Zweiter Film über Breivik ist online

Netflix: "22. Juli" von Paul Greengrass

Knapp drei Wochen nach Poppes "Utøya 22. Juli" startet nun auch der zweite Spielfilm über die Attentate Breiviks. "22. Juli" überspringt das Kino und wird direkt auf Netflix zum Streamen angeboten. Eine kritische Rezension zum Film von Greengrass:
Viljars Begegnung mit Breivik im Gerichtssaal
Viljars Begegnung mit Breivik im Gerichtssaal

Es ist wohl die erstmalige Gelegenheit, so kurz hintereinander zwei startende Filme zu derselben Thematik zu sehen. Erik Poppes "Utøya 22. Juli" lief seit dem 20. September bis vor kurzem in den deutschen Kinos. Paul Greengrass' "22. Juli" ist seit dem 10.Oktober online auf dem Streamingportal Netflix verfügbar. Beide Filme wenden sich dem schicksalhaften Tag des Jahres 2011 zu. Dem Tag, an dem Anders Behring Breivik in Norwegen zwei Attentate mit 77 Toten und mehreren hundert Verletzten verübte. Das ganze Land und auch weite Teile der restlichen Welt waren und sind von den politisch motivierten Taten des Rechtsextremisten traumatisiert.

Die filmische Herangehensweise an solch ein Ereignis ist von vornherein gewagt. Während Poppe sich auf das Attentat auf der Insel Utøya konzentriert, die Kamera ohne erkennbaren Schnitt eines der Opfer auf ihrer Flucht begleitet und den Täter dabei komplett ausspart, wählt Greengrass einen Ansatz aus mehreren Perspektiven. Zeitlich, aber auch die Hauptfiguren betreffend. In seinem  "22. Juli" wird die Vorbereitung und der Tag des Attentats kurz abgehandelt. Das Jahr danach mit dem Prozess und den Nachwirkungen stellt er exemplarisch aber ausführlicher aus der Sicht mehrerer Personen dar. Breivik, sein Anwalt, der Premierminister und drei Opfer bzw. deren Familien werden näher beleuchtet. Damit hätten sich die beiden Projekte gut ergänzen können. Was Poppe für seinen Teil dieser Aufgabe aufgrund seines empathischen Umgangs beeindruckend gut gelingt, verfehlt Greengrass in seinem Part - und das gleich auf mehreren Ebenen.

21. Juli - die Vorbereitung

Die Handlung startet bereits am 21. Juli 2011. Vogelgezwitscher und eine bewaldete Landschaft ergeben zu Beginn von "22. Juli" ein trügerisch friedliches Bild dieses Donnerstags. Gezeigt wird die Vålstua Farm, 145km östlich von Oslo. Ein weißer Transporter steht auf dem Hof. Aber wenige Momente später sieht man Breivik (Anders Danielsen Lie) in einer Scheune konzentriert an etwas arbeiten. Er trägt eine Gasmaske und Schutzkleidung, füllt Material erst in mehrere Standmixer, dann in einen Betonmischer und das Ergebnis in mehrere verschlossene Säcke. Es ist der Sprengstoff, den er für die Autobombe auf der entlegenen Farm unbemerkt selbst herstellt. Szenenwechsel, Utøya, 40km westlich von Oslo.

Eine kleine Fähre bringt fröhliche Jugendliche auf die kleine Insel, sie scheinen die Ankunft bei dem Sommercamp kaum erwarten zu können. Einer von ihnen ist eine weitere Hauptfigur des Films: Viljar Hansen (Jonas Strand Gravli). Er reist zusammen mit seinem kleinen Bruder an. Sie werden mit den anderen von den Mitarbeitenden vor Ort in Empfang genommen, ein Banner mit dem Schriftzug "Willkommen" schwebt über den Köpfen der ankommenden Gäste. Die Stimmung ist herzlich, man kennt sich schon aus den Vorjahren. Während die Jugendlichen auf Utøya alte Freunde begrüßen und ihre Zelte aufbauen, schließt Breivik seine Vorbereitungen auf der Farm ab. Er verstaut die Bombe und zwei Waffenkoffer in seinem Transporter und fährt mit ihm durch die Nadelwälder Richtung Oslo.

