 
 

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