Konzertbericht: Parkway Drive

Molotov - Die Bude brennt!

Australien wird gerade von einer Hitzewelle überrollt. Ein paar Männer von Down Under lassen auch uns Europäer daran teilhaben. Doch nicht nur wegen der Feuershow ist die Band Parkway Drive aus Byron Bay gerade Headliner auf allen Metalfestivals.
Das Bühnenbild steht wenige Minuten später komplett in Flammen
Das Bühnenbild steht wenige Minuten später komplett in Flammen

Parkway Drive begleitet mich seit Jahren. Das liegt vielleicht daran, dass die Australier ziemlich oft in Leipzig spielen. Und egal ob die Bühne groß oder klein ist, Parkway Drive reißt die Location immer ab. Erstmals steht die Band in der Arena Leipzig auf der Bühne. Wird die Allzweckhalle Parkway Drive standhalten?

Das in der Arena andere Regeln gelten, merke ich bereits beim Blick auf den Timetable. Einlass ist schon 17:30 Uhr und die erste Band soll 19:00 Uhr spielen. Am Samstag ist das für mich quasi kurz nach dem Frühstück.

Zu wenig Satan

CJ McMahon ist dezeit einer der besten Metal - Vocalists
CJ McMahon ist dezeit einer der besten Metal - Vocalists

Als erster Act steht Thy Art is Murder auf der Bühne. Die Speerspitze der Formation ist Sänger C.J. McMahon, der oft als Gesicht des Genres “Deathcore“ gesehen wird. Zu Recht, denn McMahon ist aktuell einer der besten Metal-Vocalists der Welt. Seine Stimme klingt live sogar noch beeindruckender als auf Platte.

Dementsprechend tobt die Masse schon beim Eröffnungs-Act. Die Mosh-Pit pulsiert ohne Pause. C.J. nimmt ein Bad in der Menge. Die Menschen springen einander an, als gehe es um Leben und Tod. Die Arena ist der Rand der Hölle, denn wie im Limbus wirbeln Körper unkontrolliert durch den Raum.

Dass Parkway Drive sich Thy Art is Murder als Opener vorbehalten können zeigt, welches Standing die Band in Europa hat. Thy Art is Murder hätte genauso gut der Hauptakt sein können. Leider ist das Set mit einer halben Stunde viel zu kurz.

Lächeln bitte

Nach kurzer Umbaupause geht es mit Killswitch Engage weiter. Die Band feiert 2019 ihr 20. Jubiläum. Die Metalcore-Urgesteine gehen gewaltig nach vorn.

Vor allem Gitarrist Joel Stroetzel gibt alles, macht Mätzchen mit dem Publikum und zeigt durch außergewöhnliche Griffkombinationen, wer der beste Musiker im Raum ist. Jede Pause wird für Improvisation genutzt. Beide Killswitch-Gitarristen testen, wer mehr Quietschtöne aus den Saiten saugen kann. Das zaubert selbst dem härtesten Metal-Head ein Lächeln auf die Lippen.

Killswitch Engage dürfen nur eine Dreiviertelstunde spielen. Dann werden sie pünktlich von der Bühne gejagt. Ein Lob an alle Roadies und das Orga-Team der Arena: Die Wartezeiten sind immer überraschend kurz - hier funktioniert alles. Nach kurzer Umbaupause beginnt schließlich der Hauptakt.

Ehrfurcht

Ein Streichquartett untermalt die rauen Gitarren
Ein Streichquartett untermalt die rauen Gitarren

Viel früher als erwartet wird die Bühne dunkel. Lichtkegel huschen über die Bühne, schwermütige Worte säuseln aus den Boxen. Von der Band keine Spur. Die Band schleicht sich aus dem Hinterhalt an. Parkway Drive zieht durchs Publikum ein – jeder hat eine Fackel in der Hand. Jetzt beginnt die "Reverence" –Tour.

Der Boden auf der Bühne ist beweglich, einzelne Elemente fahren hoch und runter und die Bühne ist gespickt mit Flammenwerfern. Eine ideale Szene für den dunklen Sound des Albums „Reverence“. Zunächst werden die Top-Tracks vom Album gespielt. Hier hält sich die Bühnentechnik noch dezent zurück. Erst bei den älteren Songs merkt man, die Band hat die Zeit genutzt, um sich neuen Schnickschnack für ihre Hits auszudenken.

Unglaublich laute Explosionen und Flammen aus allen Richtungen untermalen jeden Song auf andere Art und Weise. Die Show ist wirklich durchdacht, langweilig wird es nie. Plötzlich taucht Sänger Winston McCall auf der Mittelbühne auf, die mir bis dahin gar nicht aufgefallen war. Später wirft er einen Molotov-Cocktail übers Schlagzeug hinweg in ein großes Parkway Drive Logo. Kurze Zeit später steht die ganze Bühne in Flammen. Zu einem anderen Zeitpunkt stehen Streicher auf den Hebebühnen. Sie wabern zum eigenen Spiel langsam durch den Nebel, als wären sie weinende Geister.

Fast familientauglich

Lead-Gitarrist Jeff Ling sorgt bei Parkway Drive für Singalongs
Lead-Gitarrist Jeff Ling sorgt bei Parkway Drive für Singalongs

Das Publikum belohnt die Band mit Ekstase. Jeder Song wird mehr abgefeiert, als der zuvor. Gitarrist Jeff Ling lädt die Crowd zu einem Singalong nach dem Anderen ein. Niemand hält die Stimmbänder still, alle müssen schreien.

Selbst auf der Tribüne hält es niemanden auf den Sitzen, während in der Mosh-Pit gerudert wird. Sänger McCall bringt sogar einen Circle-Pit dazu um die rudernden Massen umherzurennen. Die ganze Arena wird vom ihm scharf gestellt. Dennoch gehen alle stehts respektvoll miteinander um. Niemand fällt durch „crowdkilling“ und übermäßiger Härte auf. Wenn ich das Konzert anhand der Gäste bewerten müsste, hätte ich nichts zu meckern.

Fazit

Die "Reverence-Tour" leiht sich das Titelbild vom Künstler Peter Paul Rubens
Die "Reverence-Tour" leiht sich das Titelbild vom Künstler Peter Paul Rubens

Parkway Drive liefern ab, egal wo sie sind. Durch ihr neues Album "Reverence" bringen sie einige frische Showelemente auf ihre Bühne. Besonders hervorzuheben ist die Mischung aus klassischen Streichern und harten Metal-Riffs. Mit der "Reverence"-Tour setzen sich Parkway Drive weiter im Metal-Olymp fest.

Das Einzige, was mich am Ende des Parkway Drive Konzerts freut ist, dass sie schon im Juni wieder in der Nähe von Leipzig spielen werden. Dann auf dem With Full Force-Festival in Ferropolis.


 

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Parkway Drive: Reverence-Tour

Tracklist:

1. Wishing Wells

2. Prey

3. Carrion

4. Vice Grip

5. Karma

6. Cementery Bloom

7. The Void

8. Idols and Anchors

9. Absolute Power

10. Dedicated

11. Writings on the Wall

12. Shadow Boxing

13. Wild Eyes

14. Chronos

15. The Colour of Leaving

16. Crushed

17. Bottom Feeder