Berufsförderung

Neue Chancen auf Erstausbildung

Am Montag ist zum dritten Mal eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme in Leipzig gestartet. mephisto-Redakteur Philip Fiedler hat mit dem Leiter des Beruflichen Trainingszentrums, Marko Daubitz, darüber gesprochen, wie genau diese aussehen soll.
Marko Daubitz
Marko Daubitz, Leiter des Beruflichen Trainingszentrum Leipzig, war bei uns zu Gast

29 Jugendliche ohne Schulabschluss nehmen an der diesjährigen Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme teil. Bei der elfmonatigen Rehabilitation wird die schulische Ausbildung mit psychologischer Betreuung verbunden. Dabei können die jungen Leute gegebenenfalls ihren Hauptschulabschluss erwerben und sich auf eine Berufsausbildung vorbereiten.

Das Interview zum Nachhören:

Ein Interview von Philip Fiedler
2708 IV Daubitz

mephisto 97.6: Wer nimmt an dieser Therapie teil?

Marko Daubitz: Es handelt sich um junge Erwachsene im Alter von 15 bis 25 Jahren, die im Rahmen einer beruflichen Reha-Maßnahme am beruflichen Trainingszentrum eine Vorbereitung auf eine Erstausbildung durchlaufen.

mephisto 97.6: Vorbereitung auf diese Erstausbildung heißt, sie haben noch keinen Schulabschluss oder Ausbildung davor gemacht?

Marko Daubitz: Sie haben noch keinen Schulabschluss und im Regelfall auch noch nicht die Ausbildungsreife, also die geistige und seelische Reife, um direkt in eine Erstausbildung einmünden zu können.

mephisto 97.6: Woran liegt das in den meisten Fällen?

Marko Daubitz: Wir sind als spezielle Einrichtung für Menschen mit psychischen Behinderungen tätig und im Regelfall haben unsere Teilnehmer ein ganz breites Spektrum an Störungsbildern. Also alles, was zu den psychischen Erkrankungen dazu gehört, haben unsere Jugendlichen im Prinzip so in ihrem Lebensweg erlebt.

mephisto 97.6: Und um was handelt es sich da im häufigsten Falle?

Marko Daubitz: Suchtproblematik kommt bei uns vor, gerade Missbrauch ist ein sehr akutes Thema. Autismus sowie alles, was aus dem Autismus Spektrum kommt, findet sich bei uns in der Einrichtung wieder. Aber auch Themen wie Schulverweigerung und ein schwieriges Elternhaus, das nicht immer so förderlich war auf dem bisherigen Lebensweg.

mephisto 97.6: Das klingt teilweise schon nach etwas derberen Problemen. Bedarf es da nicht auch einer psychologischen oder medizinischen Betreuung?

Marko Daubitz: Das ist im Rahmen der Maßnahme mit inbegriffen. Zum einen werden die Teilnehmer durch Psychologen sehr eng begleitet. Wir haben ein eigenes medizinisches Team, also eigene Fachärzte, die das mitbegleiten. Wir haben Sozialpädagogen, Ergotherapeuten... Dieses ganze Spektrum wird abgedeckt. Es ist also nicht nur eine schulische Maßnahme, sondern es ist auch sehr viel psychosoziale Betreuung dabei.

mephisto 97.6: Und wie sieht dann im Kontrast dazu die schulische Ausbildung aus?

Marko Daubitz: Beim schulischen Anteil sind Mathe, Deutsch, EDV, Wirtschaftskunde mit dabei, also die klassischen schulischen Fächer. Aber dafür nicht jeden Tag acht Stunden Unterricht, sondern auch psychosoziale Trainingsanteile. Das heißt mal Gruppentraining über soziale Kompetenzen, mal Training zur Angstbewältigung. Wie gehe ich mit dem Thema Stress um? Auch so was findet sich in den Maßnahmen.

mephisto 97.6: Die sind also auf die Jugendlichen und deren Bedürfnissen zugeschnitten.

Marko Daubitz: Genau, sie sind explizit auf diese Zielgruppe zugeschnitten.

mephisto 97.6: Und wie kommt das bei denen an?

Marko Daubitz: Im Regelfall kommt es sehr gut an, weil sehr viele zum ersten Mal den Eindruck bekommen „Jetzt wird sich mal intensiv um mich gekümmert“. Sehr häufig haben wir Teilnehmer, die durchaus gutes Potenzial mitbringen und sich über diesen Zeitraum von elf Monaten sehr, sehr gut entwickeln.

Zunächst scheitert es daran, dass sie vielleicht durch dieses Schulsystem ein wenig durchgerutscht sind, anfänglich eine Krise hatten und dann nicht mehr mitgekommen sind. Nun erfahren sie auch ein Stück Zuwendung, sodass sie mit der Spezifik ihrer Störung den nächsten Entwicklungsschritt gehen können.

mephisto 97.6: Der nächste Entwicklungsschritt wäre dann eine Berufsausbildung oder der Beruf. Wie stehen da die Chancen für die Teilnehmenden?

Marko Daubitz: Gut. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht, sodass die Teilnehmer, also im letzten Durchgang hundert Prozent, in eine Erstausbildung gehen konnten. Also insofern... Mehr geht nicht.

 

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Laura Kreuzhage
27.08.2018 - 18:48