Kohleproduktion in West Virginia

Mit einem Knall ist alles weg

Täglich lassen Explosionen eine Bergkette in West Virginia erzittern. Der moderne Kohleabbau sprengt die Hügelkuppen einfach weg, anstatt sie zu durchminen - mit verheerenden Folgen für die Umwelt.
Nach dem Sprengen der Hügelkuppe bleibt eine flache Ebene zurück.
Das Mountaintop Removal Mining hinterlässt flaches Land wo einst Berge standen.

Ein lauter Knall, der Boden zittert und schon ist die nächste Schicht der Bergkuppe weggesprengt. Im US-amerikanischen Bundesstaat West Virginia wird seit einigen Jahren die Hügelkette um Kayford Mountain nach und nach weggesprengt. Ziel dieses Unterfangens ist das möglichst einfach Freilegen der Kohleschichten. Denn Kohle treibt seit über Hundert Jahren die amerikanische Wirtschaft an und West Virginia ist seit jeher für sein reiches Kohlevorkommen bekannt.

Der Bergbau hat demnach eine lange Geschichte und durch viele der Berge ziehen sich tiefe Schächte, in denen Arbeiter unter harten Arbeitsbedingungen den fossilen Brennstoff abgebaut haben. Seit sich das finanziell nicht mehr rentiert, hat die Industrie eine Alternative gefunden. Und die lohnt sich aus wirtschaftlicher Sicht, erklärt der Ethikprofessor Dr. Bernhard Debatin.

Wenn man die Berge einfach wegsprengt, anstatt Bergwerke zu bauen, also Mountaintop Removal Mining, dann braucht man zehn oder vielleicht 15 Arbeiter um die gleiche Produktion zu haben für die man vorher 300 oder 400 Leute gebraucht hat.

Dr. Bernhard Debatin, Ethikprofessor

Entstehende Arbeitsplätze und Vorteile für die lokale Wirtschaft sind eindimensionale Argumente für das Gipfelabsprengen, denn es schafft im Vergleich zum klassischen Bergbau bedeutend weniger Arbeitsplätze. Auch wenn sich die Arbeitsbedingungen für die wenigen Beschäftigten verbessert haben, hat die Kohle ihre wirtschaftliche Antriebskraft vergangener Zeiten verloren.

Nachteile überwiegen

Die Nachteile des Mountaintop Removal Minings liegen für die Anwohner auf der Hand. Bei Starkregen stürzt das Wasser in Fluten in die Täler, dadurch sind in den vergangenen Jahren viele Menschen ums Leben gekommen. Denn wo kein Berg ist, wächst auch kein Wald mehr, der das Wasser aufhalten könnte. Zudem werden auch diverse Bodenschichten weggesprengt, die das Wasser in Trinkwasserqualität filtern könnten. Der Schlamm, der nach dem Waschen der Kohle übrigbleibt trägt gelöste Sulfate und andere Metalle in sich und verunreinigt Flüsse über weite Strecken.

Trotz zahlreicher Nachteile halten viele lokale Einwohner*innen an dem System fest. Die Kohle ist stark in der Tradition der Region verankert, weiß die Umweltaktivistin Elise Keaton.

Von den Menschen, die hier wohnen, haben schon die Väter und Großväter in den Bergwerken gearbeitet. Das gehört zur Identität.

Elise Keaton, Anwältin und Aktivistin

Laut der Sprengfirmen soll das Land nach dem Abtragen erschlossen und genutzt werden. Die flachen, abgelegenen Flächen eignen sich nach ihren Angaben für große Supermärkte, Gefängnisse oder Golfplätze. Für Keaton grenzt das an eine Farce: „Wer soll hier oben hochfahren, um zu einem Walmart zu kommen. Und wo sind die Menschen, die dringend noch einen Golfplatz brauchen?“

Keaton kämpft seit etlichen Jahren gegen das Wegsprengen und trifft dabei auf die Kohle-Lobby, die sie immer wieder versucht einzuschüchtern. Aufgeben ist allerdings keine Option, denn ihr liegt der nachhaltige Schutz ihrer Heimat am Herzen. Um das zu erreichen, ist ein generelles Umdenken wichtig, hin zu nachhaltigen Ressourcen, mit weniger direkten Auswirkungen auf die Bewohner der Umgebung.

Den Beitrag zum Nachhören finden Sie hier:

Ein Beitrag von Redakteurin Lauren Ramoser
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