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Für alle, die sich mehr mit den feministischen Themen beschäftigen möchten, aber noch nicht genau wissen, wo sie anfangen sollen, gibt es hier ein paar Empfehlungen aus der mephisto 97.6-Redaktion.
Empfehlungen aus der Redaktion
Empfehlungen aus der Redaktion

Untenrum frei

Margarete Stokowski fasst in "Untenrum frei" viele grundlegende Ideen zum Thema Feminismus zusammen. Dabei verbindet sie große Machtstrukturen mit Geschichten aus ihrem Leben.

Es geht um die kleinen, schmutzigen Dinge, über die man lieber nicht redet,

weil sie peinlich werden könnten, und um die großen Machtfragen, über die man lieber auch nicht redet, weil vieles so unveränderlich scheint. Es geht darum, wie die Freiheit im Kleinen mit der Freiheit im Großen zusammenhängt, und am Ende wird sich zeigen: Es ist dieselbe.

Margarete Stokowski in "Untenrum frei"

Stokowski argumentiert dabei so schlüssig, dass ich in vielen Gesprächen einfach das Buch genommen und Stellen daraus vorgelesen habe, weil es sich kaum besser ausdrücken lässt. Und dann ist "Untenrum frei" auch noch gut und unterhaltsam geschrieben und verzichtet auf akademische Fachbegriffe, die man nur kennt, wenn man sich bereits intensiv mit feministischen Themen beschäftigt hat.

Lara Lorenz

Fleischmarkt

"Fleischmarkt" von Laurie Penny
"Fleischmarkt" von Laurie Penn

Wer sich ein bisschen tiefer gehender mit dem Thema Feminismus beschäftigen möchte, der sollte sich Laurie Pennys "Fleischmarkt" nicht entgehen lassen. Ich hab es am Stück gelesen. Zum einen, weil es nicht so lang ist und zum anderen, weil es sich wirklich gut lesen lässt.

Was viele von uns deutlich wahrnehmen ist, dass sexuelle Performanz und Selbstverdinglichung Formen von Arbeit sind: Aufgaben, die wir übernehmen und perfektionieren müssen, wenn wir vorwärtskommen wollen.

Laurie Penny in "Fleischmarkt"

Penny erklärt und erzählt gleichzeitig und schafft es so, die Debatten und Diskurse des gegenwärtigen Feminismus verständlich zu machen und um ihre eigenen Thesen zu erweitern. Will man wirklich das ganze Buch restlos verstehen, kommt man allerdings nicht darum herum, ab und an mal ein paar Wörter nachzuschlagen.

Taiina Grünzig

What would Simone do?

Der Frau bleibt kein anderer Ausweg, als an ihrer Befreiung zu arbeiten. Diese Befreiung kann nur eine kollektive sein.

Simone de Beauvoir

Was würde Simone de Beavoir tun? Eine Frage, die man sich häufiger stellen sollte und der Nadja Mitzkat seit 2016 auf ihrem gleichnamigen Blog nachgeht. In und aus Leipzig verfasst sie feministische Essays, macht sich Gedanke über Gleichberechtigung in Beruf und Familie und berichtet über aktuelle Projekte in der Stadt.

Johanna Bastian

Ebbe & Blut

"Ebbe & Blut" von Luisa Strömer und Eva Wünsch
"Ebbe & Blut" von Luisa Strömer und Eva Wünsch

Erst als ich "Ebbe & Blut" gelesen habe, habe ich gemerkt was ich selbst alles nicht über den weiblichen Zyklus weiß. Klar, einmal im Monat habe ich meine Menstruation und irgendwann zwischendrin bin ich theoretisch fruchtbar. Aber beim genaueren Zeitpunkt stieß mein Wissen schon an seine Grenzen. Eva Wünsch und Luisa Stömer haben mit liebevollen Grafiken ein wunderbares Buch kreiert, in dem all das, was der Sexualkundeunterricht versäumt hat, nachgeholt wird.

Wir hatten Abi gemacht, fast fertig studiert und trotzdem nicht den leisesten Schimmer, dass der Eisprung kein Sprung und Blut nicht immer Blut ist.

