Radikalismusbekämpfung

Neue Abteilung für das Demokratiezentrum

Kürzlich wurde das sächsische Demokratiezentrum um eine Abteilung erweitert. Eine Koordinierungs- und Beratungsstelle soll bei Problemen die passenden Beratungsstellen schneller vermitteln.
Petra Köpping
Im Interview Petra Köpping. Sie hat uns verraten, was es mit der neuen Abteilung im Demokratiezentrum auf sich hat.

mephsito 97.6 Moderator Magnus Folten hat mit Petra Köpping, der sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration über die neue Abteilung im Demokratiezentrum gesprochen.

mephisto: Die Stelle heißt Beratungs- und Koordinierungsstelle Radikalisierungsprävention. Wie kann ich mir diese Stelle bildlich vorstellen? Ist das ein Gebäude, ist das eine Organisation? Können Sie das kurz umschreiben?

Köpping: Also wir haben in Sachsen unser sogenanntes Demokratiezentrum, wo wir Beratung in der Demokratieschulung und Demokratiefortbildung machen. Ein Teil dieses Demokratiezentrums ist unsere Beratungs- und Koordinierungsstelle für Radikalisierungsprävention – kurz KORA genannt.

 

Prävention, Sensibilisierung und Deradikalisierung – das sind die drei Ziele, die drei Standbeine des Programms. Deradikalisierung heißt – also da verstehe ich jetzt auch darunter, dass dort auch Islamisten betreut werden. Wie finden die den Zugang zur Beratungsstelle?

Also dort findet keine Betreuung statt, sondern das ist eine Anlaufstelle, wo diejenigen, die ein Problem haben [sich melden können]. Sei das, dass das ein Jugendlicher ist, der sich verändert innerhalb der Familie oder Schule. Sei das aber auch ein Erwachsener, der sich verändert in seinem Verhalten, in seinem Zusammenleben. Was einem so auffällt. Der kann sich an unsere Beratungsstelle wenden. Und die Beratungsstelle, die ordnet dann ein, ob das ein Fall ist, wo man einen Psychologen braucht, wo man Fachleute braucht, wo man vielleicht sogar ein Aussteigerprogramm braucht. Also die ordnet dann zu, wo die eigentliche Beratung dann stattfindet.

 

Als Koordinierungsstelle haben Sie dann quasi den Überblick über Organisationen, die zu verschiedenen Themen und Ereignissen helfen können. Die zum Beispiel in einer Schule einen Workshop geben können. Mit welchen Organisationen arbeiten Sie beispielsweise in Leipzig zusammen?

Also wir haben eine Organisation, die beispielsweise bundesweit arbeitet, die sich um solche präventiven Projekte kümmert. Dann haben wir natürlich unsere Deradikalisierungsstelle im Innenministerium, wo es um die Aussteigerprogramme geht. Die Namen von diesen Organisationen, die gibt man nicht Preis, weil die alle meist intern arbeiten. Die Stelle, die vom Bund aus arbeitet heißt Violence Prevention Network – kurz VPN genannt. Das ist eine Stelle, die bundesweit unterwegs ist. [Das VPN] hat die unterschiedlichsten Fachleute, wie Sozialpädagogen, Psychologen oder Islamwissenschaftler an der Hand, die dort die exakte Beratung durchführen können.

 

Eine Frage noch zum Personal der eigentlichen Koordinierungsstelle. Wenn dort jetzt ein Anruf angeht, wie wird er entgegen genommen?  Gibt es genügend Dolmetscher vor Ort, die gegebenenfalls andere Sprachen übersetzen können, um die Probleme möglichst schnell und möglichst klar zu kommunizieren?

Genau so ist das. Zunächst haben wir im Demokratiezentrum zwei Kollegen sitzen, die Friedensforschung und Politikwissenschaften studiert haben. Wir haben speziell in dieser Koordinierungs- und Beratungsstelle einen jungen Mann sitzen, der Islamwissenschaften studiert hat und auch mehrere Sprachen selber spricht. Das ist schon einmal ein guter Vorteil. Aber wenn in andere Sprachen vermittelt werden muss, können wir jeder Zeit auf einen Dolmetscher-Pool zurückgreifen.

 

Und dieser Pool ist dann auch so gesichert, dass die Menschen dann auch bereit stehen. Wir hatten ja das Problem in der Justizia, wo kritisiert wurde, dass es freie Dolmetscher gibt, auf die zugegriffen werden kann, welche dann aber nicht rechtzeitig vor Ort wären. Wie wird das geregelt?

Es gab ja auch die Frage, warum gerade das bei uns, beim SMGI [Staatsministerium für Gleichstellung und Integration] angesiedelt ist. Und wir haben in den letzten zwei Jahren ein regelrechtes Netzwerk aufgebaut zu allen Organisationen in Sachsen, die in dem Bereich der Flüchtlingshilfe, der Flüchtlingsunterstützung, der Flüchtlingsarbeit arbeiten. Insofern haben wir dort auf die Dolmetscher-Poole, die wir zum Teil selber mitfinanzieren, natürlich auch einen Zugriff.

 

Kommentieren