Dort, in der Regierungszentrale, bespricht der Premierminister Jens Stoltenberg (Ola G. Furuseth) mit seinem Team die kommenden Tage. Er soll am Samstag auch das Sommerlager der Jugendorganisation seiner sozialdemokratischen Arbeiterpartei besuchen. Hier eine Rede halten und unter anderem über seine persönlichen Erinnerungen von der Insel sprechen, wie er und sein Aktivismus dort inspiriert wurden. Das Briefing zur Lage der nationalen Sicherheit soll am nächsten Morgen stattfinden.

22. Juli - die Attentate

Am Tag darauf, den Freitag des 22 .Juli, schwenkt die Kamera wieder zwischen Breivik, Utøya und dem Premierminister hin und her. Man sieht Ersteren als Polizisten verkleidet seine Wohnung verlassen. Er lebt mit seiner Mutter zusammen, geht aber, ohne sich von ihr zu verabschieden. Vorher noch sendet er sein Manifest "2083" an all seine Mail-Kontakte, gibt später an, dass er damit den Leuten die Notwendigkeit seines Handelns zu verstehen geben wollte.

Man sieht Breivik vor dem Regierungsgebäude einfahren, den Transporter abstellen, die Zündschnur zum Brennen bringen und in einen anderen Transporter einsteigen. Mit dem macht er sich sogleich auf den Weg nach Utøya. Das Sicherheitspersonal sieht den unbekannten Wagen und versucht noch, diesen ungewöhnlichen Vorfall aufzuklären. Aber dann zeigen schon die Überwachungskameras Originalvideos der Explosion. Die Bilder erinnern an die des 11. September. Herumfliegende Aktenpapiere, Rauch, Feuer, zerberstete Fensterscheiben, überall Kleinsttrümmer und Verletzte, Sicherheitskräfte und andere Menschen, die sich um sie kümmern. Auf der Insel wird über den Vorfall gesprochen, sämtliche Aktivitäten zunächst ausgesetzt, Eltern werden angerufen. Der Premierminister ist unverletzt, er befand sich außerplanmäßig in einem anderen Gebäude. Breivik verfolgt im Auto die Nachrichten über seinen ersten geglückten Anschlag, nimmt einen Anruf seiner Mutter nicht entgegen.

Am Ziel angekommen gibt er sich als Polizist aus, der die Insel sichern solle. Er weist erst das Fährpersonal an, die gestrichene Fähre für ihn kommen zu lassen und dann die Veranstalterin, alle zusammen zu rufen, damit er die Gäste über den Anschlag in Oslo informieren könne. Weil sein Schwindel aufzufliegen droht, beginnt er aber schon am Hafen mit der Schießerei. Im Camp bricht Panik aus, die Menschen rennen los. Breivik zielt auf jede Person, die nah genug für sein Maschinengewehr ist. In einer Hütte verstecken sich Jugendliche. Er gibt sich auch bei ihnen erst als Polizist aus, geht dann hinein und ruft noch bevor man daraufhin seine Schüsse hört: 

Ihr werdet heute sterben. Marxisten, Liberale, Mitglieder der Elite.

Anders Breivik zu Jugendlichen, bevor er sie erschießt

Viljar, sein Bruder und andere Opfer bei der Flucht vor Breivik auf Utøya

Viljar, sein Bruder und andere Jugendliche fliehen durch den Wald Richtung Steilküste. Dort verstecken sie sich unter einem Felsvorsprung, doch Breivik entdeckt sie. Beim Versuch, sich zu retten, erschießt er einen Großteil von ihnen, auch Viljar wird fünf Mal getroffen. Bald darauf ist die Polizei angekommen, Breivik stellt sich.