Eva Wünsch und Luisa Stömer in "Ebbe & Blut"

Philine Kreuzer

Wenn Männer mir die Welt erklären

Rebecca Solnit hat mit ihrem Essay "Men explain things to me" die Debatte angestoßen, die den Begriff "Mansplaining" hervorgebracht hat. Sie beschreibt darin eine Situation, in der ein Mann ihr etwas erklärt, worüber sie mehr weiß als er und nicht von ihm belehrt werden möchte.

Die meisten Frauen kämpfen an zwei Fronten - einmal für oder gegen eine spezifische Sache und einmal schlichtweg für das Recht, ihre Meinung zu äußern, Ideen zu haben, als jemand anerkannt zu werden, der über Faktenwissen verfügt, einen Wert hat, ein Mensch ist. Die Lage hat sich durchaus verbessert, aber das Ende dieses Kampfes werde ich sicher nicht mehr erleben.

Rebecca Solnit in "Wenn Männer mir die Welt erklären"

Solnit fasst mit ihrem Essay ein Gefühl in Worte, dass ich in einigen Situationen erlebt habe, aber nicht genau einordnen konnte und fasst zusammen, wo das Problem liegt, wenn Männer Frauen Dinge erklären, die diese gar nicht erklärt haben möchten.

Lara Lorenz

We should all be feminists

In Schweden haben alle 16-Jährigen Schüler*innen ein Exemplar der gedruckten Ausgabe ihres Ted-Talks "We should all be feminists" bekommen – zu recht. Chimamanda Ngozi Adichie erinnert uns mit ihrem Text daran, warum Feminismus jeden etwas angeht. Sie hat mich selbst sehr inspiriert und so vor gar nicht so langer Zeit dazu gebracht, mich Feministin zu nennen. Jede*r sollte sich diese halbe Stunde Zeit nehmen, um sich von Adichies Worten beeindrucken zu lassen.

Philine Kreuzer

Hinten sind Rezepte drin

"Hinten sind Rezepte drin" von Katrin Bauerfeind
"Hinten sind Rezepte drin" von Katrin Bauerfeind

Katrin Bauerfeind – 35, Moderatorin und Journalistin – steht mit beiden Beinen mitten im Leben und widmet sich in ihrem zweiten Buch „dem Wahnsinn, eine Frau zu sein.“ Auf 220 Seiten wird humorvoll und mit einem Zwinkern über das Frau-Sein in der heutigen Zeit berichtet. Dabei lässt Bauerfeind die Leser*innen an ihren persönlichen Geschichten teilnehmen. Beim Lesen hangelt man sich mit einem Schmunzeln von Geschichte zu Geschichte und fühlt sich in eigene Lebensgeschichten zurückversetzt. Wie dem ersten Date oder der eigenen Kindheit und man wird mit Klischees konfrontiert, die Frau tagtäglich begegnen. Dabei schafft es Bauerfeind bei allem Humor die Ernsthaftigkeit nicht zu verlieren und regt zum Nachdenken an. Auch wenn es manchmal nur das Nachdenken über alte Geschichten ist, an die wir uns mit einem Schmunzeln gerne erinnern.

Sophie Rauch

Beißreflexe

Queer war früher das Perverse. Das Verspielte, Unangepasste, was sich der starren Hetero-Gesellschaft widersetzte. Das hat sich geändert. Queer sei heute nur noch eine alternative Anständigkeit, die der bürgerlichen Anständigkeit entgegnet wird. Das Zauberwort heißt "Privilegien". Je weniger Privilegien man hat, desto mehr hat man zur Diskussion beizutragen. Jeder darf nur noch für sich selbst sprechen.

So denkt Patsy l'Amoure laLove, die das Buch "Beißreflexe" herausgegeben hat. Darin kritisieren 27 Autorinnen aktuelle Debatten des Queer-Feminismus. Hier wurde auf die Samthandschuhe verzichtet. Eine selbstbewusste Entgegnung gegen den queeren Aktionismus ist ungewohnt. Deswegen ist das Buch in Queer-Szenen höchst umstritten. Endlich wieder ein Buch, dass die Strukturen der LBTIQ-Bewegungen aufwirbelt.

