Das lange Interview mit "Flake" Lorenz

"Musikerrente gibt's nicht"

Keyboarder klingt nach einem entspannten Job. Hinten auf der Bühne seine Melodien spielen und die anderen vorne die Show machen lassen. Nicht so bei Flake von Rammstein. Sein Arbeitsalltag ist geprägt von Feuer und waghalsigen Bühnenshows.
Flake in Sao Paulo
Flake hat mit Rammstein schon auf allen Erdteilen gespielt

Alle Welt nennt den Musiker heute nur noch Flake. Der Spitzname begleitet ihn bereits seit seiner frühesten Jugend und steht mittlerweile sogar in seinem Pass. Dass er sich selbst diesen Namen gegeben hat, ist dabei keiner Abneigung gegen seinen bürgerlichen Namen Christian geschuldet, sondern hat pragmatische Gründe. In seiner Kindheit hat Flake stark gestottert. Dem versuchte er dadurch zu entgehen, dass er alle sprachlichen Klippen weiträumig umschiffte. Nach und nach stellte er etwa seinen ganzen Speiseplan danach zusammen, welche Dinge er im Laden ohne Stottern bestellen konnte.

Nur meinen Namen, den konnte ich nicht vermeiden. Wenn man mich gefragt hat 'wie heißt du?' konnte ich nicht sagen Christian 'wie der, der die Blumen füttert' oder 'der Gesalbte'. Da musste ich mir einen Namen ausdenken, den ich auch aussprechen konnte. Und dieser Name ist Flake.

Christian "Flake" Lorenz

Verbrannte Fingerkuppen und versengte Haare

Bei Rammstein ist Flake nicht nur für die Keyboardparts verantwortlich, sondern auch für zahlreiche Showelemente. Wann immer es heiß und gefährlich wird, steht Flake im Mittelpunkt. So lässt er sich regelmäßig in Kesseln grillen und mit Flammenwerfern beschießen. Verbrannte Fingerkuppen und angesengte Haare zählen für den Musiker zum Berufsrisiko.

Die Bühnenshows sind das Markenzeichen der Band geworden. Mittlerweile spielt die Band in riesigen Stadien auf der ganzen Welt. Die ersten Gehversuche vor Publikum machte Rammstein jedoch in Leipzig. Im Jahr 1994 spielte Flake mit seinen Bandkollegen in der naTo. Ein denkwürdiger Auftritt, der dem Musiker bis heute detailliert im Gedächtnis geblieben ist und über den er auch in seinem zweiten Buch geschrieben hat:

Es muss richtig bedrohlich gewesen sein, da wir keinerlei Show machten, sondern einfach ganz ruhig unsere Titel spielten, ohne die geringste Notiz vom Publikum zu nehmen. Nach den einzelnen Liedern klatschte niemand, denn das wäre irgendwie unpassend gewesen. Die Leute standen einfach da und starrten uns an. Wahrscheinlich fragten sie sich, was unser Problem war.

"Heute hat die Welt Geburtstag" S. 33

Gesprochen haben wir zudem über seine Jugend im Prenzlauer Berg und darüber, wie es ist mit panischer Flugangst ein Rockstarleben zu führen.

 

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Moritz Fehrle
09.01.2019 - 16:35
  Kultur