Das Jahr danach

In den darauffolgenden zwei Stunden wendet sich Regisseur Paul Greengrass hauptsächlich dem Prozess und Viljar bzw. seiner Familie zu. Viljar überlebt nur knapp, einer der Schüsse traf ihn an seinem Kopf. Er wird mehrmals operiert, doch er ist auf einem Auge erblindet und Splitter der Kugel bleiben in seinem Gehirn zurück, die ihn jederzeit doch noch töten könnten. In diesem Zustand zwischen lebendig und tot wird er immer wieder von den Bildern und der Geräuschkulisse aus Schreien und Schüssen heimgesucht. Breivik ist buchstäblich für immer in seinem Kopf. Er muss das Laufen und Essen wieder erlernen. Verzweifelt und frustriert entläd er seinen Frust in einer waghalsigen Fahrt mit einem Schneemobil. Sein Bruder, der anders als Viljar ohne bleibende körperliche Schäden überlebte, zieht sich zurück, hat das Gefühl, die Aufmerksamkeit der Eltern scheint nur noch für den schwerer getroffenen Sohn zu reichen.

Mein Name ist Anders Behring Breivik. Dies ist eine militärische Operation [...] Meine Brüder warten jetzt auf mein Signal, um den dritten Anschlag zu starten. 

Breivik während des Polizeiverhörs

Bei seiner Vernehmung fordert Breivik unterdessen den sofortigen Einwanderungsstopp und das Ende des erzwungenen Multikulturalismus. Er sei nur ein Rädchen in dem Netzwerk "Tempelritter", das den Islam aus Europa verbannen wolle. Sollte der Premierminister den Forderungen nicht nachkommen, würden die Anschläge von den anderen Mitgliedern fortgeführt werden.  

Pflichtverteidiger Geir Lippestad mit Anders Breivik
 

Als Pflichtverteidiger verlangt er Geir Lippestad (Jon Øigarden), da der vor Jahren einen anderen Neonazifall übernahm. Doch dieser teilt seine Ideologie mitnichten. Er ist selbst aktives Mitglied der Arbeiterpartei, also des Ziels der Attentate Breiviks, weil die und deren Nachwuchs auf Utøya Verräter seien. Der Anwalt übernimmt das Mandat trotzdem, da er ihm dasselbe Recht wie allen zugesteht. Sein Gewissen und Privatleben stellt diese Entscheidung dennoch auf die Probe. Er erhält Drohanrufe, die Schule seiner Kinder rät auf Druck der Elternschaft zu einem Wechsel der Einrichtung.

Doch wir dürfen uns nicht verändern lassen. Stattdessen müssen wir unsere Werte stärken und diesen Terror mit Rechtsstaatlichkeit bekämpfen und nicht mit Gewehrläufen.

 Premierminister Jens Stoltenberg bei einer Pressekonferenz

Premierminister Jens Stoltenberg

Der Premierminister zeigt sich in der Öffentlichkeit gefasst und rational. Intern hinterfragt er aber die Funktionalität Norwegens bezüglich der Abwehr solcher Gefahren, will einen Untersuchungsausschuss einleiten und die nationale Sicherheit durch den Ausbau der Geheimdienste etc. verbessern. Stoltenberg zweifelt an sich selbst, doch seine Regierungsangehörigen versichern ihm, allein Breivik sei der Verantwortliche. Aber auch in den Medien kommt die Kritik auf, ob die Attentate nicht hätten verhindert oder schneller beendet werden können.

Überlebende Lara bei ihrer Aussage vor Gericht

Im Prozess werden auf Klägerseite die Zeugen Lara Rashid (Seda Witt) und Viljar gezeigt. Lara ist als Flüchtling nach Norwegen gekommen und fühlte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Gesellschaft vor dem 22. Juli sicher und frei. Sie könne nicht verstehen, warum jemand sie töten wollen würde. Viljar hat erst nach einigem Zögern die Einladung zur Aussage angenommen, dann aber härter auf seine Genesung hingearbeitet. Er wollte sich Breivik gegenüber eigentlich stark zeigen...

