Filmkritik: "In den Gängen"

Nachts im Großmarkt

Wer nicht glaubt, dass man mit Hilfe eines Gabelstaplers das Meer rauschen hören kann, der sollte schleunigst ins Kino. Und zwar in den neuen Film von Thomas Stuber.
Romantik im Großmarkt

Thomas Stuber, der schon vor drei Jahren mit dem in Leipzig spielenden Boxerdrama Herbert auf sich aufmerksam gemacht hat, hat jetzt mit "In den Gängen" den nächsten Film nachgelegt. Und wieder spielt der Film in und um Leipzig, genauer in einem Leipziger Großmarkt.  Die Handlung von "In den Gängen" basiert auf einer Kurzgeschichte des Leipziger Autoren Clemens Meyer. Der Film feierte bereits im Februar auf der Berlinale Premiere und galt als Publikums- und Kritikerliebling.

Des Nachts, in den Gängen...

Wenn die Gabelstapler im Halbdunkel der Nachtbeleuchtung durch den Großmarkt rollen, untermalt von Beethoven, findet man das vielleicht erst etwas skurril. „In den Gängen“ schafft es, einem Ort Ästhetik zu verleihen, an dem man sie normalerweise zu Letzt vermutet: Schauplatz ist ein Großhandel im Leipziger Umland. Der stille Christian, gespielt von Franz Rogowski ist neuer Warenverräumer im Großhandel. Sandra Hüller spielt die "Süßwaren-Marion", eine Kollegin von Christian, die in der benachbarten Süßwaren Abteilung arbeitet. Beim regelmäßigen Kaffeetrinken im Pausenraum lernen sich die beiden kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebe, geschützt von dem geschlossenen Mikrokosmos des Großmarkts und der schützenden Hand der Kollegen. Doch außerhalb des Mikrokosmos des Großmarkts ist das Leben für die beiden nicht so leicht.

„In den Gängen“ hat seine ganz eigene Ästhetik, die nicht mit großen Bildern daherkommt, sondern mit kleinen Gesten und auch dem Nicht-Sprechen wirkt. Und vor allem schafft der Film es einen Ort, der für die meisten weder familiär noch schön ist, zu einem behaglichen Zuhause zu machen. Es ist ein ruhiger, melancholischer Film, der trotzdem immer lebensbejahend bleibt. Die Glaubwürdigkeit verdankt der Film nicht zu Letzt einem grandiosen Regisseur, intensiver Vorbereitung und tollen Schauspielern. Es ist ein Film geworden, der viel offenlässt, viel nicht ausspricht und den Zuschauer nicht ohne Nachdenken aus dem Kino entlässt. 

Eine ausführliche Rezension und was Sandra Hüller über Kino im Osten sagt, finden Sie hier zum nachhören:

Chiara Kempers über den Film "In den Gängen"
In den Gängen

 

 

Kommentieren

In den Gängen

Laufzeit: 125 Minuten

Kinostart: 24.05.2018

Cast: Sandra Hüller, Franz Rogowski, Peter Kurth, Sascha Nathan, Andreas Leupold, Michael Specht u.a.

Regie: Thomas Stuber