Gefängnis

Nachfrage ist groß, Kapazitäten fehlen

Seit 2013 dürfen Inhaftierte selber die Entscheidung darüber treffen, ob sie arbeiten möchten oder nicht. Es herrscht ein großes Interesse Seitens der Gefangenen. Jedoch fehlen die Arbeitsplätze in den sächsischen Gefängnissen.
In der Justizvollzugsanstalt in Leipzig haben momentan bloß 38 Prozent der Insassen einen Arbeitsplatz.

Insgesamt gibt es in sächsischen Gefängnissen rund 3600 Insassen. 55 Prozent von ihnen haben einen Arbeitsplatz. Zu den Sommerferien sinkt diese Zahl. Sebastian Hecht, Stellvertreter der Pressestelle des Justizministeriums, begründet:

Es ist so, dass die Gefangenen teilweise in Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, also schulischer oder auch beruflicher Art, sind. Diese Zeiten oder Ausbildungsjahre orientieren sich ganz normal an den Schuljahren. Das heißt, zum Ende des letzten Ausbildungsjahres sind einige Gefangene fertig geworden mit ihren Weiterbildungen oder Ausbildungsmaßnahmen. Haben also sozusagen Pause. Und zu Beginn des Schuljahres nehmen die Neuen, die in diese Maßnahmen hineinkommen die Ausbildung auf. Sodass sich der Anteil wieder erhöht.

Sebastian Hecht, Stellvertreter der Pressestelle des Justizministeriums

Die Gefangenen sind in Eigen- und Wirtschaftsbetrieben, beispielsweise in der Küche oder in der Wäscherei, beschäftigt. Zusätzlich gibt es Unternehmen, die nicht zum Gefängnis gehören aber trotzdem Inhaftierte beschäftigen. Diese Firmen haben dann eigene Räume in der Justizvollzugsanstalt. Diese werden extra für die Arbeit ausgestattet. Einige Unternehmen lassen die Häftlinge auch außerhalb der Gefängnismauern arbeiten. Die Insassen werden dann die ganze Zeit von Justizbeamten begleitet.

Raum und Personen

Insgesamt fehlen in sächsischen Gefängnissen 800 Stellen, um allen Gefangenen einen Arbeitsplatz bieten zu können. Da müssen Entscheidungen getroffen werden, wer welche Stelle übernehmen kann. Sebastian Hecht vom Justizministerium meint, es hänge von der Ausbildung und von der Eignung des Inhaftierten ab. Ebenfalls werde der Zeitpunkt des Antrages, den die Gefangenen stellen müssen, beachtet.
Man brauche auch genügend Personal, welches die Gefangenen anleiten kann. Dieses fehle jedoch teilweise. Sebastian Hecht sagt, das Ministerium sei bemüht, den Anteil der Beschäftigten zu erhöhen. Die Arbeit sei besonders wichtig für die Insassen, da sie dadurch einen geregelten Tagesablauf bekommen. Das sei ein wichtiger Schritt für die Resozialisierung. Neben dem Personalmangel existiere auch ein Mangel an Räumlichkeiten:

Gefangene sind ja nicht umsonst in Gefängnissen untergebracht und wir müssen schauen, wie viele Eigen- oder Unternehmerbetriebe man in unseren Anstalten errichten kann. Man braucht dazu eben auch räumliche Kapazitäten, die sind nun mal beschränkt in der Justizvollzugsanstalt.

Sebastian Hecht, Stellvertreter der Pressestelle des Justizministeriums

Die Einnahmen deckt die Kosten nicht

Die Bezahlung der Gefangenen liegt weit unter dem Mindestlohn eines straffreien Bürgers. Pro Stunde verdient ein Gefangener zwischen 96 Cent und 2,20 Euro. Trotz der geringen Löhne würde die Arbeit die Investitionen der Unternehmen und der Gefängnisse nicht decken. Sebastian Hecht betonte, dass es nicht um den wirtschaftlichen Profit, sondern um die erfolgreiche Resozialisierung gehe.

Eines der Unternehmen, bei denen die Insassen arbeiten können, ist V. D. Ledermann. Die Gefangenen stellen dort Stifte her und verpacken sie. Der Geschäftsführer Detlev Wloka meint ebenfalls, dass er die Arbeit mit den Insassen sehr wichtig findet, da sie dadurch resozialisiert werden können. 

Weitere Informationen zu dem Thema können Sie im Beitrag von mephisto 97.6 Redakteur Linus-Benedikt Zosel nachhören: 

Ein Beitrag von Linus-Benedikt Zosel
 
 

Kommentieren