Im Gespräch: Stefan Lehnberg

Mit Lupe und Schreibfeder

Goethe und Schiller hatten, um es salopp zu sagen, einiges auf dem Kasten. Warum also hätten sie nicht auch Detektive sein können? Stefan Lehnberg lässt die Weimarer Klassiker in seinem neuen Kriminalroman einen Fall lösen, der es in sich hat.
Buchmesse, Stefan Lehnberg
Autor Stefan Lehnberg zu Gast bei uns auf dem Roten Sofa

Durch Nacht und Wind – Die criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe. Aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich Schiller. – Schon im Titel wird deutlich, welches Detektivpaar der Weltliteratur Stefan Lehnberg Modell gestanden hat: niemand Geringeres als Sherlock Holmes und Dr. Watson. Und gewisse Parallelen kann man den beiden Paaren wohl auch nicht absprechen.

Zwischen London und Weimar

Sherlock Holmes ist ein exzentrisches Genie, das allein durch Beobachtung und logische Analyse mysteriöse Fälle löst. Ohne die Unterstützung seines Freundes Dr. Watson, einem bodenständigen Arzt, würde ihm das aber oft gar nicht gelingen. Holmes und Watson werden manchmal für historische Personen gehalten. Tatsächlich entspringen sie aber der Feder des Arztes Arthur Conan Doyle (1859-1930).

Dass Goethe und Schiller wahrhaftig existiert haben, wird dagegen kaum jemand bezweifeln. Die beiden berühmten Schriftsteller lebten nun aber gute 100 Jahre vor Doyle. Goethes Werk wird noch heute als Weltliteratur gefeiert. Schillers Werk irgendwie auch, aber von ihm sprechen die meisten nicht ganz so selbstbewusst und euphorisch. Standen sowohl Dr. Watson als auch Schiller (der übrigens ebenfalls Arzt war) immer ein wenig im Schatten ihrer prominenten Freunde? Womöglich in beiden Fällen zu Unrecht? Sei es, wie es sei.

Ein tödliches Schmuckstück

In Stefan Lehnbergs Buch werden Goethe und Schiller 1797 von der Herzoginmutter Weimars zu Hilfe gerufen. Im Schloss Belvedere residiert derzeit der Großherzog von N. mit seiner Familie – und er hat ein mysteriöses Problem. Er erhielt den Brief eines Professors, welcher ihn ausdrücklich vor einem kostbaren Smaragdring warnt, der sich im Besitz des Großherzogs befindet. Der Professor bezeichnet den Ring als verflucht und berichtet, dass sämtliche Besitzer des Ringes einen grausamen Tod starben. Goethe und Schiller sollen den Großherzog beruhigen. Schließlich sind derlei Flüche bloßer Aberglaube. Doch schon kurze Zeit später kommt der Großherzog auf unerklärliche Weise ums Leben, die Ereignisse häufen sich und Goethe und Schiller stehen einer Aufgabe gegenüber, die sie am Ende Kopf und Kragen kosten könnte.

Verbrecherjagd im 18. Jahrhundert

Dass Stefan Lehnberg Comedian ist, merkt man diesem Roman durchaus an, aber auf eine angenehme Weise. Wie angedeutet, erinnern die Dialoge zwischen Goethe und Schiller des Öfteren an ein gewisses anderes Ermittlerpaar. Das entpuppt sich allerdings als stimmige, amüsante Mischung. Der Leser wünscht sich unwillkürlich, dass die vier Männer tatsächlich mal aufeinandergetroffen wären. Schiller ist als treuer Gehilfe auch das erzählerische Ich und berichtet über sämtliche Ereignisse. Er rückt Goethes exzentrische Launen immer wieder ins Licht und zögert auch nicht, seine Meinung darüber kundzutun.

Wenn Goethe schon im ersten Kapitel mit seinem neuesten Elefantenschädel angibt, sich manchmal einfach aus Gesprächen ausklinkt oder den armen Schiller immer wieder polternd aus dem Schlaf reißt, ist der eine oder andere Schmunzler beim Lesen sicher. Davon abgesehen ist die Geschichte spannend erzählt und bleibt lange genug undurchdringlich, um den Leser bei der Stange zu halten.

Stefan Lehnberg ist eine amüsante literarische Synthese gelungen, die ihre Fühler in viele Richtungen ausstreckt. Der Roman macht Lust auf mehr Goethe und Schiller, mehr Holmes und Watson – und ein Stück Literatur, das den Leser immer tiefer in die Lektüre lockt, kann ja im Grunde gar nicht schlecht sein.

Redakteurin Alexandra Huth im Gespräch mit Autor, Comedian und Regisseur Stefan Lehnberg über das Ermittlerduo Goethe und Schiller:

mephisto 97.6 Redakteurin Alexandra Huth im Gespräch mit Autor Stefan Lehnberg
2403 AG Stefan Lehnberg
 

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Stefan Lehnberg wurde 1964 geboren. Er ist Autor, Regisseur, Comedian, Schauspieler, Zauberkünstler und vieles mehr. Seine Radiocomedy Küss mich, Kanzler ist schon seit Jahren täglich deutschlandweit zu hören. Mit Durch Nacht und Wind – Die criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe. Aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich Schiller präsentiert Lehnberg seinen zweiten Roman.