Janek Kronsteiner

The Handmaid's Tale

Margret Atwoods "Der Report der Magd" ist schon ein wenig älter: 1985 erschien es zum ersten Mal. Atwood beschreibt darin eine nicht weit entfernte Zukunft, in der Frauen die Rechte über ihren Körper abgesprochen werden und sie vor allem als Reproduktionsmaschinen gesehen werde. Mich hat beim Lesen besonders erschreckt, wie die Situation gekippt ist und die Frauen in Atwoods Roman ihre Rechte verloren haben: Ein  schleichender Prozess, vor dem viele die Augen verschlossen haben bis es plötzlich zu spät war.

Über Atwoods Geschichte wurde und wird viel diskutiert. Mona Eltahawy schrieb vor kurzem in der New York Times, dass die Welt, die Atwood beschreibt, für einige Frauen keine Dystopie, sondern alltägliche Realität ist. "The Handmaid's Tale" bekommt momentan unter anderem besonders viel Aufmerksamkeit, weil die Streaminplattform "Hulu" das Buch gerade als Serie verfilmt hat. 

Lara Lorenz

MONAliesA

Die meisten dieser Titel und unzählige andere finden sich in der MONAliseA, der feministischen Bibliothek in Leipzig.

Feminismus ist eine Methode, um die Strukturen der Gesellschaft zu durchleuchten und deswegen nicht auf "Frauenfragen" beschränkt – Feminismus ist Gesellschaftskritik.

MONAliesA

Seit 1990 pflegt die Bibliothek ihren Bestand und hat mittlerweile über 20.000 Bücher, Spielfilme und Zeitschriften, die im Haus der Demokratie in der Bernhard-Göring-Straße 152 frei zugänglich sind. Geöffnet hat die Bibliothek immer Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, jeweils 15 – 19 Uhr und nach Vereinbarung.

Johanna Bastian

Jäger und Sammler

Was fürs Auge! Jäger und Sammler ist eigentlich kein feministisches Format. Es ist ein YouTube Kanal, dessen Inhalte sich allerdings oft mit feministischen Forderungen bzw. Themen decken. Die Videos sind gut recherchiert und enthalten viele neue Infos über Themen wie z.B. Gehaltsunterschiede, die Pille oder Mädchenzeitschriften.

Die kurzen, meist sehr humorvoll gestalteten Videos weisen auf Missstände hin und bieten so oft Denkanstöße. Sie sind leicht zugänglich und verständlich gestaltet. Feministische Themen werden besonders von Suzie Grime und Nhi Le abgedeckt, aber auch die anderen Videos sind einen Klick wert.

Taiina Grünzig

 

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Lara Lorenz
25.06.2017 - 21:18

"Untenrum frei" von Margarete Stokowski ist im Rowohlt Verlag erschienen, hat 256 Seiten und kostet 19,95 Euro.

"Fleischmarkt" von Laurie Penny ist bei Edition Nautilus erschienen, hat 128 Seiten und kostet 14 Euro.

"Ebbe & Blut" von Luisa Strömer und Eva Wünsch ist bei Gräfer und Unzer erschienen, hat 240 Seiten und kostet 24 Euro.

"Wenn Männer mir die Welt erklären" von Rebecca Solnit ist im btb Verlag erschienen, hat 176 Seiten und kostet 9,99 Euro.

"Mehr Feminismus! Ein Manifest und vier Storys" von Chimamanda Ngozie Adichie ist im Fischer Verlag erschienen, hat 112 Seiten und kostet 8 Euro.

"Hinten sind Rezepte drin" von Katrin Bauerfeind ist im Fischer Verlag erschienen, hat 220 Seiten und kostet 9,99 Euro.

"Beißreflexe" herausgegeben von Patsy l'Amour LaLove ist im Queerverlag erschienen, hat 272 Seiten und kostet 16,90 Euro.

"Der Report der Magd" von Margret Atwood ist bei Piper erschienen, hat 416 Seiten und kostet 11 Euro.