Die politische Dimension des Films wurde verkannt

"22. Juli" ist ein zweieinhalbstündiger Spielfilm, ein Drama, eine Buchadaption über ein reales Ereignis mit zu vielen fiktiven Elementen. Geschätzte 20 Millionen Dollar kostete dieses Projekt. 20 Millionen Dollar, die besser in Präventionsversuche solcher extremistischen Taten investiert gewesen wären. Ein Film sollte wünschenswerter Weise eine Aussage für das Publikum liefern oder beim sogenannten Beruhen auf wahren Hintergründen diese zumindest auch wahrheitsgetreu abbilden. Doch "22. Juli" verfehlt im Großen und Ganzen beide Ansätze. Der Mehrwert dieses Films hätte sein können, eine bei diesem Budget aufwendig produzierte dokumentarische Auseinandersetzung liefern zu können. Auf berechtigte und sogar angeschnittene Problematiken einzugehen. Wie zum Beispiel das Spannungsfeld zwischen Strafvereitelung durch mehr Überwachung und dem Wunsch nach gewährleisteter privater Kommunikation.

Insbesondere Extremismus und Islamophobie boten einen aktuellen Bezug, immerhin ziehen immer mehr RechtspopulistInnen in die Abgeordneten- und Regierungshäuser rund um den Globus ein. So ist aktuell auch in Norwegen die FrP als Partei des rechten Spektrums Teil der dortigen Minderheitenregierung. Interessanter als der schon bekannte Prozess, wäre daher ein Blick in die vermittelnden und konsensualen Ansätze des Regierungssystems in Norwegen gewesen. Auch ob oder gerade deswegen dennoch die Gefahr einer Radikalisierung gegeben ist, da es dort so auch schon vor den Anschlägen gelebt wurde. Es wäre deshalb mit diesem sich aufdrängenden Kontext erkenntnisreicher gewesen, stattdessen beim Verlauf Breiviks zerstörerischen Gedankenguts und der jahrelangen Vorbereitung anzusetzen, im Anschluss die Attentate zu rekonstruieren, um danach dies alles mit der Entwicklung der (norwegischen) politischen Ausrichtung in Bezug zu setzen. So wäre für ein breites Publikum ein bedeutender Blickwinkel auf die neuerlichen Bewegungen Richtung rechts und den Umgang mit ihnen vorhanden gewesen. Denn es entstehen an den äußeren Enden der politischen und religiösen Weltanschauungen noch immer nicht nur bedenkliche Persönlichkeiten, sondern auch Terrorzellen und andere ernst zu nehmende verfassungsfeindliche Organisationen. Die Demokratie steht deswegen global auf dem Prüfstand und könnte mit Hilfe sachlicher Auseinandersetzungen mit dieser Materie durchaus hilfreiche Erkenntnisse für einen stabilisierenderen Umgang hiermit finden.

Dramaturgie zugunsten der Massentauglichkeit angepasst

Es hätte also genau dort angesetzt und ein Werk geschaffen werden können, das Lücken schließt, zeitlich wie inhaltlich. Das vielleicht sogar zwischen den Zeilen Lösungsansätze anbietet. Stattdessen passt Greengrass die Wirklichkeit zugunsten einer massenwirksameren Dramaturgie an. Tatsachen werden zum Teil falsch dargestellt, Authentizität an bedenklichen Stellen gezeigt und an anderen unterdrückt. Bei Belanglosigkeiten wie der Anzahl der Kinder des Pflichtverteidigers ist das sicher noch von geringerer Bedeutung.

Aber die Vorgehensweise Breiviks auf der Insel hätte nicht abgemildert, sondern in einer dem Publikum zutraubaren Abscheulichkeit und Tragik abgebildet werden sollen. Gerade auch, weil Breivik bei Greengrass anders als in Poppes Film dabei schon porträtiert wird. Seine Freudenausbrüche bei Treffern beispielsweise. Seine Anrufe vom Handy eines von ihm getöteten Kindes aus, bei dem er erklärt, dass er aufgeben wollte. Dass am anderen Ende des Hörers der Ernst der Lage aber nicht erkannt wurde und es wegen der eingestellten Rufnummerunterdrückung keine Möglichkeit eines Rückrufs gab, woraufhin er noch weitere Menschen tötete. All dies wäre möglicherweise richtiger gewesen, als die Attentate in einer trocken-nüchternen Art kurz abzufertigen. Andererseits bot Greengrass den ZuschauerInnen doch auch mehrmals Rachegelüste auf Opferseite. So zum Beispiel durch einen der Kläger, der Breivik am liebsten hängen sehen wolle.

