Dokumentarfilm

"My Memory is my Power"

In Nepal gibt es noch immer Mädchen die als Haushaltssklavinnen arbeiten müssen. Sie werden Kamalari genannt. Urmila Chaudhary ist eine ehemalige Kamalari. Sie kämpft gegen das Kamalari-System in ihrer Heimat.
Urmila Chaudhary beim Oslo Freedom Forum
Urmila Chaudhary beim Oslo Freedom Forum

Kamalari – „Hart arbeitende Frau“

Eigentlich ist Leibeigenschaft in Nepal seit dem Jahr 2000 verboten. Kamalari gibt es dort trotzdem noch: Arme Familien verkaufen ihre Töchter als Haussklaven. Die Familien erhalten um die 50 Dollar pro Jahr für ihre Töchter. Sie sind auf das Geld angewiesen. Oft wird den Eltern auch versprochen, dass ihre Töchter als Kamalari ein besseres Leben erwartet. Doch die wohlhabenden Familien, für die die Kamalari arbeiten, behandeln sie normalerweise schlecht: Oft müssen die Mädchen über 15 Stunden am Tag körperlich arbeiten und dürfen nicht in die Schule. Viele Kamalari werden geschlagen oder sexuell missbraucht. Dennoch sind sie auf das Geld angewiesen, dass sie so verdienen.

Urmila Chaudhary ist eine ehemalige Kamalari. Mit fünf Jahren wurde sie von ihrer Familie verkauft und arbeitete 11 Jahre lang als Kamalari ihre letzte Herrin war eine einflussreichen Politikerin Nepals, deren Namen Urmila immer noch nicht nennen möchte. Mit 17 Jahren wurde Urmila von ihrem Bruder befreit.

„Urmila – my memory is my power“

Die Regisseurin Susan Gluth war fünf Jahre lang regelmäßig in Nepal. Ihr Film erzählt von Urmilas Leben nach ihrer Zeit als Kamalari.

Urmila holt die Schule nach und hat gerade ihre Abschlussprüfungen geschrieben. Ihr Traum ist es, Anwältin zu werden. Allerdings tut sie sich mit der Schule schwer, weil sie wenig Zeit zum Lernen hat: Neben der Schule setzt sie sich für die Rechte von Mädchen und Frauen ein. Sie engagiert sich in der Organisation FKDF (Freed Kamlari Development Forum). Im FKDF organisieren sich ehemalige Kamalari und setzten sich dafür ein, die inoffizielle Sklaverei in Nepal zu beenden. Sie organisiert Demonstrationen und Streiks, leisten Aufklärungsarbeit in den Dörfern Nepals und sprechen mit Politikern. Außerdem befreien sie Kamalari, die noch immer in Gefangenschaft sind, indem sie nach verschwundenen Mädchen suchen oder in Busbahnhöfen nach verloren wirkenden Mädchen Ausschau halten. Die Mädchen des FKDF sind sehr erfolgreich: Bis 2015 haben sie über 13 000 Mädchen befreit.

Fünftausend Mädchen sind im FKDF organisiert und wenn die auf die Straße gehen, dann macht das richtig Wumms. Und deswegen schaffen sie es auch bis zum Premierminister, darum sind sie auch immer wieder in Kathmandu. Weil sie mittlerweile wirklich eine Kraft geworden sind und zwar eine physische, die man nicht mehr ignorieren kann.

Regisseurin Susan Gluth

"Urmila - für die Freiheit" ist zum Glück kein Mitleidsfilm. Es gibt keine nachgestellten Szenen aus Urmilas Zeit als Kamalari oder andere gestellte Momente, die auf die Tränendrüse drücken. Der Film ist das Porträt einer jungen Frau, die Schlimmes erlebt hat und trotzdem stark und positiv geblieben ist.

Urmila und die Mädchen des FKDF kämpfen gegen die Tradition der Kamalari, die tief in der Gesellschaft verwurzelt ist – und haben dabei Erfolg. Der Film erinnert daran, dass es tatsächlich möglich ist, gemeinsam etwas zu verändern und hat damit eine ziemlich hoffnungsvolle Botschaft.

„Manchmal sind wir müde, aber wenn wir Erfolg haben, sind wir so stolz – eines Tages werden alle Mädchen zur Schule gehen, alle Mädchen werden empowert sein.“

Urmila Chaudhary

 

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Lara Lorenz
02.06.2016 - 18:41
  Kultur