Rassismus auf dem Wohnungsmarkt

Neue Wohnung nur für Deutsche?

Vor kurzem kam eine Studie ins Gespräch, die belegt, dass Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert werden. Ob das auch in Leipzig so ist, wollte mephisto97.6 Redakteurin Luise Tasler wissen.
Ein Kunden-Center der LWB in der Leipziger Kolonnadenstraße

Das ist die wichtigste Problematik eigentlich. Weil das Leben fängt an mit einer Wohnung. Ohne eine Wohnung kannst du keine Versicherungsbriefe bekommen, kannst du keine Schule für deine Kinder anmelden. Du kannst nix. Das ist wirklich die erste Priorität gerade.

Nuria Silvestre Fernandez

Nuria Silvestre Fernandez ist Migrationsberaterin und unterstützt Geflüchtete dabei, in Deutschland anzukommen. Deshalb hat sie in ihrem beruflichen Alltag ständig mit Rassismus auf dem Leipziger Wohnungsmarkt zu tun, sagt sie. Dabei sei es völlig egal, ob der Wohnungsanbieter eine Privatperson ist oder einer Genossenschaft angehört. Stereotypen würden bei der Wohnungsvergabe immer eine Rolle spielen.

Vorwürfe werden bestritten

Die Wohnungsgenossenschaften in Leipzig streiten diese Vorwürfe ab. So auch die LWB. Sie gilt als größter Wohnungsanbieter Leipzigs. Laut der Sprecherin Samira Sachse, trägt die LWB lange dazu bei, dass Geflüchtete in Leipzig eine Wohnung finden. Andere Wohnungsgenossenschaften bestreiten ebenfalls die Vorwürfe. So auch Jens Foede, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft Unitas. Er würde seine Hand dafür ins Feuer legen, dass seine Mitarbeiter alle Wohnungsinteressenten gleichbehandeln. Aber er räumt ein, dass Sprachbarrieren und fehlende Papiere einen Nachteil für Migranten darstellen. Dadurch kommt es zu längeren Bearbeitungszeiten.

Der Bewerber muss auf die Wohnung passen. Das ist richtig und wir gehen eigentlich so vor: wer als erster da ist und die Unterlagen auch vorliegen hat, der ist dann derjenige der gewinnt. Ja, Windhundprinzip. Wie wollen wirs anders machen? Wir müssen die Wohnungen vermieten und so isses.

Jens Foede

Warteliste für Migranten

Um mit der steigenden Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt umzugehen, hat die LWB eine Warteliste speziell für Migranten und Flüchtlinge eingerichtet. So möchte sie die Situation fairer gestalten. Kritiker finden diese Liste aber eher diskriminierend als hilfreich. So auch Dana Ersing, Vorstand der Kontaktstelle Wohnen. Ein Verein, der Geflüchtete bei der Wohnungssuche in Leipzig unterstützt. Sie erlebt die Probleme mit der Liste jeden Tag.

Wenn jetzt jemand mit nem Wohnungspaten von uns zum Beispiel eine Wohnung bei der LWB findet im Internet und da ganz normal sich drauf bewerben will, wird man eben auf die List verwiesen. Auf die offen angebotenen Wohnungen haben die Geflüchteten keinen Zugriff bei der LWB, egal wie gut sie Deutsch sprechen oder ob sie begleitet werden.

Dana Ersing

Verfahrene Situation

Große Vermieter sollten ihrer Ansicht nach mehr Schulungen gegen Diskriminierungen anbieten. So sollen Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert werden. Außerdem hat Ersing ganz konkrete Vorstellungen, was passieren muss, damit sich etwas ändert. Sie würde gern durch eine Klage auf das Thema aufmerksam machen. Auch die Migrationsberaterin Nuria Silvestre hat Forderungen an die Politik. Sie möchte, dass sich Stadt und Genossenschaften um mehr Wohnraum kümmern. Damit kann man aktuell aber noch nicht rechnen. Die Stadt möchte sich zu der Thematik nicht äußern. LWB und Unitas streiten die Vorwürfe weiter ab.

Den gesamten Beitrag können Sie hier nachhören:

Luise Tasler über Rassismus auf dem Leipziger Wohnungsmarkt
Rassismus auf dem Leipziger Wohnungsmarkt

 

 

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