Prostatakrebs

Neue Therapie in Aussicht?

Prostatakerbs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Bisher gab es bei der Behandlung nur die Wahl zwischen Strahlentherapie, Entfernung des Tumors oder dem sogenannten aktiven Abwarten. Eine neue Methode soll das ändern.
Krankenhaus
Krankenhausflur

Jährlich erkranken ungefähr 90.000 Männer in Deutschland an Prostatakrebs. Der Krebs befällt dabei einen Teil der Harnröhre, die sogenannte Vorsteherdrüse, welche als Prostata bezeichnet wird. Mithilfe des Tookad-Verfahrens soll nun lediglich der Tumor zerstört werden – und nicht wie bisher das ganze Organ.

Hannes Berger hat mit Professor Martin Wirth vom Uniklinikum Dresden über die neue Behandlungsmethode gesprochen. Das Interview gibt es hier zum Nachhören und im Folgenden zum Nachlesen:

Ein Beitrag von Hannes Berger über die neue Behandlung gegen Prostatakrebs
Neue Behandlung gegen Prostatakrebs

 

mephisto 97.6: Wie funktioniert die neue Behandlungsmethode?

Prof. Manfred Wirth: Bei der Methode wird eine Substanz, die durch Laserlicht aktiviert wird, dem Patienten gespritzt. Danach werden Laserfasern eingebracht. Diese aktivieren dann die Substanz. Dadurch werden die Gefäße im Bereich des Tumors komplett zerstört, so dass dieser nicht mehr wachsen kann, da er ja keine Gefäßversorgung hat. Das heißt, die Zellen werden sterben.

Dieses Laserlicht wird dann bestrahlt?

Nein, das kann man sich so vorstellen, dass feine Laserfasern an die Stelle gebracht werden, wo sich der Tumor befindet.

Worin liegt der Vorteil dieser neuen Behandlungsmethode im Vergleich zu den bereits bestehenden?

Die Methode hat den Vorteil, dass sie wirklich minimalinvasiv ist, also nur den Tumor betrifft, und sehr wenige Nebenwirkungen hat. Sie wird nämlich nur auf den Tumor fokussiert. Man macht immer nur einen Teil der Prostata – nicht die gesamte.

Das Verfahren wurde das erste Mal außerhalb klinischer Studien in Deutschland angewendet. Heißt das, dass das Verfahren bald für alle Patienten verfügbar sein wird?

Diese Substanz wurde in Studien getestet mit dem besten Wissensgehalt, den man haben kann. Danach wurde diese Substanz von der europäischen Zulassungsbehörde zugelassen und die Therapie damit auch. In Deutschland geht es nur noch darum, wie es letztendlich vom Bundesausschluss gewertet wird. Meines Erachtens wird das für alle Patienten in Kürze verfügbar sein.

Sie hatten von geringen Risiken und Nebenwirkungen gesprochen. Gibt es denn Nachteile der Behandlungsmethode gegenüber den bereits bestehenden?

Alles, was wenige Nebenwirkungen hat, hat natürlich auch immer etwas weniger Wirkung. Man kann nicht alle Tumore sicher behandeln. Bei etwa 20 % müssen dann andere Behandlungsmethoden vorgenommen werden oder diese Behandlung muss noch mal wiederholt werden.

 

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