Die Faktenlage im Gericht wurde streckenweise wiederum verdreht, damit es offenbar besser ins Konzept passte. So waren eigentlich nicht nur ein Rechtsextremist, sondern mehrere im Zeugenstand für den Angeklagten. Doch nur so hat Breivik wohl ausdrucksstark einwenden können "Nur einer?!". Bei dem sogar angesprochenen Thema Hubschrauber auf Utøya hat Greengrass die Chance auf eine nicht unbedeutende Kontroverse verstreichen lassen. Genauer: zu erwähnen, dass sehr wohl Hubschrauber zugegen waren - jedoch von der Presse und dass keiner von der Polizei zum Tatzeitpunkt verfügbar gewesen ist. Was allerdings überdies keineswegs akzeptabel ist, ist die zum Ende hin verklärte Darstellung Breiviks. Im realen Prozess war der lediglich beim Vorführen seines eigenen Videos zu Tränen gerührt und zeigte ansonsten keinerlei Reue oder andere Gefühlsregungen als Häme durch süffisantes Grinsen. Im Film präsentiert Greengrass ihn dahingegen mit glasigen Augen auf seinem Bett in der Zelle sitzend, ins Leere starrend. Und wie um die Menschlichkeit des Terroristen oder gar eine Parallele mit dem Opfer zu zeigen, direkt im Anschluss Viljar in ähnlicher Pose. Kurz darauf wieder beide jeder für sich, nun vor dem Spiegel beim Vorbereiten auf den neuen Prozesstag.

Um das Ganze auch sicher für ein Millionenpublikum auf Netflix verkaufen zu können, durfte eine wenigstens angedeutete Liebesgeschichte zwischen zwei Opfern scheinbar nicht fehlen. Aus demselben Grund entschied Greengrass wohl auch, die überwiegend norwegischen SchauspielerInnen englisch reden zu lassen. Deren Akzent lässt den Film im Original unverständlicher und damit qualitativ noch minderwertiger wirken, als es inhaltlich ohnehin schon absehbar war. Selbst als glücklicherweise nicht betroffene Person, wirkt dieser Film durch all diese Fauxpas und trotz solider darstellerischer Leistungen wie ein Tritt in die Magengrube - kaum auszudenken, wie die Beteiligten sich fühlen mögen.

Fazit: Terrorismus passt nicht ins Unterhaltungsgenre

In unserem Interview mit der Hauptdarstellerin Andrea Berntzen aus "Utoya 22. Juli" fragten wir, ob sie befürchte, dass Greengrass' Film ihre Bemühungen wieder zurückwerfen könnte. Denn Erik Poppe arbeitete bewusst mit Überlebenden zusammen, um einen realitätsgetreuen aber empathischen Zugang zu dem Thema zu finden und dem Täter nicht wieder eine Bühne zu bieten. Sie sagte bescheiden, dass sie hoffe, die verschiedenen Perspektiven würden ein klares Bild des 22. Juli ergeben. Ausgenommen der oben beschriebenen Perspektiven gab es rückblickend spätestens dank Poppes Film ausreichend Material hierfür. Die vorhergehenden Medienberichte und Dokumentationen lieferten jedenfalls authentischere Aussagen als "22. Juli". Damit tat Greengrass leider weder sich, den ZuschauerInnen und am wenigsten noch den Opfern einen Gefallen. Immerhin hat man somit euphemistisch ausgedrückt für eine unnötige Komplettierung der möglichen Perspektiven nun auch einen unsensiblen und verschobenen Film über die Anschläge Breiviks. Greengrass sollte sich dann aber vielleicht doch lieber wieder dem Unterhaltungsgenre der fiktiven Hollywood-Blockbuster wie seiner Bourne-Trilogie zuwenden. 

Diese Option ist nur für Bilder möglich.
 

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Offizieller Start: 10. Oktober 2018

 

Regie: Paul Greengrass

Drehbuch: Paul Greengrass, Åsne Seierstad (basiert auf dem Buch "One of Us")

Produktion: Scott Rudin Productions

Vertrieb über: Netflix