Reformationsjubiläum

Millionen für den Kirchentag

Mit rund einer Millionen Euro will die Stadt Leipzig die Feiern zum Reformationsjubiläum unterstützen. Wie schon beim Katholikentag gibt es Kritik. Deswegen wurde im Stadtrat heute ein Antrag gegen eine Förderung eingereicht – und abgelehnt.
Der Stadtrat tagt immer einmal im Monat und diskutiert über die Zukunft der Stadt.

Beim Katholikentag im Mai des vergangenen Jahres strömten rund 40.000 Besucher nach Leipzig. Die Stadt förderte die Veranstaltung mit rund eine Million Euro. In diesem Jahr jährt sich die Reformation zum 500. Mal – und auch die Protestanten möchten in Leipzig feiern. Diese Veranstaltung fördert die Stadt ebenfalls mit eine Million Euro. Sehr zum Ärger von Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann der Piratenpartei. Deshalb hat sie in der heutigen Stadtratssitzung zum Doppelhaushalt einen Antrag ein eingereicht, um die Million zu streichen. Dieser wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Diskussion im Stadtrat

Ute Elisabeth Gabelmann hatte schon die finanzielle Unterstützung des Katholikentags im letzten Jahr kritisiert. In der heutigen Stadtratssitzung hat sie einen Antrag gestellt, der die Finanzierung des evangelischen Kirchentags kippen sollte. Mit ihrer Kritik steht sie aber relativ allein dar. Ein Großteil der Stadträte befürwortet die finanzielle Förderung der Kirchentage. So auch Christian Schulze von der SPD. Es sei bekannt, dass solche Großveranstaltungen rentabel seien. So geben Besucher Geld beim Einkaufen und Essen in der Innenstadt aus. Manche kommen auch nach solchen Veranstaltungen wieder nach Leipzig.

Selbst, wenn wir jetzt eine Millionen Euro ausgeben, das kommt 23 Mal wieder rein.

Christian Schulze, Leipzgier Stadtrat der SPD

Keine lohnende Investion

Genau das stellt Gabelmann infrage. Der Abschlussbericht zum Katholikentag zeige, dass die Gelder schlecht investiert waren. Rechne man gegen, ergeben sich Einnahmen von rund 700.000 Euro, die damit deutlich unter der Investition von eine Million Euro liegen würden. Außerdem brauche man das Geld an anderer Stelle dringender. So seien beispielsweise Sanierungen von Schultoiletten längst überfällig.

"Kirchentag auf dem Weg"

Es spreche aber noch etwas anderes gegen die Förderung des Kirchentages: Der Hauptteil des Kirchentages findet gar nicht in Leipzig, sondern in Berlin und Wittenberg statt. Sie wirft den Veranstaltern vor, durch die Verteilung des Kirchentages die staatliche Förderung maximieren zu wollen.

Diesen Vorwurf weist Christian Schulze zurück. Die Verteilung des Kirchentags auf mehrere Veranstaltungen sei Teil des Konzepts in diesem Jahr: "So wie die Reformation damals, gibt es eben mehrere Punkte, an denen gefeiert wird. Man kann ja nicht alle nach Wittenberg schicken, die Stadt würde aus allen Nähten platzen." Das sah wohl auch ein Großteil der anderen Stadträte so. Gabelmanns Antrag bekam lediglich eine Handvoll Stimmen.

mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker fasst die Diskussion um die Finanzierung des Kirchentags zusammen:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker
 

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker

 

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Lars-Hendrik Setz
02.02.2017 - 15:29