Konzertbericht: Mogwai

Mogwai in Leipzig

1995 in Glasgow gegründet, zählen Mogwai heute zu den wichtigsten Vertretern des Postrocks. Nach Veröffentlichung ihres neunten Studioalbums sind sie sich derzeit wieder auf Welttournee. Am 2. November waren sie im Täubchenthal zu sehen.
Mogwai
Die schottische Postrock-Band Mogwai gab sich im Leipziger Täubchenthal die Ehre.

Mogwai live: „Geht das überhaupt?“

Diese Frage war das Erste, was mir durch den Kopf schoss, als ich vor einiger Zeit beim Überfliegen der in Leipzig anstehenden Konzerte bei Mogwais Namen hängen blieb. Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde: Ich finde Mogwai klasse. Doch auch mir ist klar, dass ihre Musik nicht gerade das ist, was man massentauglich nennt. Nur schwer konnte ich mir vorstellen, wie man damit eine ganze Konzerthalle füllen wolle. Diese Bedenken hielten mich jedoch nicht davon ab, mich am 2. November ins Täubchenthal zu begeben, wo ich schließlich eines Besseren belehrt wurde.

Der Ballsaal des Täubchenthals war voller Menschen. Ein recht breites Publikum; von jung bis alt, Punk bis Polohemdenträger war alles vertreten. Ich war irgendwie überrascht, aber nicht gerade erfreut. Wer Mogwai kennt, wird das verstehen. Es ist Musik, die man sich gut im Freien vorstellen könnte, auf einem Festival etwa, wo man etwas abseits der Bühne gemütlich im Gras sitzt, der Musik lauscht und währenddessen den Sonnenuntergang bestaunt. Dagegen scheint ein stickiger Konzertsaal, vollgepackt mit Hunderten von Menschen, Mogwais Musik nicht wirklich mit der angemessenen Atmosphäre unterstreichen zu können.

„Hello. How is it going? We’re Mogwai.”

Als Mogwai endlich die Bühne betreten, fällt die Begrüßung von Sänger und Gitarrist Stuart Braithwaite knapp aus, dafür aber mit einem freundlichen Lächeln und in sympathischem schottischem Akzent. Die ersten Töne werden angespielt und lassen sofort alle meine Zweifel verschwinden. Ich denke: ‚Ja, das sind Mogwai. Und das wird ein gutes Konzert.‘ Am Anfang betrachte ich noch ein wenig die beeindruckende Lichtshow, dann schließe ich die Augen. Vergessen sind all die Menschen um mich herum. Da sind nur ich und Mogwais einzigartige Musik.

Song – Applaus – „Thank you“ – Nächster Song

Mogwai reden nicht viel während des Konzerts. Sie sind nicht der Typ Band, der das Publikum durch eine großartig inszenierte Bühnenshow besticht. Wären da nicht ihre Silhouetten, welche mal mehr, mal weniger deutlich durch Licht und Nebel scheinen, könnte man beinahe vergessen, dass man sich auf einem live-Konzert befindet. Und gäbe es nicht die kurzen Pausen zwischen den Liedern, in denen dem Publikum kurz Zeit gegeben wird, zu applaudieren, wüsste man auch nicht so recht, wann der eine Song aufhört und der nächste beginnt. Aber genau das ist ja das Besondere an Mogwai. Denn langweilig wird es trotzdem nicht. Das komplette Konzert scheint diesem einen charakteristischen Klang zu folgen, der ständig variiert, aber trotzdem irgendwie immer gleich bleibt und einen innerlich mitreißt. Während des Konzerts bin ich gedanklich die ganze Zeit woanders, und höre doch vollkommen bewusst zu.

 

„Take Me Somewhere Nice“, das ist Mogwais wohl berühmtester Song. Ausgerechnet den spielen sie nicht. Vielleicht aber besser so. Schließlich kann zu viel Bekanntes das Ohr fürs Wesentliche verschließen. Und das wäre bei Mogwai fatal. Als das Konzert vorbei ist, drehe ich mich um und gehe hinaus. Ich bin irgendwie verwirrt darüber, dass draußen alles so ist wie immer.

 

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Jakob Vogel
10.11.2017 - 12:49
  Kultur

Kurzinfo Mogwai:

Mogwais Stil ist geprägt von großen Kontrasten, ihre Tracks sind meist überdurchschnittlich lang. Neben geläufigen Rockinstrumenten (Gitarre, Bass, Schlagzeug) kommen zahlreiche elektronische Elemente zum Einsatz. Vocals spielen bei Mogwai eine untergeordnete Rolle.