Studentische Wohnungssuche

Mit 15 anderen beim WG-Casting

Einer Studie des Moses Mendelssohn Instituts zufolge wird es für Studierende immer schwieriger, eine passende Bleibe zu finden. Auch in Leipzig wird das spürbar, wie uns einige auf dem Campus berichtet haben.
In Zukunft soll es für Studierende schwieriger werden, ein gemütliches zu Hause zu finden.

Dass Leipzig wächst und für junge Leute attraktiver wird, macht sich nun auch für hier ansässige Studierende bemerkbar. Eine von ihnen ist Annika, die ihre Vorstellungen von einer passenden Wohnung zurückschrauben musste, um eine WG zu finden. Das Erdgeschoss zu vermeiden und am besten einen Balkon haben, das war für sie nicht drin. Dafür passt es mit den neuen Mitbewohnern ganz gut. Wenn sie auf ihre letzte Suche zurückblickt, dann bemerkt sie bereits eine Veränderung:

Es ist schon nicht so leicht wie vor vier Jahren, als ich das erste Mal hier gesucht habe. Das hat sich stark verändert.

Annika, Studentin

Suche in Leipzig wird stressiger

Was Annika bei ihrer Suche festgestellt hat, spiegelt sich auch im Anspannungsindex des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) wider. Die Studie des Instituts wurde von der Plattform wg-gesucht.de mitfinanziert. In den Index fließen 23 Kriterien wie beispielsweise Wohnungskosten oder Studierendenzahlen ein, maximal sind 100 Punkte zu erreichen. Je höher die Zahl, desto schwieriger soll es sein, in der Stadt eine Wohnung zu finden. In Leipzig sind es mittlerweile 31 Punkte, vor vier Jahren waren es noch 10 weniger. Im Vergleich dazu ist die Wohnungsuche bei Spitzenreiter München mit 78 Punkten natürlich stressiger. Doch die Entwicklung fällt hierzulande weitaus stärker aus als beispielsweise im Bundesdurchschnitt. Dies verdeutlicht Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des MMI:

Die Studierenden, die etwa in ostdeutschen Städten wie Leipzig lange Jahre gar keine oder nur geringe Probleme hatten, eine dem studentischen Budget angepasste Unterkunft zu finden, machen jetzt ganz andere Erfahrungen bei der Wohnungssuche.

Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts

Seiner Studie zufolge sind die Mietpreise in Leipzig wie im Bundesdurchschnitt gestiegen. Dieses Jahr zahlen Studierende hierzulande im Schnitt 260 Euro. Vor vier Jahren waren es noch 20 Euro weniger. Doch Leipzig liegt damit immer noch deutlich unter Bundesdurchschnitt, dort sind es ganze 100 Euro mehr, die Studierende für ihre Bleibe berappen müssen.

Weitere Informationen zum Nachhören von mephisto 97.6-Redakteurin Peggy Fischer:

 

Ein Beitrag von Peggy Fischer
 

Mehr Konkurrenz im WG-Casting

Schwieriger dürfte in Leipzig die Konkurrenz sein. Denn hier leben mit 37.000 Studierenden rund ein Drittel mehr als im Bundesdurchschnitt. Bei den jungen Leuten ist zudem der Zuzug insgesamt stärker. Mit 10.000 jungen Nicht-Studierenden ziehen dreifach so viele nach Leipzig wie andernorts in Deutschland. Und das bedeutet auf dem Wohnungsmarkt mehr Konkurrenz im gleichen Preissegment. Dem entspricht die Erfahrung von Lea:

Meine Wohnungssuche ist leider schlechter gelaufen, als gedacht. Ich war bei zehn WGs und habe letztendlich nur von einer die Zusage bekommen.

Lea, Studentin

Beim WG-Casting fand sich Lea außerdem meist unter 15 Mitbewerbern wieder. Bei der aufreibenden Suche weichen einige auf das Studentenwohnheim aus. So wie Loreen, die ursprünglich nicht aus Leipzig kommt. Sie sagt zu ihrer Suche: „Das hatte sich bei meinen Vorstellungen schwieriger gestaltet und ich wollte das möglichst zentral an wenigen Tagen erledigen. Deswegen war ich froh, dass ich im Studentenwohnheim untergekommen bin.“ Damit ist sie nicht alleine, 14 Prozent der Leipziger Studierenden wohnen der MMI-Studie zufolge im Wohnheim.

Es geht auch anders

Doch es muss nicht immer gleich das Wohnheim sein. Gustav hatte zusammen mit seinen Freunden nach anderthalb Monaten etwas Passendes gefunden. Das hätte er sich schwieriger vorgestellt, meint er, gerade weil sie kurzfristig gesucht hätten. Gustav resümiert zum Schluss:

Ich denke, die Wohnungssituation für Leipzig ist noch relativ entspannt verglichen zu anderen Städten, aber es wird halt auch immer beliebter. Deswegen mal schauen, was die Zukunft bringt.

Gustav, Student

Die Stimmen von Gustav und anderen Studierenden lassen sich hier noch einmal nachhören:

Eine Umfrage von Isabell Bergner
 
 

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Isabell Bergner
19.09.2017 - 20:15