Meinung

Musik ist keine Lösung

Ganz Deutschland schaut derzeit auf Chemnitz. Um ein Zeichen gegen Fremdenhass zusetzen, finden dazu verschiedene Aktionen statt z.B. das Benefizkonzert #wirsindmehr. Allerdings gibt es dazu auch kritische Stimmen. Ein Kommentar von Sophie Rauch.
 Karl Marx Denkmal in Chemnitz
Mehrere bekannte deutsche Musiker setzten am Montag den 03.09.2018 in der ehemaligen Karl-Marx-Stadt ein Zeichen gegen rechts.

Den Kommentar finden Sie hier zum Nachhören und unten zum Nachlesen:

Ein Kommentar von Sophie Rauch
EIn Kommentar zum Benefizkonzert in Chemnitz

 

Wir müssen was dagegen machen. Nur was? Also demonstriert haben wir die letzten Tage schon reichlich. Vielleicht dem Rechtsruck entgegenwirken? Nur wie? Na ja, der Seehofer setzt auf Zurückhaltung. Dann lassen wir die Rechtsextremen erstmal machen. Also so schlimm wie 33 ist es ja noch nicht. Mhhmm… was bleibt da noch groß übrig? Vielleicht was mit Musik?
Oh ja hat bisher ja immer gut funktioniert. Protestsänger und -sängerinnen haben so schon den Irakkrieg und den Hunger in Afrika beendet. Okay gut . . . vielleicht nicht komplett – aber hey wir haben was für die gute Sache gemacht.

Benefizkonzert gegen Fremdenhass oder für die eigne Promo?

Apropos gute Sache: Um die geht es in Chemnitz auch. Denn das Who is Who der linken Musikszene vereint sich in Harmonien gegen Fremdenhass: Kraftklub, K.I.Z., Feine Sahne und die Toten Hosen reichen sich das Mikro wie ein Staffelstab weiter. Natürlich alles für die gute Sache! Total selbstlos wird das Konzert kostenlos gegen Fremdenhass veranstaltet. Neben moralischen Pluspunkten gibt es vor allem eins: Promo, Promo, Promo.

Verstehen Sie mich jetzt nicht falsch – ich bin Fan von Feine Sahne, K.I.Z. und so. Ich bin zu allen schon auf einem Festival abgegangen – aber vor allem dieses Jahr gab‘s auf Festivals häufig die Message: „Piep piep piep wir haben uns alle lieb. Aber: Fuck Nazis!“ Ich will hier niemanden irgendwas unterstellen – aber ist das wirklich der richtige Weg? Gut ihr setzt ein Zeichen und dann? Wie geht’s weiter? Ihr setzt euch in euren Tourbus, fahrt zum nächsten Gig und verbreitet dort eure Message. Dumm, nur dass dort Menschen sind, die genauso denken wie ihr. Klar, feiern die so revolutionären Gedanken – ein großes rebellisches Gruppenwichsen. Wäre es nicht sinnvoller sich mit Menschen zu beschäftigen, die die Message noch nicht verstanden haben?

Musik als Protestform?

Viel schlimmer finde ich diese pseudo politisch Aktiven. Deren einzige politische Agenda das Sparen von Geld ist. Fight Kapitalism! Neben denen, die nur hin fahren um die Musik zuhören for free und Spaß zu haben. Und dann gibt es noch die, die „sonst ja auch hingefahren wären“. Natürlich hinter her sagen sie dann alle ganz tollkühn: „Ja, ich war auch bei den Demos dabei. Echt schlimm das mit dem Hass!“ Die setzen auch ein Zeichen – nur was für eins? Reicht es wirklich die Faust in die Luft zu strecken und zu brüllen: „Alerte, Alerta, Antifascista!“

Es gibt einige Menschen da draußen, die gründen Organisationen und Vereine, um mit Aufklärung dem Fremdenhass entgegen zu wirken. Die für Toleranz, Akzeptanz und gleiche Rechte auf die Straße gehen. Und wenn es drauf ankommt, dem Wutbürger oder der Wutbürgerin von nebenan, ihre Wut zu nehmen. Solche Leute braucht es die Tage. Denn Musik ist keine Lösung!

 

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